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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-10 · Heft 24 (10.6.1879) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 24 (10.6.1879)
Date
1879-06-10
Page
Seite 377 (sequence 9)
Language
German
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377 lichen Versammlungen eingerichtet worden, wo Vorträge, eine Bibliothek, ein Billard u. dgl. für belehrende und gesellige Unterhaltung sorgen. Italien. Alls Italien. 14. Mai. (Nach den Arch. isr.) Zu Turin wurde jüngst von Herrn Villa, Mitglied des Parlaments, ein öffentlicher Vortrag über den Proceß und die Verurtheilung Jesu mit großem Erfolge gehalten. Er wies auf Grund des mosaischen Gesetzes die Gerechtigkeit des Artheils nach. Man beruft sich hierbei auf die bekannte Abhandlung Salvador's. (Es wird hieraus ersichtlich, wie es doch nicht förderlich ist, daß man in Frankreich und Italien mit den Ergebnissen der deutschen Forschung und Wissenschaft sich nicht bekannt macht, sondern sie völlig ignorirt. Sonst würde man dort nicht heute noch bei Salvador stehen, dessen Ansichten über diesen Gegenstand längst überholt sind.) — Der jüngst zu Viterbo zum Deputirten erwählte Eduard Arbib hat sich als Patriot wie als Schriftsteller ausgezeichnet. In den Kriegen für die Unabhängigkeit Italiens ist er mehrere Male verwundet worden und hat die Medaille für militairische Tapferkeit erhalten. Als Rcdacteur der Libertä, eines Tageblattes in Rom, erwarb er sich einen rühmlichen Platz in der gemäßigt liberalen Presse. Er ist wieder der sechste Deputirte jüdischer Religion, nachdem Morpurgo vor einigen Monaten sein Mandat niedergelegt. Der als Oekonomist rühmlich bekannte Luzzatti ist zum Ritter des Ordens von Savoyen ernannt worden. Herr Samuel Alatri, der sich so große Verdienste um die israelitische Gemeinde zu Rom erworben, ist zum Commandeur der italienischen Krone ernannt worden, nachdem er seit 1870 in anerkanntester Weise das Directorat des öffentlichen Pfandhauses in Rom bekleidet bat. — Der Capitain der Bersaglieri, Leon Artom von Asti, ist zum Ordonnanzofsicier des Königs Humbert ernannt worden. Belgien. Brüssel, 27. Mai. (Privatmitth.) In einer neulichcn Correspondenz habe ich bemerkt, daß im hiesigen Lande die Juden eine sehr geachtete Stellung einnchmen, so daß das Obwalten irgend eines Vorurtheils gegen sie nicht bcmerklich ist. Es versteht sich von selbst, daß dies der ehrenvollen Haltung zu danken ist, welche die hiesigen Bekenner des Judenthums bewähren. Aber auch die Ansichten und Meinungen über das Judenthum selbst sind sehr günstig und selbst die Gegner aller positiven Religion lassen den einfachen dogmatischen Lehren und dem Freisinn der moralischen und politischsocialen Vorschriften des Judenthums alle Gerechtigkeit widerfahren. Es ist dies theils der Verbreitung und Anerkennung, welche Ihre Vorlesungen über' „Die religiöse Idee im Judenthum, Christenthum und Islam" in der französische« Uebersetzung des Herrn Levy-Bing hier gefunden, theils der Wirksamkeit des Großrabbinen Herrn Astruc durch feine literarischen Kundgebungen bei verschiedenen öffentlichen Veranlassungen zu verdanken. So that in der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer der Ministerpräsident Frere-Orban in seiner Rede über das Unterrichtsgesetz der Juden ehrenvoll Erwähnung. Er wies den Vorwurf der Gegner, daß die Geistlichen aus der Schule gejagt würden, als ganz unzutreffend zurück. Er bemerkte: „Es gab eine Zeit, lvo der Glaube verfolgt wurde. Das jüdische Volk hat zur Ehre und Größe der Menschheit und um zu bezeugen, daß die Gewalt nichts über die Gewissen vermöge, achtzehn Jahrhunderte der Unterdrückung, der Mißhandlungen, der Verfolgung und der Verachtung bestanden. Diese Herrschaft der Verfolgung ist auf immer gestürzt. Man ist Bürger, welchem Glauben man auch angehöre; Gläubige und Ungläubige sind gleich." Numänierr. Bukarest, 26. Mai. Bei der Senatoren Wahl im zweiten Wahlcollegium wurden 26 Liberale, 3 Eonsorvative und 1 unentschiedener Candidat gewählt. Unter den gewählten Liberalen befinden sich Fürst Joan Ghika, der Justizminister, der Kriegsminister, Oberst Pilat und Cantacuzeno. Morgen ist der letzte Wahltag für die Universitäten von Bukarest und Jassy, welche voraussichtlich einen Liberalen und einen Conservativen wählen werden. —. Die Wahlen sind also mit großer Mehrheit zu Gunsten der Negierung ausgefallen, so daß diese über die zu einer Verfassungsänderung erforderliche Zweidrittelmajorität zu verfügen hat. Die Regierung ist also nunmehr vor den Kreuzweg gestellt, und muß mit ihren Plänen ans Licht treten. Um die obschwebenden Verhältnisse ins Klare zu stellen, geben wir folgenden Artikel der „Politischen Correspondenz" aus Bukarest vom 20. Mai. „Wie bereits gemeldet, hat Herr Emil Coftinescu in einer Wähler-Versammlung der nationalliberalen Partei die Lösung der Judenfrage dahin präzisirt, daß allen hier im Lande geborenen Israeliten, welche unter keinerlei fremder Protektion gestanden sind und sich hier zur NekrutirWng gestellt haben, das rumänische Bürgerrecht und die vollste politische Gleichberechtigung einzuräumen sei. Jeder hierländige Jsraetite Müsse in diese Kategorie eingereiht werden, nachdem, gleichwie in alle» aderen europäischen Staaten, auch in Rumänien jeder rumänische Staatsangehörige militärpflichtig sei. Diejenigen Israeliten hingegen, welche dieser Kategorie nicht angehören, müßten ohne Widerrede als Ausländer betrachtet und auf dieselbe Linie gestellt werden, wie die Ausländer des christlichen Glaubensbekenntnisses. Bei der socialen Stellung Costinescu's als Chef- 24

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