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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-17 · Heft 25 (17.6.1879) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 25 (17.6.1879)
Date
1879-06-17
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 Verfügung vom 18. December vor. I., resp. über den Antrag auf Streichung des von dem Vorstand der Synagogengemeinde bemängelten Passus S. 7 der in den katholischen Volksschulen eingeführten „Biblischen Geschichte von I)r. Schuster" in allen künftigen Auflagen dieses Buches unseren Bericht erfordert und nach Einsicht desselben uns mit der Bescheidung des Vorstands der Synagogengemeinde beauftragt. Indem wir uns dieses Auftrages hiermit entledigen, bemerken wir, daß der von dem Vorstande an dem gedachten Paffus des Schuster'schen Buches genommene Anstoß von dem Standpunkte der jüdischen Religion und der entsprechenden Geschichtsanschauung aus Wohl erklärlich ist. Der Vorstand wird aber anerkennen müffen, daß bei der Beurtheilung christlicher und nur für den Unterricht christlicher Kinder bestimmter Religionsbücher nicht dieser Standpunkt der maßgebende sein kann. Ueberdies könnte dem von dem Vorstand gestellten Antrag schon deshalb zur Zeit nicht entsprochen werden, weil dazu Verhandlungen mit der betheiligten kirchlichen Behörde nothwendig wären, deren Einleitung zur Zeit nicht möglich ist. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. (Wir werden diese Verfügung in einem Leitartikel in nächster Nr. besprechen. Redaktion.) Nordhausen, 8. Juni. (Privatmitth.) Ich mache Ihnen die Mittheilung, daß Nordhausen mit einer großartigen wohlthätigen Stiftung bedacht wurde. Herr Jacob Plaut, früher Mitinhaber der Firma H. C. Plaut in Leipzig, ein in den weitesten Kreisen bekannter Menschenfreund, hat aus Anlaß der goldenen Hochzeit Sr. Majestät des Kaisers die Summe von 300,000 Mark zur Gründung einer Alters-Versorgungs- Anstalt in Nordhausen gespendet. Zu Curatoren sind eingesetzt: Der Oberbürgermeister, der Rabbiner, der Oberpfarrer, ein Familienglied und ein Nordhäuser Bürger. Der Bau wird bald in Angriff genommen und den Platz dazu schenkte Herr S. Frenkel, Schwager des tvohlthätigen Stifters. Die Anstalt wird ein Asyl armer, über ÖO Jahre alter, anständiger, arbeitsunfähig gewordener Menschen ohne Unterschied der Confession sein. Herr Jacob Plaut ist jetzt mit dem Entwürfe der Statuten beschäftigt. Wie viel um WHp dieser Mann mit dieser Stiftung hier übt, das weiß nur Der zu beurtheilen, der die Nordhäuser kennt. Mit der Zeit hoffe ich Ihnen von diesem hochherzigen Manne noch mehr mitzutheilen. I. Leimdörfer, Rabbiner der Synagogengemeinde. Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. Juni. (Privatmitth.) Wir haben bereits in vor. Nr. aus der Jahresversammlung der Wiener Allianz über die Wirksamkeit derselben nach Außen berichtet. Jetzt liegt uns der sechste Jahresbericht gedruckt vor, und wir entnehmen ihm Folgendes. Die Wiener Allianz sieht, abweichend von den Schivestervereinen in Paris und London, ihre Hauptaufgabe nicht in den Bestrebungen für die Emancipation außerösterreichischer Glaubensgenossen, sondem in der Förderung von Bildung, Erziehung und Sittlichkeit innerhalb des österreichisch-ungarischen Reiches. Mit der Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden in den Donauländern hält die Allianz in ersterer Beziehung ihre Aufgabe für gegenwärtig so ziemlich gelöst und will daher ihre Thätigkeit besonders nach innen lenken. Sie hat dies bis jetzt nach Kräften gethan und im verflossenen Jahre neun Gemeinden mit Subventionen für Schulzwecke unterstützt. In Zukunft soll noch mehr geschehen. Es heißt darüber in dem Berichte. „Allein wir täuschen uns darüber nicht, daß unsere Aufgabe, Erziehung und Unterricht innerhalb der kleinen Cultusgemeinden zu fördern, gewichtige Hemmniffe im Wege stehen, unter denen wir namentlich die Unvermögenheit derselben, gute Lehrer in angemeffener Weise zu besolden, und die Schwierigkeit, gute Religionslehrer überhaupt zu finden, hervorheben müssen. Bei der geringen Anzahl von Männern, die den Muth haben, in einer von Triebfedern so ganz anderer Art bewegten Zeit sich diesem entsagungsreichen Beruf zuzuwenden, ist noch der größere Theil derart vorgebildet, daß die einseitige Beschäftigung mit dem jüdischen Schriftthum auch den Umfang seines Wissens und Könnens bedingt. Soll aber unsere Jugend, die mit ihrem Eintritt in die Schule sofort einen erweiterten Gesichtskreis des Wissenswerthen erlangt, für ihre Religion erwärmt werden und sie mit Lust und Liebe sich zu eigen machen, so muß der Lehrer noch ganz anderen Forderungen entsprechen können, als die, welche vermöge seiner Vorbildung an ihn gestellt werden können." „Diese Schwierigkeiten zu bewältigen soll nun unsere angelegentlichste Sorge sein, denn je tiefer wir in die inneren Verhältnisse unserer Glaubensgenossen eingehen, 'desto mehr gelangen wir zu der Erkenntnis, daß es Erziehung und Unterricht ist, welchen hervorragende Glaubensgenossen ihre bessere Stellung, Achtung und Sympathie unter ihren andern Mitbürgern zu verdanken haben, und daß im Mangel an Erziehung und zweckmäßigen Unterricht auch im Allgemeinen die Ursache begründeter Bemänglung anderer Kategorien von Glaubensgenossen zu suchen ist. So schreiben wir denn mit den größten Lettern auf unsere Fahne: Erziehung und Unterricht!" Die schnell wachsende Anzahl der Mitglieder wird hierfür hoffentlich die erforderlichen Mittel verschaffen. Sind eS doch nicht allein die unmittelbar unterstützten Gemeinden, die daraus Vortheil ziehen. Denn nicht minder wichtig ist die Anregung, die Erweckung der Rivalität in den Gemeinden unter einander, die auf diesem Wege erzielt wird. So ergiebt sich für die Wiener Allianz eine fruchtbare Thätigkeit für eine lange Zukunft.

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