Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1879)
- Date
- 1879-07-01
- Page
- Seite 421 (sequence 6)
- Language
- German
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421 Opfernden, tote dem Priester die Verrichtung angewiesen *). Schon daß von den Opferhandlungen jede Art von Wahr-, sagerei, von Ausdeutung der Eingeweide u. s. to. auf's Strengste ferngchalten war, mußte den Act vereinfachen. Ganz anders in den anderen antiken Religionen; überall der verwickeltste, mannigfaltigste Ritus, der lausend Forderungen in den verschiedenartigsten Beziehungert zum Opseracte stellte, und in eine VerschiedenartigkeiL ausartete, die z. B. selbst, in Athen für jedes Familiengeschlecht hundertfältige eigengeartete Bestimmungen enthielt, deren Kenntnis; sich in den Geschlechtern forterbtc. Hierzu kommt endlich die strengste Vorschrift, daß nur in dem einen bestehenden Heiligthume geopfert .werden durfte — während die Tempel und Altäre bei den heidnischen Völkern zahllos waren, über alle Theile aller Länder zerstreut — und die für eine ganze Nation vcrhältnißmäßig sehr geringe Zahl der officiellen Opferthiere — täglich 2 Lämmer, am Sabbath noch 2 Lämmer, am Neumondstage, an den 7 Tagen Peßach und atn Tage des Wochenfestes 2 junge Stiere, 1 Widder und 7 Lämmer, am Drommetenfest 1 Stier, 1 Widder und 7 Lämmer, ebenso am Versöhnungstage (ohne Tage 1 Stier, l Widder und 7 Lämmer. Dies war Alles. Erwägt rnan nun, daß all' diese einfachen Einrichtungen in dem israelitischen Opfercultus sich streng aufrecht erhielten und die Entwicklung des Nationalreichthums keinen Einstuß darauf übte , ihn in reicheren und mannigfaltigeren Formen zu cnttvickeln, so werden wir einen besonderen Charakter darin zu finden uns genöthigt sehen. Es wird dies sich einem Jeden aufdrängen, wenn er z. B. bei Flavius Josephus in dessen „Jüdischetl Altcrthümern" Buch 111. Kap. 9 und 10 das ganze Opfergesetz in wettigcn Seilen dargestellt findet, und Josephus war selbst aus dem Priestergeschlechte und hatte den Tentpcl noch in seiner ganzen Blüthe gesehen. Und gehen wir nun von Josephus aus rückwärts durch die biblischen Schriften, so finden Nur ttirgends eine Abweichung oder Abänderung — bei Ezechiel ist es nur Nebensächliches, immer jedoch in denselben Nonnen — und Alles, was sich bei den Israeliten Andersgeartetes einstellt, tvird sofort als Abfall und Götzendienst bezeichnet, das dem echten Cultus wieder weichen mußte, sobald eine Umkehr eintrat. Daß bei außerordentlichen Gelegenheiten, z. B. bei der Tempelweihe, die die Neumondsopfer), an den 7 Tagen des Laubhüttenfestes Zahl der Opferthiere all libitum vergrößert wurde, versteht 2 Widder, 14 Lämmer und zusammen 70 Stiere, am achten sich von selbst. Sonst stoßen wir, was Opferarten, Opferthicrc und attdere Formen betrifft, immer auf dieselben Beil Dem Opfernden siel zu: I) das Handaufleqcn auf den Kopf des Thieres, 2) HDWn das Schlachten des Thieres, 3) ntrw£n das Abziehen des Felles, 4) nnVÜH die Zerstückelung des Thieres und das Abwaschen der Eingeweide und Ertremitätcn: der Priester dagegen hatte zu vollziehen: t) das Sprengen des Blutes, 2) die Zurüstung der Hölzer und des Feuers und die Ausbreitung der zu Stücke auf den Hölzern. Zeichnungen uttd Ausdrücke. Wir wollen mir ein nebensächliches Beispiel anführcn: ein ganz in Rauch ausgehendes Opfer, sei es Speis- oder Thieropfer, wird auch benannt, und wir ftitbctt diesen Ausdruck im Gesetze o Mos. 6, 15. 16, im tunfl ber Hölzer und des Segen Moses' 5 Mos. 33, 10, im geschichtlichen Buche verbrennenden geialzencni % _ ' . . ' r ' jl Sam. 7, 9 und tm Psalm 51, 21. nqäiicce :<m. Deutschland. Berlin, 18. Juni. (Privatmitth.) Um die praetische Seite der neuen Justiz ge setze seinen Beamten in Fleisch und Blut überzusühren, hat, wie wir der „Voss. Ztg." entnchtnett, der Präsident des Stadtgerichts die dankenswerthe Einrichtung getroffen, daß für die Beamten des Criminalgerichts von bemfener Seite Vorträge über diese Materie gehalten werden. Ten Anfang machte Stadlgerichtsrath Kayser atn Freitag mit einem Vortrag über die neue Criminalrechtspflege; ihm wird demnächst der Stadtgcrichtsratb Professor Rubo mit einem gleichen Vortrage folgen. Wir bemerken hierzu, daß die beiden genannten Herrn Juden sind. Nun tverden unsre bekannten Gegner wieder ausrufen: Ja, brauchbar sind die Juden, aber das macht sie gerade für uns so gefährlich! Wir sagen umgekehrt: Juden, die irgend eine hervorragende Stellung erreichen, müssen sehr brauchbar sein, sonst lvären sie gar nicht vorwärts gekonttnen. — Seitdem cs wieder fraglich geworden, ob die „Germania" ttächstens zu den offiziösen Blättern ge- . hörcit werde, läßt sie ihrem alten Judenhaffe wieder vollen ' Lauf. Sie erzählt sehr breit Wuchergeschichten, bei welchen sie vorsichtig gar keinen Flamen oder nur Anfangsbuchstaben! bringt, was denn für die Authenticität nur geringe Bürgschaft bietet. In zehn Zeilen kommt danir ein Dutzend Mal das Wort „Jude" brettgedruckt vor, um so recht ihren Judenhaß in feiner, ganzen Nacktheit zu zeigen und möglichst ihren Lesern einzuprägen. Denn hinterdrein erzählt sie auch Mord-, Unzuchts-, Cassen-Tefraudations-, Betrugsgeschichten, aber das Wort „Katholiken^ oder „Protestanten" kommt darin nicht vor, was doch gerechter Weise auch geschehen sollte. In ihrer j heutigen Nummer wagt nun dieses Jesuiteitblatt in einer kurzen Besprechung des vom deutsch-israelitischen Gemeindebund heraus- , gegebenen Flugblattes über das Vcrhältniß des Judcnthums