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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-17 · Heft 25 (17.6.1879) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 25 (17.6.1879)
Date
1879-06-17
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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393 Wien, 8. Juni. (Privatmitth.) Der vielverdiente Herr Josef Ritter v. Wertheimer, Gründer der Kinderbetvahranstalten in Oesterreich, der den jüdischen Handwerker- und Waisenverein und die israelitische Allianz in Wien in's Leben gerufen, welcher Jahrzehnte lang Vorstand der hiesigen Gemeinde war und deren Gedeihen und Emporblühen auf's Eifrigste förderte, der Verfasser des bedeutenden Werkes: „Die Juden in Oesterreich" und Herausgeber der Wiener Jahrbücher für Israeliten, feiert am 11. Juni die goldene Hochzeit mit der Gattin, die ihn in inniger und sinniger Weise in seinen schönen und edlen Bestrebungen unterstützt hat. Es ist selbstverständlich, daß Alles bestrebt ist, diesen Moment zu benutzen, um den Mann, den Gott noch lange an der Seite seiner vortrefflichen Gemahlin erhalten möge, nach Gebühr zu ehren. Am verfloffenen Sabbath fand im alten Tempel deshalb ein feierlicher Gottesdienst statt und hielt Herr Dr. Jellinek die Festrede. In gleicher Weife wurde bei dem Jugendgottcsdienste und bei dem Gottesdienste für die Handtverker dieses Viclverdienten in gebührender Weise gedacht. In der von ihm begründeten jüdischen Kinderbewahranstalt findet ein besonderes Fest statt. Am 11. Juni überreicht der Vorstand der Gemeinde demselben eine Adreffe, die von sämmtlichen hiesigen Bethaus- und Vereinsvorständen unterzeichnet ist. Besondere Adressen überreichen noch die israelitische Allianz, der jüdische Handwerkerverein, die Beamten der Gemeinde, die zur Zeit, als Herr von Wcrtheimer Vertreter und dann Vorsitzender des Gemeindevorstandes war, im Amte waren, die Lehrer u. s. w. Alle, Alle wünschen, daß .Gott in seiner Gnade das Jubelpaar noch lange in voller Rüstigkeit des Geistes und des Leibes erhalte. Zur Charakteristik dieses Mannes erlaube ich mir Folgendes hinzuzufügen: Ich war vor Jahren ein fleißiger Correspondent Ihres sehr geehrten Journals. Ich hatte häufige Gelegenheit, mich lobend über hiesige jüdische Zustände und Verhältniffe zu äußern; ich hielt auch nicht mit Tadel zurück, wenn ich zu demselben Berechtigung hatte. Zu jener Zeit war Herr von Wertheimer eines der einflußreichsten Mitglieder des Vorstandes. Da wurde ihm insinuirt, mir als Gcmcindebeamten, wie man sagt, das Handwerk zu legen. Herr von Wertheimer jedoch erwiederte: „Ich werde jeden Beamten zur Rechenschaft ziehen, der sich in seinem Amte etwas zu Schulden kommen läßt. Was ein Beamter als Schriftsteller thut, das hat er allein seinem Lesepublicum und nicht dem Gemeinde- Vorstände zu verantworten. Lemberg, 3. Juni. Bei den bevorstehenden Wahlen versuchen die Polen die Ruthenen gänzlich aus dem Reichsrathe zu verdrängen. Man schreibt von hier der R. Fr. Pr. ferner: „Aber auch die Juden sollen bei den gegenwärtigen Wahlen nicht bester wegkommen, denn die mit denselben eingeleiteten „Ausgleichs-Unterhandlungen" — lueus a non lueendo — zeigen deutlich, daß die Polen, ungeachtet ihrer Mißerfolge, bei den letzten Reichstagswahlen nichts gelernt und nichts vergessen haben. Man behauptet zwar, daß die jüdischen Mitglieder des ostgalizifchen Ceutral-Wahlcomitvs! ihren polnischen Collegen gewisse bindende Zusagen machten oder erst machen werden, welche die polnischen Führer über die Haltung der jüdischen Wähler beruhigen sollen. Die jüdische Bevölkerung ist allerdings des ewigen Parteihaders bereits müde und wünscht nichts sehnlicher, als im friedlichen Einvernehmen mit den übrigen Bewohnern Galiziens zu leben und zur Förderung des Landeswohles nach Kräften beizutragen; aber die Polenführer geben sich einer gewaltigen Täuschung hin, wenn sie annehmen, daß es ihnen jetzt eher als bei früheren Anlassen gelingen werde, die jüdische Bevölkerung zu dupiren. Mit der Berufung mehrerer Juden in das Central-Wahlcomitv und mit der Unterstützung einiger der polnischen Sache ergebender jüdischer Reichsraths-Candidaten wird wohl das Maß der möglichen Concessionen noch nicht erschöpft sein. Es wird sich bald zeigen, ob die hier glücklicherweise nur spärlich vertretene Sorte von Juden, die jetzt aus rein egoistischen Motiven mit Sack und Pack ins andere Lager desertirt,. den Polen diejenige Unterstützung zu gewahren vermag, die zur Sicherung des Wahlerfolges unumgänglich nvthwendig ist." Lemberg, 6. Juni. Das Central-Wahlcomito hat in seiner heutigen Sitzung principieÄ beschlossen, deir Juden wenigstens die gleiche Anzahl von Sitzen wie bei den vorigen Reichstagswahlen, nämlich vier Sitze ernzuräumen, für welche zunächst Brody — Stadt und Handelskammer — Kolonie«, Buczacz, Sambor und Drohobycz in Aussicht genommen sind. Die Local-Comites werden die Anträge stellen, und das Central-Comite wird die Candidaten nominiren. Czernowltz, 5. Juni. Einige Rumänier in Czernowitz wollten daselbst dieser Tage eine Broschüre unter dem Titel: „Kpidemia jidoveasca. ITn mijloc moral de a indupleca Israel ite sa se duca din Romania“ („Die jüdische Epidemie. Ein moralisches Mittel, um die Jude» zur» Auswandern aus Rumänien zu zwingen"), herausgeben und ließen das Büchlein in einer dortigen Buchdruckerei drucken. Die k. f. Staatsanwaltschaft daselbst bekam jedoch Keuntniß von diesem Vorhaben und consiscirte die ganze fertige Auslage der Hetzschrift. Das Czernowitzer Landesals Preßgericht bestätigte die Beschlagnahme und sprach auch das Verbot der weiteren Verbreitung der Broschüre aus. Frankreich. Paris, 30. Mai. (Privatmitth.) Bekanntlich hat 1792 die Aufhebung des nach (katholischem) kanonischem Recht daselbst bestehenden Verbotes der Ehescheidung durch Gesetz stattgesunden. Auch der Code civile gestattet die Ehescheidung 2$

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