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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-24 · Heft 26 (24.6.1879) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 26 (24.6.1879)
Date
1879-06-24
Page
Seite 404 (sequence 7)
Language
German
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404 auf die Seite der Regierung trete» werde, als bis der Culturkampf beendet und die Kirche völlig fteigegeben sei. Bisjetzt aber sehe es noch Zar nicht Lmvach aus. Darauf trat v. Kleist-Rctzow als Wortführer der Conservativen auf und sagte, daß die letzteren sich über ein Zusammengehen mit dem Centrum freuen. Die kirchlichen Frage», sagte er, müssen auf einem anderen Gebiete sehr bald zu seiner Befriedigung geordnet werden. Das sei doch in dem Augenblicke nicht mehr zweifelhaft, wo Herr v. Sehdewitz Präsident und Freiherr zu Frankenstein erster Vicepräsident des Reichstages sei. Was der letztere Satz sagen will, ist -nicht schwer zu erkennen. Die Mehrheit des Reichstages gehöre den vereinigten Conservativen und dem Centrum, wie die Wahl des Präsidiums erweise. Die Mehrheit im Reichstage bedeute aber auch die Beseitigung aller culturkämpflichen Momente. — Wer diesen Austausch der Gedanken nicht verstände, würde wenig Einsicht bekunden. Das Centrum sagt: Gewährt der katholischen Kirche alle von ihr beanspruchten Rechte und wir werden der Regierung Alles bewilligen, z. B. auch die Concessionirung der Schankwirthschaften durch die Polizei. Die Conservativen sagen: das Centrum vereinige sich nur imt mrs, und wir werden alle seine Forderungen befriedigen. Ts sindet also hier ein bestinuntes Handelsgeschäft statt und es fragt sich nun, ob der Hauptfactor, die RegÄLUng daraus Egehe. Dies ist es, was abzuwarten ist. Zu Bberschr» ist dabei doch nicht, daß die sg. Freiconservativen im Culturkampfe stets auf Seiten der Negierung waren. Wie weit auch diese ihren bisherigen Standpunkt verlaßen werden, ist die Frage, und doch hängt gerade hiervon die Stärke der Majorität ab. —. Für die hiesige Prediger- oder Nabbinats-Assessor- Stelle haben sich 32 Candidaten beworben! Man wählt aus diesen diejenigen aus, welche zur Probepredigt berufen werden. Hiermit ist bereits der Anfang gernacht worden. Ihrem redaktionellen Grundsatz gemäß" berichte ich hierüber nichts Näheres. Im Allgemeinen läßt sich aber hieran Zwiefaches beobachten. Da sich auch bei viel unbed«ckenderen Stellen eine gleichzahlige Bewerbermasse von a^estellten und noch nicht angestellten Rabbinen einzustellen Wetzt, so ergiebt sich eine beständige Rabbinerbewegung gleich -er der Schauspieler. Heute hier angestellt, streben sie morgen «ach einer andern, oft der ihrigen finanziell ganz gleichen Stelle. Andrerseits: hat man früher je gehört, daß große GemeüÄe» Concurse ausschrieben '< waren nicht immer verdiente und verkannte Rabbiner vorhanden, die man beriefe Sind solche ML»Mr ganz ausgestorben, daß man es für Gc»0Mden wie BacLn daraus ankommen läßt, w c r sich meldet, und wie Einer, eLmr aach d» junger, sonst unbekannter und unerprobter Mann in seiner Gastpredigt und äußeren Erscheinung gefällt? Wie dem auch sei, aus beiden Beobachtungen kann eine Stärkung des Amtes nicht erfolgen, vielmehr eine Abnahme seines Ansehens und seiner Wirksamkeit, und dies ist — traurig! Karlsruhe, 10. Juni. (Privatmitt.) Die Aufforderung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, die Feier der goldenen Hochzeit des Kaisers gottesdienstlich zu begehen, war gewiß wohlgemeint. Rur darf man nicht daraus folgern wollen, daß diese Aufforderung nöthig gewesen wäre. Auch ohne sie hätte es wohl im deutschen Vaterlande wenige Gemeinden gegeben, in denen eine solche Feier nicht von selbst veranstaltet worden wäre. So hat der Großh. Oberrath der Israeliten schon am 4. Juni durch Circular an sämmtliche Rabbinate und Synagogen« räthe eine desfallsige Feier angeordnet und ein sehr warm empfundenes und eindringlich abgefaßtes Gebet zu diesem Zwecke versandt?) Essen, im Juni. (Privatmitth.) Jede junge Schöpfung hat an Klippen vorüberzukommen, an welchen sie leicht zu Grunde gehen kann. Hat sie die Gefahr bestanden, so ist ihre Existenz auf längere Zeit gesichert. Dies hat auch der Verband von Synagogen-Chören, über welchen Sie einige Male haben berichten lassen, erfahren. Die Leistung des Verbandes in dem vorjährigen Synagogenconcert zu Bochum hatte allgemeinen Beifall gefunden. Aber die Eigenmächtigkeit, mit welcher der Synagogenchor von Bochum statutenwidrig über den Ertrag des Concertes im Voraus verfügt hatte, brachte heftigen Streit hervor und bewirkte selbst den Austritt des Bochu.ncr Chores. Dies hatte jedoch keinen bleibenden Nachtheil für den Bestand des Verbandes, da z. B. der Synagogenchor zu Iserlohn mit 50 Mitgliedern beigetreten ist. Die am 4. Mai. c. zu Duisburg stattgehabte Versammlung von Delegirten erwies die vollkommene Eintracht, die jetzt in dem Verbände herrscht. Außer der Decharge und der Wiederwahl des Vorstandes berieth man besonders den Weg, die einzelnen Chöre mit den nöthigen Partituren zu versehen und wurde hierfür die geeigneteste Art festgestellt. Frankslttt a. Main, im Juni. 'Privatmitth.) Im Namen eines Comitös versandte diese Tage I)r. Adolf Brüll die Aufforderung und Statuten eines „Mendelssohn- Vereines zu Frankfurt a. Main." Die Aufgabe desselben soll darin bestehen, „Die jüdische Wissenschaft unter dem Volke in Wort und Schrift zu verbreiten." Zu diesem Zwecke sollen Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur gehalten, Schriften, die jüdische Wissenschaft und religiöse Aufklärung betreffend, herausgegebcn, eine Bibliothek und ein Lesezimmer angelegt werden. Der Verein soll aus Stiftern und ordentlichen Mitgliedern bestehen; die ersteren haben mindestens 400 Mark, die anderen einen Jahresbetrag von 10 Mark zu leisten. Für die Stifter soll die Jahrzeit abgehalten werden. Jährlich am Todestage Mendelssohn's soll für die verstorbenen Mitglieder des Vereins eine Todtenfeier stattfinden.!) Ebenso kam uns durch freundliche Zusendung aus Hannover ein gleiches Circulair und ein desfallsiges Gebet von Seiten des Herrn 2andrabbiners vr. Meyer für seinen Sprengel zu. Redaction.

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