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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-10 · Heft 24 (10.6.1879) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 24 (10.6.1879)
Date
1879-06-10
Page
Seite 381 (sequence 13)
Language
German
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381 dürfen. Wollten diese Richter, besagt § 3, sie nicht richten, so sollen sie mit den beschuldigten Juden vor den Markgrafen oder dessen Beamte kommen. Nach § 4 sollen die Juden, wenn sie zum Beweise ihrer Unschuld einen Eid leisten sollen, vor die Synagoge gebracht werden, in welcher das Buch Mosis aufbewahrt wird, um während der Eidesleistung dieses Buch zu berühren; nicht aber soll das Buch anderswohin gebracht werden, um einen Eid zu leisten. — Der § 5 handelt von der Annahme eines Pfandes am Tage („bei Sonnenschein"). Dieses muß ohne eine Belästigung zurückgekaust tverden. Wird aber bestritten, daß sie das Pfand am Tage genommen, so sollen sie dies durch einen Eid bekräftigen. In der Nacht dürfen die Juden nach § 6 ein Pfand nur in Gegenwart ihrer Nachbarn von rechts und links annehmen, damit sie dieses durch jene bezeugen können. § 7 bestimmt, daß die Juden wegen einer Gcwaltthat oder Schuld vor Gericht nur gezogen werden können, wenn zwei biedere Christen und zwei Juden von gutem Glauben und Ansehen als Zeugen mitgebracht werden, sonst können sie sich durch einen Neinigungseid von der Anklage befreien. Der § 8 verbietet den Geistlichen, einen Juden wegen einer weltlichen Sache vor das geistliche Gericht zu ziehen. (Fortsetzung folgt.) Äntipessimistische Dercksprüche von L PH. (Fortsetzung.) Einfach ist mein Wort und ungebunden, sticht von wirren Phantasie'» umwunden. Spricht nur, was im Leben ich gefunden — Sollst an meinem Wort gesunden! Wie wenn dem Bräutigam die Braut Du als Gerippe in die Anne legst Und rufst: Das ist die Liebe! Dem Gast die wohlgewürzte Speise bietest, Bon Dünger und von eklem Naß umgeben. Aus denen Du die Pflanze zogst. Und von der Pflanze aß das Thier — Und rufst: Sieh, das ist der Genuß! Wie wenn Apollo Du gleich Marsyas schindest Und zeigst, wie blaue Adern ziehen Durch rothes Muskelfleisch und bleiche Bänder, Und rufst: Das ist die Schönheit! Wenn Du den Schädel missest. Das modernde Gehirn zerfaserst Und rufst: Dast ist der Geist! — — Das ist Euer Werk, Ihr Büchner, Moleschott, Ihr Schopenhauer, Hartmann, Haeckel — Aufklären wollen wir, sagt Ihr, die Geister, Und streuet Asche nur auf sie und dichten Staub; Euer Licht ist Dunkel, Euer Leben Tod; Die Sonne löscht Ihr aus, um Eure Fackel, Die flackernd rauchige, zu zünden. Die bald verlischt in allen Winden! Fürwahr, hier ist nicht bloß ein Zank der Schulen, Ein Meinungsstreit dickzöpfiger Gelehrten — Den Lebenspuls der ganzen Menschheit gilt's. Das Lebensglück von Millionen Menschen! Wenn Dir der Geist nur eine Fiber, Die vom elektrischen Gefunkel zittert. Was Plagst Du Dich mit Schmerz und Fieber, Mit Sorg' und Kampf, der Dich verwittert — Trink aus der Wollust schmutzigstem Gebräu; Stahl, Strang und Gift, sie machen schnell Dich frei Das Recht zu sein hat nur die jüngste Zelle Als der Entwicklung letzter Sproß, Weich', frühere,. aus Deiner Stelle, Du usurpirst. Du schon des Tods Genoß — — Der Ordnung letzter Pfeiler bricht zusammen. Das Recht wird Dunst, die Liebe nichts als Gier, Es schlägt nicht einmal auf in helle Flannnen — Nur Rauch, erstickender, qualmt da herfür! Du meinst, was kümmern sich die Magen Um das, was „Meister" denken, lehren? Laß nur aus kleinem Pfuhl das Gas sich drängen: Bald hat's vergiftet weite Atmosphären! Und jede Zeit im Wissen und im Wollen Hat einen Luftkreis um sich rollen, Darin sie athmen, groß und klein. Die Lebenslust, den Gifthauch ein! (Fortsetzung folgt.)

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