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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-24 · Heft 26 (24.6.1879) · p. Seite 405

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 26 (24.6.1879)
Date
1879-06-24
Page
Seite 405 (sequence 8)
Language
German
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Vom Rheine, 11. Juni. (Privatmitth.) Die „Achawa", Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerswittwen und -Waisen in Deutschland, versendet an die bedeutendsten israelitischen Gemeinden Deutschlands ihren letzten Rechenschaftsbericht mit einem Rundschreiben, worin sie auf ihre bisherigen wirksamen Leistungen hinweist und in eindringlicher Weise um kräftige Unterstützung und Mithilfe bittet. Die Vorstände der Gemeinden werden zugleich ersucht, durch Zuwendung von Spenden oder durch regelmäßige, auf den Etat der Gemeinde zu stellende Beiträge der Caffe dieses segensvoll wirkenden Vereins neue Hilfsmittel zuzuführen oder auch wohlthätige Männer und Frauen zum Beitritt als Ehrenmitglieder «Jahresbeitrag 6 Mark) zu veranlassen. — Wir können nur wünschen, daß diese Bitte der Achawa^Verwaltung keine vergebliche sein möge, und daß ihr, die ihre Wirksamkeit über alle Theile Deutschlands erstreckt, auch zur Förderung eines so guten Zweckes allseitige kräftige Mitwirkung nicht versagt werde. — Beitrittserklärungen und Spenden wolle man an den Vorsitzenden Herrn Adolf Tebloe in Frankfurt a. M. gefälligst richten. Hamburg, 6. Juni. (Entgegnung.) In Nr. 23 wird der hierorts gegründeten Loge „Gabriel Niesser" eine Insinuation zugefügt, die ich, als Mitglied dieser Loge, zurückweisen muß. Ein Einblick in unsere Constitution hat Ihren hiesigen Referenten veranlaßt, sich mißbilligend über unsere Loge auszulassen, indem er in selbiger nur eine Krankencasse erblickt, und das mysteriöse Logengewand sei nur eitler Prunk, dazu angethan, „Risches" hervorzurufen. Es gehört wahrlich mehr denn Raivetät dazu, aus unserer Constitution uns jedes ideale Streben absprechen und unsere Loge auf das Niveau einer gewöhnlichen Krankencasse herunterziehen zu wollen. Schon die Einleitung unserer Constitution hebt zur Genüge hervor, daß wir hauptsächlich und in erster Reihe ideale Ziele anftreben, die jedoch, weil sie geistiger Natur sind, unmöglich in Gesetze eingeengt und durch selbe präcistrt oder bestimmt werden können.') — Aber der Name „Loge" scheint Ihrem Referenten verpönt zu sein; wenn dem so ist, tvürden wir ihm lieber rathcn: gegen das Logenwese» im Allgemeinen zu Felde zu ziehen, anstatt gegen eine Schöpfung, die sich auf den Boden des Judenthums gestellt und besonders geeignet sei, die Liebe zum Judenthum in den Herzen unserer Glaubensgenossen zu Wecken und zu beleben. In wie weit wir zu dieser, so anmaßend klingenden Aeußerung berechtigt sind, Vertveisen wir Ihren Getvährsmann auf das, von ihm selbst angeführte logenreiche Amerika, wo das Interesse für's Judenthum eben durch das Logentvesen bekanntermaßen ein viel regeres und theilnahmvolleres ist, als hier bei 1) Man erlaube uns die J-rage: warum nichts Warum sollen „ideale Ziele" nicht angegeben und ausgesprochen werden können? Corresp. uns zu Lande. *) Wir können unserer Verwunderung kaum Ausdruck verleihen, daß die jüdische Presse, anstatt unserem edlen Streben auf dem Gebiete des Judenthums die wärmsten Sympathien entgegenzubringen, sich solche Mißgriffe zu Schulden kommen läßt, indem sie tadelnd gegen unsere Loge auftritt, wofür eigentlich schon der Name „Gabriel Niesser", der doch jedem deutschen Glaubensgenosien heilig sein sollte, sie schützen müßte.*). Aber nein! Dem Referenten gefällt der mysteriöse Apparat nicht, er will den Schleier lüften und alles darin Verborgene schauen. Darauf kann ich leider nur die Jahrtausende alte Antlvort '228 □''irr tTX tih geben; was ich aber vor der ganzen Welt offen bekennen kann, ist: Daß unserer Verbrüderung „Zion" ein Streben innewohnt, durch geistige Pflege das Sittlichkeitsgefühl in uns auszubilden und die heiligen Interessen des Judenthums mit allen geistig und materiell uns zu Gebote stehenden Mitteln zu vertreten und zu fördern helfen/) 1* H- Leipzig, 16. Juni. (Privatmitth.) Der deutsch-israelitische Geineindebund hat ein „Flugblatt" unter dem Titel: „Hat das Judenthum dem Wucher-Unwesen Vorschub geleistet?" erscheinen lassen, und will es zu allgemeiner Verbreitung bringen. Die kleine Abhandlung (17 S.) ist klar, einfach und gründlich, also völlig zweckmäßig abgefaßt und behandelt zuerst das biblische, dann das talmudische, hierauf das nachtalmudische (rabbinische) Zeitalter und endlich die neue Zeit. Zum Schluffe wird das Ausgeführte zusammengefaßt und cs ergeben sich folgende Thesen: „1) Die Bibel verbietet das Zinsnehmen (den Begriff des Wuchers kennt dieselbe überhaupt noch nicht). 2) Dieses Verbot, das im mosaischen Recht aus bestimmten geschichtlichen Gründen auf den Verkehr der Israeliten und ihrer Beisaffen unter einander beschränkt war, wurde im Talmud nicht nur bestärkt und verschärft, sondern auch ausdrücklich auf den Verkehr mit Nichtjuden erstreckt. 3) Wenn das Judenthum schon das Zinsnehmen überhaupt verbietet, so muß es selbstverständlich den Wucher, d. h. das übermäßige und ungebührliche Zinsnehmen, erst recht verwerfen. 2) Dies ist es, was wir dem Herrn nachdrücklich bestreiten müssen! Wir wünschten, es wäre so, aber wo sind die Beweise? Etwa darin, daß kaum ein Drittel der in Nordamerika lebenden Juden zu den Gemeinden gehört, also zur Erhaltung jüdischer Gotteshäuser und Lehranstalten beiträgt? Etwa in einer blühenden Literatur oder nur in der Unterstützung derselben? Eorresp. :;) Man kann doch unmöglich loben und anerkennen. was gar nicht ausgesprochen ist, und der obige Entgegncr sagte doch selbst, daß die „idealen Ziele" in den Statuten nicht ausgesprochen werden konnten. Ein Name an sich, und wäre er noch so verehrenSwerth, macht es nicht aus. Corresp. 4) Auch ich wünschte von Herzen, daß dies den Mitgliedern des Gabriel Risser-Dereins gelinge, behaupte aber nocb einmal, daß es hierzu des mysteriösen Gepränges cmer „Loge" nicht bedürfe. Das Judenthum hat niemals Mysterien gehabt, und braucht solche zu seinen Zwecken fremden Institutionen nicht zu entlehnen. Corresp.

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