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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-01 · Heft 27 (1.7.1879) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 27 (1.7.1879)
Date
1879-07-01
Page
Seite 423 (sequence 8)
Language
German
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In dem Osterprogrammme der Realschule zu Ouackenbrück findet sich eine Arbeit des Directors Geßner über „das Lied der Deborah." Stuttgart, den 17. Juni. (Pri'oaiiNltth.) Letzten Sonntag fand hier die Einweihung der neuen evangel. Garnisonskirche statt. In dem Festzuge waren auch Vertreter der katholischen und israel. Gemeinde; neben dem katholischen Stadtpfarrer ging in seinem Ornate Herr Rabbiner Kirchcnrath Dr. Wassermann. — Der weitere Ausschuß des Verbands zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten für den Neckar- und Jagstkreis, der in Heilbronn seinen Sitz hat, hielt vor einigen Wochen eine Sitzung. Der Bericht des Vorstandes, H. Jak. Rosenthal, war recht befriedigend, der Thätigkeit desselben ist es hauptsächlich zu danken, daß dieser Verein Bestand erhält; andere ähnliche Vereinigungen in anderen Landestheilen haben sich wieder aufgelöst. — Die „Ludwigsburger Zeitung" brachte vorige Woche mehrere skandalöse Fälle von Wucher, wobei der „jüdische Wucherer" eine Rolle spielen sollte. Die israel. Kirchenvorsteher in Ludwigsburg haben in einer Erwiederung mit Recht betont und gebeten, rücksichtslos die Namen zu nennen, damit nicht ein falscher Schein auf andere hochachtbare Mitglieder der israel. Gemeinde falle?- Der Staatsanzeigcr für Württ. macht darauf aufmerksam, daß die Agitation gegen das Wuchcrwesen leicht über das Ziel hinausschieße. Schlechte Schuldner gewinnen die Einsicht> daß es ein sehr billiges Verfahren ist, anstatt den Gläubiger zu befriedigen, ' ihn wegen Wuchers zu dcnunciren. Der anständige Theil der Presse sieht sich genöthigt, den Feldzug gegen den Wucher einzustellen, um sich nicht zum Genossen von Dingen zu machen, die ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer, als der Wucher sind. Mannheim, den 18. Juni. (Privatmitth.) In mehreren Gemeinden unseres badischen Landes rüstet man sich zu einer würdigen Feier des 15<>jährigen Geburtsfestes unseres Meisters Mendelssohn. Ich erwähne besonders Karlsruhe, Mannheim und Freiburg i^Br. Mögen andere Gemeinden diesen denkwürdigen Tag ebenfalls feierlich begehen. — In unserer Nachbargemeinde Heidelberg, die sich vor mehreren Monaten den Vorwurf besonderen Raffinements im Wucher gefallen lassen mußte, ist diese Frage nunmehr zum Stillstand gebracht, nachdem die erhobene Statistik einen äußerst geringen Prozentsatz jüdischer Wucherer ergab. Wenn es allerdings wahr ist, daß es auch in Baden einige jüdische Wucherer giebt, so scheint mir der Grund mit in der Thatsache zu liegen, daß es mit der Seelsorge in unserem Lande nicht gut bestellt ist. Ganze Gegenden entbehren eines Rabbiners. Schreiber 1) hierauf müssen wir überall dringen! Wir wollen Niemanden geschont wissen, der es verdient, gebrandmarkt zu werde,u . Aber Geschichtcben zu ersinnen, wenn man keine Namen nennt, ist ein leichtes Geschäft. Redaction. dieser Zeilen kennt eine unserer größten Gemeinden, in der das Seelsorgeramt in den Händen eines Lehrers liegt, der an Wissen und Charakter kaum über das Niveau des Laien reicht. Bedenkt man, daß der sogenannte „halsabschneiderische Wucher" im Grunde nur . das Product religiöser und sittlicher Verkommenheit ist, so liegt auf der Hand, daß vor Allem der obenerwähnte Mißstand beseitigt werden müsse. So lange dies nicht der Fall, nützen selbst Vereine, wie der seit mehreren Monaten in Freiburg , Br. bestehende „Humanität", nur wenig. Mannheim, die zahlreichste jüdische Gemeinde Badens, beherbergt nur äußerst wenige solcher „Gewerbtreibender". Oesterreich-Ungar». Bann, lK. Juni. (Privatmitth.) Wir haben bereits bemerkt, daß die gegenwärtigen Wahlbewegungen in Ostgalizien eine besondere Bedeutung für die dortige jüdische Bevölkerung haben, vielleicht mehr als die Wahlrcsültate selbst. Daß eine zweifache Strömung unter unseren Glaubensgenossen vorhanden, ist ersichtlich. Die einen haben sich der polnischen Partei ergeben und ihre Führer sind in das polnische Ccntral-Wahlcomit«! eingctreten, das ihnen vier Sitze im Reichstage verheißen hat. Die Anderen bleiben der Verfassungspartei getreu. Es kann hier leicht der Fall eintreten, der das alte Gleichniß vom Bündel Pfeile abermals belvahrhcitet, da, wie cs scheint, das polnische Eentralcomit» kein gerechtes Spiel treibt, denn wie wäre es sonst erklärlich, daß der Rabbiner Orn'stein aus diesem Somit«'' wieder ausgetreten ist? Das Comitü weist den jüdischen Candidaten Städte an, in welchen, wie z. B. in Przemysl und Grodeck, die Candidatur eines Juden von dem Lokalwahlcomit«' entschieden abgesehnt worden. Man fürchtet daher bereits, d«rß die Juden bei den gegenwärtigen Wahlen in Folge der Jntriguen der Polenführer kein einziges Mandat behalten werden. In Kolomea stehen sich sogar z!vei Juden gegenüber: I)r. Hönigsmann, der streng auf dem verfassungstreuen Standpunkt beharrt und in den Polenclub einzutreten entschieden verweigert hat, und!)>-. Emil Bvk aus dem polnischen Centralrvahlcvmit'!. Bis jetzt aber hat der erstere das Uebergewicht. Man muß daher auf den Ausgang aller dieser Wirrfate um so mehr gespannt sein. Die jüdischen Wähler projectiren eine Vertrauens-Kundgebung für den Rabbiner O ruft ein, der bekanntlich in richtiger Voraussicht, daß die Polen bei den gegenwärtigen Wahlen blos eine Dupirung der Juden beabsichtigen, aus dem polnischen Eentral-Comit«: ausgetreten ist. Gestern hielt Dr. Hönigsmann in Buczacz seine Candidaten-Rede, und es ist kein Zweifel, daß ihm die Stimmen sämmtlicher verfassungstreuer Wähler hier gesichert sind. In der heutigen Sitzung der Handelskammer von Brody erstattete der bisherige Abgeordnete Kallir seinen

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