Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1879)
- Date
- 1879-07-01
- Page
- Seite 422 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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422 zum Wucher zu behaupten, daß nach den gerichtlichen Acten in hundert Wuchcrprozessen 99 mal Juden dabei seien! Es ist dies eine offenbare Lüge, und man müßte die „Germania" zur Beweisführung oder Zurücknahme auffordcrn, wenn man nicht schon so oft erfuhr, daß dieses Blatt sich mit einem Kunststückchen aushilft, und gleich darauf dieselbe Lüge unentwegt wiederholt! Dafür ist sie eine Streiterin für „Wahrheit und Recht"!') Potsdam, 15. Juni. (Privatmitth.) Die Jubelfeier der goldenen Hochzeit des Allerhöchsten Kaiserpaares gab der hiesigen Synagogengemeinde von Neuem Gelegenheit, ihren patriotischen Sinn und die schöne Gemeinschaft zu bekunden, welche sic mit der Bevölkerung verbindet. Eine in kalligraphichcr Goldschrist verfaßte Adreffe, welche die ehrfurchtsvollste Gesinnung der Gemeinde gegen das Herrscherpaar ausspricht, wurde Allerhöchstdcnselben durch den Herrn Oberhofmarschall übermittelt, und den milden Stiftungen der Stadt wurden namhafte Summen überwiesen. — Die synagogalc Feier fand am gestrigen Sabbath statt. In großen Zügen zeichnete Herr Rabbiner Dr. Eohn in seiner Festprcdigt sowohl das Allgemein-Menschliche, wie das wahrhaft Große und Majestätische, das sich in dem Eheleben des Kaiserpaares zusammendrängt, und wie durch das gewaltige Schaffen des Fürsten und das stille Wirken der Fürstin dieser Lebensbund eine Quelle reichsten Segens für das engere und weitere Vaterland geworden sei. Hannover, 17. Juni. (Privatmitth.) Die hiesige königliche Landdrostci hat für das Rechnungsjahr 1879—80 den von den Synagogengemeindcn des Landdrosteibezirks Hannover- Lüneburg aufznbringenden Bedarf der Landrabbinatscasse auf 4.'Zb0 M. festgesetzt. — Daß die goldene Hochzeit des kaiserlichen Ehepaares in sämmtlichen Synagogen unserer Provinz durch Gebet und Predigt festlich begangen wurde, versteht sich von selbst. Die israelitische Gemeinde in Emden hat auch zum 11. Juni eine Stiftung ins Leben gerufen, welche den Zweck verfolgt, eine Anstalt zu errichten, in welcher würdigen altersschwachen und erwerbsunfähigen Personen ein Unterkommen gewährt werden soll. Die benöthigten Gelder werden durch freiwillige Beiträge herbeigcschaft und sind bereits 4000 M. gespendet worden. Außerdem hat sich zur Förderung der Stistungszwccke ein Verein gebildet. — In hiesigen Blättern wird eine patriotische Handlung des Rentier S. Coppel hierselbst rühmlich erwähnt, welcher für die kunstgewerbliche Lehranstalt des Gewerbevereins für Hannover einen jährlichen Preis von 100 M. gestiftet hat und sollen für diese Summe jedesmal einige der besten Schülcrarbeiten angekauft und als i) Merkwürdig ist cS. daß immer noch auf die Qualität „Jude" ein so besonderes Gewicht gelegt wird. Wir lesen z. B. eben in der Fr. Pr.", daß in Lemberg „drei polnische Studenten und ein jüdischer Pharmaccut" wegen Verdachts socialistischcr Umtriebe verhaftet worden. Was soll die Bezeichnung „jüdisch" hier bedeuten'? Illustration der Schulchromk in den Räumen des Vereins aufgestellt werden. — In dem hier bestehenden katholischen Stifte der barmherzigen Schwestern, welches sich der Unterstützung vieler unserer Gcmcindemitglieder erfreut, von denen auch einige Acrzte zum Ausschüsse gehören, wurden in dem abgelaufencn Jahre zwei kranke Israeliten verpflegt und sind von den Schwestern in Privathäusern bei Israeliten 143 Nachtwachen abgehalten worden. Die Anfangs gehegte Befürchtung, als würde ln dem Stifte den Israeliten gegenüber Proselytenmacherei getrieben werden, hat sich als unbegründet erwiesen und werden sämmtliche Kranke in der Anstalt sehr aufmerksam behandelt. . — Dem Oberrabbiner Dr. Adler in London, welcher am jüngsten Wochenfeste sein DOjä.hriges Rabbinerjubiläum feierte, wurde von Seiten des Vorstandes der hiesigen Geineinde, in deren Mitte er vor seiner Uebersiedelung nach England fünfzehn Jahre lang als Landrabbiner gewirkt hatte, eine Glückwunschadresse übersandt. — In derletzten Monatssitzung des hiesigen geographischen Vereins hat Herr Banquier Felix Herzfeld, ein Sohn des Profeffors und Landrabbincrs I)r. Herzfeld in Brauäschweig, einen mit vielem Beifalle aufgenommenen Vortrag über Schottland gehalten, welcher im Jahresberichte der Gesellschaft zum Abdruck gelangen wird. Die nächsten beiden Monate fallen die Sitzungen aus, in der am I. September stattsindcndcn aber sollen Mittheilungen über die geographische Vertheilung der Juden in Niedcrsachsen gemacht werden. — An der Weltausstellung in Sydney wird sich von hier die bereits mehrfach prämiirte Firma S. Oppenheim h. Comp, in Hainholz bctheiligen, welche ihren von der hiesigen Gewerbeausstellung her bekannten Ausstellungsschrank mit Schmirgelwaarc dorthin sendet. - Der in öffentlichen Blättern jetzt vielfach genannte und zur Hebung der „Pommcrania" und des „Großen Kurfürsten" engagirte Albert Leutner ist unser Glaubensgenosse, hier geboren und hat auch hier seine Schulbildung genossen. — In Göttingen ist für dieses Jahr zum Mitgliede der wissenschaftlichen Prüfungseonunission für Mathematik Professor Dr. Stern ernannt. In der Universitätsaula daselbst fand am 11. Juni die Preisvertheilung der von den verschiedenen Facultäten gestellten Prcisaufgaben statt, bei welcher Gelegenheit Dr. Herrmann Schlesinger, der Sohn des dortigen jüdischen Lehrers, den Preis für die Lösung der von der medicinischen Facultät gestellten Aufgabe erhielt. Die dortige theologische Facultät hatte früher eine Preisaufgabe gestellt, welche auch für uns Israeliten von Interesse ist, nämlich:.. „Die Heiligkeit Gottes nach der Anschauung des alten Testaments." Dieselbe ' wurde, von dem Stud. Theol. Merz aus Lüneburg gelöst. — Die von Herrn Baurath O p p l e r hiersclbst erbaute Synagoge in Hameln ist nun solveit vollendet, daß ihre Einweihung am 2. Juli erfolgen wird. Das Bauwerk lvird als ein sehr schönes gerühmt. —