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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-10 · Heft 24 (10.6.1879) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 24 (10.6.1879)
Date
1879-06-10
Page
Seite 379 (sequence 11)
Language
German
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379 pitatia“ entrichtet haben. Möglich, daß diese zweite Kategorie im Portefeuille des Herrn Bratiano auch schon fix und fertig ist. Die nächste Zukunft wird Klarheit über diese Annahme bringen." China. Peking, im April. Seitdem Peking, die Hauptstadt Chinas, existirt — die Stadt soll schon über viertausend Jahre alt sein — hat es dort keinen Juden gegeben. Erst im vergangenen Januar haben fich zwei amerikanische Juden, die Gebrüder White, dort niedergelassen, um dort den Commissionshandel zu betreiben. Da die neuen Ansiedler unter dem Schutze des Sternenbanners stehen, so hatte die Regierung gegen deren Niederlassung in Peking nichts einzuwenden und wohnen die Juden dort sogar in der innern Stadt Nai-Tsing. Uebrigens giebt es in den chinesischen Hafenstädten zumal in Shanghai schon längst Niederlassungen englischer und amerikanischer Juden und find einige derselben sogar Lieferanten der chinesischen Lokal-Regierung. Die Chinesen selbst halten die Juden für eine Art mahomedanischer Sektirer und bezeichnen dieselben gewöhnlich mit dem Namen Polo-so (Perser), da die meisten Mohamedaner China's aus Persien stammen. (Diese Nachrichten sind eben nur auf die jüdischen neueren Ankömmlinge an der Ostküste des chinesischen Reiches zu beziehen. Ueber die alten Ansiedelungen der Juden im Innern China's haben wir schon öfter in diesem Blatte berichtet. Redaktion.) Bonn, 1. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Coblenz: Herr B. Götz von hier, welcher vor 14 Tagen sein großes Staatsexamen gemacht hat, ist als Assessor bei dem h. Landgerichte angestellt. Er ist der erste jüdische Richter, welcher an einem h. Gerichte amtirt. — Man schreibt aus Bern: Am 13. November 1878 promovirte in Bern Fräulein Rosa Welt aus Czernowitz ordnungsmäßig zum Doctor der Medicin. Professor Valentin beglückwünschte als Promotor die neue Collegin in einer glänzenden Rede. Frl. Dr. Welt hatte bereits ihre Maturitätsprüfung mit Auszeichnung bestanden. Frl. Welt ist die Tochter eines galizischpolnischen Juden, der das Heil der Menschheit nur in der fortschreitenden Wissenschaft erblickt und das Gelübde gethan hatte, daß alle seine Kinder studiren sollten. Nachdem er nun aber keine Söhne, sondern vier Tochter hat, ließ er sie alle I e u i l Lin Sild aus Lei» Mttelalier. (Fortsetzung.) Aus diesen wenigen Notizen ersieht man, daß die deutsche Gesetzgebung schon vor einem halben Jahrtausend sehr reichlich sich dem Studium weihen. Die zweite Tochter widmet sich der Philosophie, die dritte der Jurisprudenz und die vierte der Theologie. — In Mainz wurde am 27. d. die neue Synagoge der separirten Gemeinde „Die Israelitische Religionsgesellschaft" feierlich eingeweiht. Es fehlte natürlich weder an deutscher Predigt, noch an Chorgesang und Instrumentalmusik, obschon die Gemeinde auf hyperorthodoxem Standpunkt zu stehen behauptet. — Am 23. Mai fand in Liegnitz die feierliche Einweihung der durch erweiternden Umbau und durch mancherlei Ausrüstung den gegenwärtigen Bedürfnissen angepaßten Synagoge statt. Dieselbe wurde durch den Rabbiner Herm Dr. Landsberg mit erhebendem Eindruck vollzogen, wozu dessen treffliche Festpredigt wesentlich beitrug. Die Gemeinde ist noch nicht viel über 50 Jahre alt, und die Synagoge vor 32 Jahren erbaut.' Nicht allein das äußere Wachsthum der Gemeinde ist bemerklich, sondern sie hat die in ihr wohnende religiöse Kraft durch Herstellung blühender Institute erwiesen. Der prachtvolle Vorhang aus blauem Sammet mit Goldstickerei, der das Allerheiligste in der neuen Synagoge verhüllt, ist eine Spende der Frauen der jüdischen Gemeinde. Die überaus kunst- und stylvolle Arbeit ist aus dem Atelier für Kunst-Stickerei von Reiter in Breslau hervorgegangen und giebt in ihrer großen Schönheit und Acuratesse einen deutlichen Beweis von der erfteulichen Entwicklung unseres Kunstgewerbes. Bonn, 1. Juni. (Literarische Notizen). Bei Alphonse Lemerre in Paris erscheint in Kurzem ein Band „Entretiens sur le Judaismc“ von Großrabbiner Astruc in Brüssel. — Bei den jüngsten Vermählungsfeierlichkeiten des Königs der Niederlande wurde auch, wie man uns vom Haag schreibt, eine von unserem Glaubensgenossen, Herrn I. L. Wertheim, über dessen dramatische und novellistische Arbeiten wir früher einmal berichteten, verfertigte holländische Bearbeitung eines theils von Corneille's Horace mit großem Beifall aufgeführt.. — Für das Jahr 5640 ist bereits der Volkskalender von Jakob W. Pascheles in Prag erschienen, welcher Beiträge von Kaempf, Klemperer, Ehrentheil u. a. enthält, die an Werth ihren Vorgängern nicht nachstehen. — In den Nummern des in London erscheinenden „TRe Jewish World“ vom 25. April — 30. Mai befinden sich unter dem Titel „Judaism and its Enemies“ sehr lesenswerthe Artikel von Dr. David Asher, in welchen derselbe die Gegner der Juden classificirt und ihre Motive und Methoden kennzeichnet. — leton. stoß, und über die kleinsten Details Urkunde nach Urkunde schuf. Bei der ungeheuren Zersplitterung des Reichs unter zahllose Dynasten und Feudalherren häufte sich ein unübersehbares Material. Die Juden erhielten davon einen ge- 24*

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