Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1879)
- Date
- 1879-06-24
- Page
- Seite 410 (sequence 13)
- Language
- German
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410 uns auch gleiche Rechte. Man möge uns aber nicht darum, | ein Ei dem anderen gleicht. Der Verlauf der Sache wird sein, weil wir Juden sind, höher besteuern und uns größere Lasten j daß die Angelegenheit vor die Gerichte kommt und da schließauferlegen. Will man uns aber durch diese ungerechten Maß/lich nach den Gründen, welche der Präsident Hayes gellend regeln zur Auswanderung zwingen, so sage man uns dies lieber! gemacht, entschieden werden wird. Bis dahin freilich werden offen. Wir werden uns dann eine andere Heimath suchen/Individuen genug darunter gelitten haben. wo wir keinen solchen Chicanen ausgesetzt sein werden." |---- Dieser Tage fand man auf den Feldern in der Umgebung j Bonn, 15. Juni. (Notizen). Am »2. Februar c. Widdins fünf Türken erschlagen. Dieselben wollten ihre.starb zu London Frau Sarah Cohen, die Wittwe des Felder besichtigen und wurden von den Bulgaren ermordert. verstorbenen Jsaac Cohen. In ihrem Testamente vermachte Es bleibt auch den Türken keine andere Wahl, als ihre unsie 3100 L.St. (62,000 M.) an die verschiedenen israelitischen bewegliche Habe zu verkaufen und Bulgarien sobald als möglich zu verlassen. (Dies ist die Herrschaft der Humanität, für welche man einen blutigen Krieg geführt; Dies ist die Ausführung des Berliner Vertrages! Redaction.) Amerika. San-FranciSeo, Anfangs Mai. (Privatmitth.) Der Tendenz dieser Zeitung entspricht es wohl, die Behandlung der' Chinesen-Frage, wie sie in unsrem Staate jüngst vorgekommen, nicht unerwähnt zu lassen. Theoretisch wie praktisch sind wir darauf hingewiescn, jeden Unterschied der Religion und der Race in der politischen und socialen Stellung zu verurteilen und ihn, wo wir nicht selbst dazu beitragen können, wenigstens hinwegzuwünschen. Wir begleiteten die Befreiung der Neger mit dem wärmsten Interesse. Aber die Sucht der Ausschließung und Beschränkung ersteht immer an einem Ende der menschlichen Welt, wenn sie am anderen Ende beseitigt worden. Der Anwachs der chinesischen Bevölkerung am hiesigen Platze und in Californien überhaupt und die Eigenschaften der chinesischen Arbeiter, welche unermüdlich, mäßig und sparsam sind, haben eine starke Antipathie gegen sie erregt, weil sie der christlichen Bevölkerung eine schwerwiegende Concurrenz machen. Zu leugnen ist freilich nicht, daß in anderer Beziehung die Sittlichkeit der chinesischen Einwanderer auf einer tiefen Stufe steht, obgleich hierüber ein unparteiisches Urtheil noch nicht vorhanden. Bekanntlich sollte nun durch den Congreß der Union die Einwanderung von Chinesen unterdrückt und die bereits hier ansäßigen von vielen Rechten ausgeschlossen werden. Die Bill ging durch, aber der Präsident Hayes legte sein Veto ein, weil die. Bill den Verträgen mit China und den Bestimmungen der Unions-Verfaffung widerspricht. Der Congreß gab dies zu, indem er die Bill nicht wieder vornahm. Da hat sich nun der Staat Californien selbst zu helfen gesucht und eine Bestimmung in seine Verfassung gebracht, welche den Chinesen den Erwerb von Grundeigenthum und die Betreibung mancherlei Gewerbe, z. B. bei Eisenbahnbauten untersagt, die Verwaltung berechtigt, die Chinesen aus dem Staate auszuweisen und dgl. mehr, das dem europäischen Mittelalter wie wohlthätigen Anstalten von London. — Wie man aus Pest schreibt, wurde daselbst am letzten Sonntag der Präsidentin des Pester jüdischen Frauenvereins, Frau Johanna Bischitz, das ihr vom Kaiser verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone durch den Oberst-Bürgermeister Karl Rath in feierlicher Weise überreicht. Die genannte Dame, deren humänitäres Wirken in der ungarischen Hauptstadt schon viele segensreiche Früchte getragen, erhielt diese Decoration für ihre Mühewaltung bei der Pflege verwundeter Krieger aus dem bosnischen Feldzüge. Die Auszeichnung war in diesem Falle eine wahrhaft wohlverdiente. — In G lei Witz lebt eine Jüdin, die am 11. Juni ihr 111. Lebensjahr erreichte. Die Frau Singer, obschon erblindet, hat noch das frischeste Gedächtniß! Herr Großrabbiner Astruc hat sich nicht bestimmen lasten, sein Amt zu behalten, und ist bereits nach Paris übergesiedelt. — Von den drei zu Gefängnißstrafcn in Berlin verurtheilten jüdischen Nihilisten hat der Student Aronson bereits seine Strafe verbüßt und ist über die preußische Grenze gebracht worden, wie man hört, nicht nach Rußland — Gerüchtweise verlautet, daß der verstorbene Baron Lionel v. Rothschild ein Personal-Vermögen von 13 Millionen Pfund Sterling' Hinterlasten habe, d. i. 7 Millionen mehr als die Hinterlassenschaft seines Bruders Meyer, aber 7 Millionen weniger als das Vermögen des vor wenigen Jahren in Paris verstorbenen Barons James de Rothschild. (Werden die wohlthätigen Legate einem solchen enormen Vermögen verhältnißmäßig entsprechen?) — Am 7. d. starb zu Pisa der deutsche Schriftsteller Siegfried Kap per (Israelit), der als Lyriker, Romanschriftsteller und Uebersetzer slavischer, besonders serbischer Volkslieder sich Anerkennung erworben hatte. Er war Arzt und bot eine recht liebenswürdige Erscheinung. Später warf er sich aber auf die Seite der Czechen, wo er jedoch nach einiger Zeit nur Undank erntete. Nach vielen Irrfahrten ging er lungenkrank nach Pisa und fand hier, verbittert in seinem Gemüthe, die letzte Ruhestätte. — Aus Dülken, 11. Juni, wird der Rh.- u. R.-Ztg." geschrieben: Mit dem Jubeltage unsres hohen Herrscherpaares wurde heute Hierselbst eine seltene Feier verbunden, die Feier der diamantenen Hochzeit, die Erneuerung des Bundes nach 60 Jahren! Nachdem das Brautpaar, die israel. Eheleute Mehler, mit Festzug, dem sich viele Mitbürger ohne