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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-01 · Heft 27 (1.7.1879) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 27 (1.7.1879)
Date
1879-07-01
Page
Seite 428 (sequence 13)
Language
German
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428 Feuilleton. (Korrespondenz'). Neuß-Solingen, im Juni 1879. Der Verein israelitischer Vlementarlehrer für äVestfaten und Nheiuprovinz hielt seine diesjährige Konferenz am 2. Juni in Steele ab. Der langjährige Vorsitzende, Herr Blmnenau-Bielefeld, eröffnete die Sitzung um 91/., Uhr. Leider tvar nur eine geringe Anzahl erschienen, nämlich 26; einige hatten sich wegen ihres Ausbleibens entschuldigt. Es erfolgt als erster Punkt der Tagesordnung: Berichterstattung über die Unterstützungscaffe des Vereins. Dieser zählt 48 active Mitglieder und hat der Cassenbestand bereits die Hohe von 36,000 Mark überschritten. Der Jahresbericht pro 1878 ist schon Mitte Januar zum Versand gekommen. Der Vorsitzende richtet die dringende Bitte an die Kollegen, sich ernstlich der Casie zu widmen, besonders durch eifriges Wirken für dieselbe in den Gemeinden. College Goldberg-Steele erhält das Wort zu seinem Vortrage: „lieber Lehrer-Konferenzen und deren Bedeutung für Lehrer und Schule der Gegenwart. Referent bemerkt, daß es überflüssig erscheine, in unserer Zeit den Werth der Lehrer-Konferenzen, welche mehr die ethische und ideale Seite des Lebens zum Gegenstände ihrer Berathungcn machen, zu betonen, entwirft das Bild einer Gon« sercnz und stellt als Aufgabe derselben hin, die Schattenseiten des Lchrerberufs .schonungslos aufzudecken, der Lauheit und Gleichgültigkeit der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder energisch cntgcgenzutretcn, der Besserstellung besonders der Lehrer an Privatschulen das Wort zu reden. Ein unschätzbarer Gewinn der Conserenzen gipfle-in der Hebung des Standesbewußtscins und des Gefühls der Zusammengehörigkeit. Der Vortragende wirft einen historischen Rückblick aus die Entstehung der Lehrervereine überhaupt und die Geschichte des hier versammelten Vereins insbesondere. Am Schluß tadelt er die Lauheit und Interesselosigkeit mancher Lehrer für das Confcrcnzleben, die schwache Bctheiligung der Kollegen an der Untcrstützungscasse und bittet dringend im Interesse des Standesbewußtscins mit vereinten Kräften an dem Werke der Menschenvercdlung und Menschenliebe zu arbeiten. Der Referent hatte folgende Thesen, woran sich lebhafte Debatten schlossen, ausgestellt: I. In unserer Zeit der Associationen sind von Zeit zu Zeit stattsindende Lehrerconferenzen für Schule, Lehrer und Gemeinden unbedingt erforderlich und in socialer, wie pädagogischer Hinsicht für alle drei Factoren der Erziehung von hohem Nutzen. II. Der Lehrer hat die moralische Verpflichtung, sowohl gegen die Schule, als auch gegen sich selbst und die Gemeinde, sich an den freien Konferenzen zu betheiligen, msbesondere aber auch in die aus denselben hervorgegangenen Wohlthätigkeitsinstitute, wie Wittwen- und Waisencafsen, als Mitglied einzutrcten und nach Kräften das Gedeihen und Emporblühen derselben nach allen Seiten hin zu fördern. III. Auch abgesehen hiervon legt schon das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Bewußtsein, einem Stande anzugchören, von dessen gedeihlicher Wirksamkeit das Wohl und Wehe ganzer Generationen abhängig ist, dem Lehrer die unabweisliche Pflicht auf, diesem Bunde als Glied in der großen Kette sich anzuschließen und jenen Geist der Eintracht und Kollegialität mit seiner Person und durch seine Thätigkeit zu stärken. In der Nachmittagssitzung hielt Löb-Cöln seinen Vortrag: Ueber Erziehung und Unterricht bei den Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, der, wenn auch nicht erschöpfend, doch alle wichtigen Punkte aus der Geschichte der jüdischen Prädagogik hervorhob. Der Referent stellt folgende Thesen auf: I. Das Judenthum hat zu allen Zeiten auf die Erziehung und den Unterricht der Jugend sein Hauptaugenmerk gerichtet. II. Das Judenthum wurde gehoben durch die Blüthe seiner Schulen und sank mit deren Verfall. III. Die jüdischen Schulen müssen daher erhalten, gepflegt und gehoben werden. IV. Das jüdische Element verdient gleiche Berücksichtigung wie die übrigen Disciplimen. An diese These knüpfen sich sehr lebhafte Debatten. Blumenfeld-Essen führt aus, cs sei ein Verdienst der Juden, auf die religiöse Bildung viel Gewicht gelegt zu haben, bedauert, daß die Kinder jetzt den Volksschulen zu früh entzogen werden und der Religionsunterricht an den höheren Schulen sich auf wenige Stunden beschränken müsse, daß die Zeit mit ihrer materiellen Richtung die jüdischen Familien lau und interessenlos für die Religion unserer Väter gemacht. Es sei ihnen gleichgültig, ob ihre Kinder die Neligionsschulen besuchen oder nicht. Er betont nachdrücklich: Der jüdische Neligions"ntcrricht muß obligatorisch werden, indem er die Schlußfolgerung zieht: Ist der Religionsunterricht ein 1) Der Raum dieses Bl. gestattet uns nicht, das uns zugcsandte, bestens abgefaßte ausführliche Protoeoll ganz wiederzugeden; wir müssen uns aus das Interessanteste beschränken. Redactivn. intcgrirender Theil des Unterrichts bei den Christen, so ist er es auch für die Juden. Blumenfeld schlägt vor, einen besonderen Sabbath-Nach-

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