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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-24 · Heft 26 (24.6.1879) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 26 (24.6.1879)
Date
1879-06-24
Page
Seite 411 (sequence 14)
Language
German
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411 Unterschied des Glaubens angeschloffen, zur Synagoge geleitet und dem Tage entsprechende Gebete und Psalmen verlesen waren, geschah die Einsegnung der erneuten Ehe durch den Ober-Rabbiner vr. Horwitz aus Crefeld. Bonn, 15. Juni. (Literarische Notizen.) Auf Veranlaffung Lord Beaconfield's erhält Dr. Ginsburg in Wien zu seinem Werke über die Mafforah eine Unterstützung von 200 L.St. aus englischen Staatsmitteln. — Herr Dr. A. Wünsche, der schon so viele willkommene Arbeiten auch auf talmudifchem Gebiete geliefert hat, veröffentlichte in Nr. 4 der „Grenzboten" d. I. eine ziemlich abschließende Abhandlung über „den Ursprung der Parabel von den drei Ringen." Bekanntlich hat Lessing sie aus Boccaccio's Decamerone entnommen und wesentlich umgestaltet. Die Fabel findet sich aber in noch zwei älteren Werken, in dem'Ritterroman L’ Avventuroso Ciciliano des Vusone und in den Cento Novelle antiche. Allein schon John Dunlop hat vor mehr als 60 Jahren auf den Schebet Jehuda als muthmaßliche Quelle der Parabel hingewiesen. Dr. M. Wiener wies dies nachdrücklich nach. Herr Wünsche beschäftigt sich nun mit der Frage, ob der Parabel eine geschichtliche Thatsache zu Grunde liege und ob der Schebet Jehuda, der doch (I486) später als Vusone und Boccaccio abgefaßt ist, die ursprüngliche Darstellung enthalte. Allein Schebet Jehuda benutzt vielfach ältere Traditionen und nach gründlicher Untersuchung kommt W. zu dem Schluffe, daß der Schebet Jehuda die allen Versionen zu Grunde liegende Quelle enthält. Seine Darstellung ist „die einfachste, klarste, schärfste und schönste; alle anderen sind nach der einen oder anderen Seite tendenziös und matt und spiegeln deutlich die Anschauungen der vorgeschrittenen Zeit wieder."') — Herr Gurland in Petersburg hat seinen jüdischen Kalender in russischer Sprache für 1879/80 ausgegcben Es sreut uns. Die Relation des Sch. .7eh. geben wir für die Leser, welche sic noch nicht kennen, in nächster Nummer in der Rubrik „Vermischtes". I e u i l Äntipessimistische Denksprüche von L. Ph. (Fortsetzung.) Du denkest den Gedanken Der Schöpfung nach — Wer machte denn das Denken In Deinem Innern wach? Wie kam die Schöpfung zu Gedanken, Sie auszuführen ohne Wanken? Du forschest ernst nach den Gesetzen, Und findest sie, in der Natur — daß dieser Kalender bereits im dritten Jahrgang erscheint, also das Bedürfniß hinlänglich erwiesen hat. — Rabbi Jesaja Berlin, eine biographische Skizze von Df. A. Berliner (Berlin 1879. Benzian.7 Der als talmudischer Gelehrte berühmte R. Jesaja Berlin war um 1719 in Eisenstadt geboren, von wo seine Familie, vielleicht in, wenn auch nicht unmittelbarer Folge einer Vertreibung der Juden aus dieser Stadt nach Berlin übersiedelte. Er starb 1799, fast 80 Jahre alt, als Oberrabbiner in Breslau. Seine literarische Productivität war sehr groß, wenn auch seine meisten Erzeugnisse theils verloren gegangen, theils noch handschriftlich bestehen. Herr Dr. Berliner behandelt dies mit der in seinen Arbeiten gewohnten Genauigkeit und in seiner Neigung zur Apologie. Der Vortrag wurde in dem orthodoxen Rabbiner-Seminar zu Berlin gehalten und endet mit dem Lobe des Direktors, der Lehrer und Schüler dieser Anstalt, welcher der Verf. als Docent angehört. — Es liegen uns die Lieferungen 24—29 des auch von uns in seiner Trefflichkeit anerkannten Werkes „Aegypten in Bild und Wort von Ebers" (Hallberger Stuttgart 1879.) vor. In denselben wird der Abschnitt über die „Auferstehung des ägyptischen Alterthums" beendet, die berühmte Universität El-Azhar in interessantester Weise geschildert, das Volksleben von Kairo ausführlich gezeichnet, dann geschieht der Aufbruch nach Obcrägypten vor unsren Augen und wir begleiten den Verf. auf seiner Nilfahrt den Fluß hinauf. Die Lectüre über das Volksleben wird jeden Menschenfreund ergötzen, dem es von höchster Bedeutung scheint, Nächstenliebe, Wohlthätigkeit und Familienleben in allen Kreisen des Menschengeschlechts gepflegt zu sehen. Die in der christlichen Welt noch so sehr verbreitete Meinung, als ob sich jene Tugenden auf die christlichen Nationen beschränkten, wird durch die unparteiischen Beobachtungen, die hier mitgetheilt werden, genügend berichtigt. Der Islam steht in der Fürsorge für diese Grundsäulen der Gesellschaft keiner Religion nach. — fefon. Wie kam Natur doch zu Gesetzen, Und wie begreifst Du diese nur? Denn wo Gedanken sind vollsührt. Hat Einer sie gedacht — Und wo Gesetze ausgespürt. Hat Einer sie gemacht — Gesetz läßt keinen Zweifel mehr. Bezeugt den Schöpfer hoch und hehr! Du nennst auf diesem Erdball Alles schlecht — Woher weißt Du, was schlecht? Doch nur weil Du auch weißt, was gut — Dann ist das Gute doch vorhanden. 26*

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