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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-24 · Heft 26 (24.6.1879) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 26 (24.6.1879)
Date
1879-06-24
Page
Seite 412 (sequence 15)
Language
German
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412 Und wär's in Dir allein — Wie kam das Gute doch in Dich hinein? Wenn ich am Schlechten Schmerz empfinde. Muß ich am Guten Lust empfunden haben — Wenn ich im Schmerz mich winde, Geschieht's, weil ich zuvor ganz andre Gaben! Doch auch die Lust fühl' ich, weil ich den Schmerz gekannt. Und Schlechtes nur, weil ich vorher das Gute fand. Umwinde Du mit Schlangen Deinen Stab — O Veilchen, Lilien, Rosen, die ich Hab'! Schwingst Du den Stab, der Schlangen Geifer spritze — Der Lilien Glanz, der Rosen Duft mich schütze! Aus enger Herzenskammer kam der Ruf, Aus schwachem Geist, daß Alles Selbstsucht sei! Daß Niemand handele aus reinem Triebe, Und niedrer Drang sei selbst die Liebe! , Ich sah bei Unterliegenden den Mann, Der selbst sein Leben setzte dran. Daß nicht die Ehre Verloren wäre! Ich sah den Mann fich stürzen in die Flammen, Daß er ein fremdes Kind errette. Die Balken brachen über ihm zusammen. Er fand dort seine Ruhestätte. Ich sah den Mann sein ärmlich Stücklein Brod Mit einem Hungrigen fich theilen. Ihm half sein Mitleid über seine Roth: Könnt' er doch eine Wunde heilen! Ich sah den Mann die Leidenschaft bekämpfen. Der Sünde zu entgehen; Entsagung war sein Ziel für all' sein Kämpfen, Und Niemand sollt' es sehen! Ich sah die Liebe rein und zart In jungen Herzen und in Greisen, So hingegebener, milder Art In stillen Friedens Kreisen, Ausharrcnd muthig, selbstvergessen. Wenn sie mit Stürmen sich zu meffen; Am Tage trugen lächelnd sie die Last, In dunklen Nächten Mühsal ohne Rast; „Mir thut es nichts!" ruft Einer schmeichelnd aus — „Es schmerzt mich nicht!" der Andr' und hauchet aus . . 7 Ihr Schwächlinge, Ihr Feiglinge, Ihr bösen Thoren, An meiner stillen Helden Lager tretet! Ich sage Euch: Ihr seid nicht ganz verloren. Wenn Ihr alldort vor Scham erröthet! . . . (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Hahnau und die jüdische Gemeinde zu Kecskemet. Am 16. April wurde in Pest Herr Sa lomon Schweiger unter großer Theilnahme zur Erde bestattet. Aus seinem Leben wirrfolgende Episode interessiren. Salomon Schweiger war im Jahre 1849, zur Zeit des Freihcitskampfes, Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Kecskerm't. Tie Revolution tvar niedergeworfen und die Blut- und Gewaltherrschaft Haynau's begann. Besonders liebevolle Sorgfalt wände der Kriegsheld den jüdischen Gemeinden zu und nach Pest und Altofen ward Kecskemet mittelst einer Proklamation, die wir um des historischen Interesses willen unten folgen lassen, eine kolossale Kontribution auferlegt. Die Gemeinde versuchte durch den Vorsteher Schweiger und den Rabbiner (den vor Kurzem plötzlich verschiedenen Fischmann) fich an die Gnade des Kaisers zu wenden; allein alle Bemühungen, eine Audienz zu erlangen, waren erfolglos. Alles was sie erreichten, war, daß (dank der Intervention des Pester Juweliers Aron Löwy Stern) Feldmarschall Graf Radetzky sich bereit erklärte, die Deputation zu empfangen. Die beiden Herren begaben sich also nach Wien und wurden in der That bei Radetzky vorgelassen. Dieser konnte ihnen nicht viel Hoffnung geben, in der Sache ließe sich kaum mehr etwas ändern, „allein — fügte der Marschall hinzu — gedulden Sie sich einige Tage, da wird der „Rappelkopf" nicht mehr im Besitze der Macht und Sie werden von der drückenden Last befreit sein." Nach diesen Worten schien Radetzky nachdenklich zu werden und er fragte die beiden Herren, wo sie wohnten? Diese gaben die Wohnung an- und tvurdcn freundlich entlassen. Kaum zu Hause angelangt, wurden fu zu ihrem nicht geringen Schrecken von vier Soldaten scstgenommen und in ein Gefängniß gebracht, von wo man sie aber nach wenigen Tagen unbehelligt entließ. Erst später erfuhren sie die Ursache der geheimnißvollen Verhaftung und ebenso mysteriösen Entlassung. Radetzky hatte sich ein wichtiges Staatsgeheimniß — den Beschluß, Haynau. zu entfernen — entschlüpfen lassen und, um sich zu vergewissern, daß die beiden Eingeweihten keinen Mißbrauch damit treiben, ließ er sie festnehmen und „fitzen", bis die a. h. Entschließung allgemein bekannt tverden durfte. So tvard Schweiger wider seinen Willen zürn Mitwisser eines hochbedeutsamen Staatsgeheimnisses. ~ “

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