Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1879)
- Date
- 1879-06-10
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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373 und Oelbäume fraß die Heuschrecke, doch ihr kehrtet nicht zu mir zurück, spricht der Ewige. Ich sandte wider euch die Pest, wie in Mizrajim, ich tödtete mit dem Schwerte eure Jünglinge sammt euren gefangenen Nossen, so daß ich den Stank eurer Lager, und zwar in'eure Nase aufsteigen ließ: doch ihr kehrtet nicht zu mir zurück, spricht der Ewige." Die „den Armen zertreten und Kornabgaben von ihm erpressen, und damit Häuser aus Quadern gebaut, die sollen sie nicht bewohnen, und anmuthige Weinberge gepflanzt, die sollen nicht Wein davon trinken" (5, I I). Als das Ziel stellt Michah auf (4, 4): „Ein Jeder wohnt unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum und Niemand schreckt." Weil die zurückgekehrten Exulanten für ihre Häuser sorgten, nicht aber für den Bau des Tempels, ruft ihnen Haggai (1, 10) zu: „Deshalb hält über euch den Thau zurück der Himmel, die Erde hält ihren Ertrag zurück; die Dürre rief ich über Land und Berge, über Getreide und Most, über Oel und was der Boden trägt, über Mensch und Vieh und Alles, was die Hand bereitet." Vergl. 2, 17. Im Gegensatz Sacharjah 8, 12: „Ungestörte Saat, der Weinstock wird seine Frucht geben, die Erde ihren Ertrag,' die Himmel ihren Thau." Ebenso endlich Maleachi (3, 10): wenn sie redlich Zehnten und Hebe bringen, dann „öffne ich euch die Schleusendes Himmels, träufe euch Segen hernieder, mehr als genug, wehre von euch den Freffer ab, daß er euch nicht die Frucht des Bodens verderbe, und der Weinstock nicht unfruchtbar sei." Wir sehen also hier fast überall dieselben Verheißungen und Strafandrohungen, dieselben Bilder und Ausdrücke, wie im 3. und 5. Buche Moses. Mit den Hagiographen, wenn wir die historischen Schriften unter ihnen, einige wenige Psalmen und die Klagelieder ausnchmen, zieht sich bekanntlich die religiöse Betrachtung aus dem nationalen in das individuelle Leben, das wirkliche wie das seelische zurück; es ist nicht mehr die Nation, ihr Zustand und ihr Geschick, sondern das Individuum und dessen Seelenheil, über welches Aufschluß gegeben, Betrachtungen angestellt, Streitfragen erörtert werden. Aber auch auf diesem Gebiete bleibt die biblische Anschauung und Ausdrucksweise über die Vergeltung im Dieffeits sich getreu. Allerdings sind es auch die Psalmen und mit ihnen das Buch Hiob, welche auf's Klarste auf die Fortdauer der menschlichen Seele Hinweisen *), und selbst in allgemeinen Umriffen das jenseitige Leben i) Wir verweisen nur auf Psalm 16, 9—ii; 17,15 und Psalm 49. charakterisiren. Aber neben denselben macht sich überall die Ueberzeugung geltend, daß der Gerechte, sei er auch der Schwächere und zur Zeit Unterdrückte, doch durch die göttliche Gerechtigkeit gerettet, zu Frieden und glücklichem Leben gebracht, der Ungerechte, Hinterlistige, Gewaltthätige verurtheilt, bestraft wird und untergeht. Wir haben erst S. 52 die vielen Psalmen citirt, in welchen dies kürzer oder breiter ausgeführt wird. Mit Fug und Recht ist deshalb bei der Anordnung des Psalmbuchs der erste Psalm gewissermaßen als Motto oder Summarium an die Spitze gestellt worden. Die Sprüche Salomonis geben auf die mannigfaltigste Weise mitten aus den Erfahrungen des lvirklichen Lebens heraus den Gedanken wieder, daß alles Unrecht, alle Falschheit und Hinterlist, alle Gewaltthat und Leidenschaft zu Verderben und Untergang ausschlägt, während die Gerechtigkeit, die Gottesfurcht, die Weisheit und Selbstbeherrschung triumphirt, zu Ueberfluß, Zufriedenheit und Ehre führt. Wenn auch das Buch Hiob zu seinem Endziel hat, zu zeigen, daß in den Geschicken des Menschen die strenge Gerechtigkeit nicht der einzige Factor sei, sondern daß dieselben ' auch zur Prüfung, zur Entfaltung und somit zur Erziehung und Leitung „zum Lichte des Lebens" bestimmt sind, so führen doch alle Reden der Gegner Hiob's den Satz aus: der Ungerechte wird schon in diesem Leben bestraft, der Gerechte belohnt, was auch Hiob an sich gar nicht leugnet, sondern, um seine Unschuld zu vertheidigen, nur behauptet, daß dieser Lehrsatz zur Erklärung der menschlichen Schicksale nicht ausreiche. Der Schluß des Buches bestätigt dies nur um so mehr, als Hiob einen Ersatz für seine erlittenen Verluste erhält, der diese an Umsang noch übertrifft. Wir enthalten uns hier der wörtlichen Anführungen, da jederBlick in diese Bücher die Beweise in Menge liefert. Wir glauben hiermit den vollständigen Beweis geführt zu haben, wie sich auch in dieser Anschauung alle Bücher der heiligen Schrift in charakteristischer Weise begegnen und sich von der spätern Entwicklung entschieden abheben. Daher nur noch eine Bemerkung. An einer andern Stelle haben wir nachgewiesen, daß die Wiederbelebung der Todten kein biblisches Dogma ist — selbst nicht im.B. Daniel2) — wir betrachten aber dieses Dogma, welches in der Tradition eine so nachhaltige Geltung gewann, gerade als einen Ausfluß der biblischen Ansicht von der Vergeltung im Dieffeits, indem in dem zweiten irdischen Dasein die Ausgleichung aller noch vorhandenen Diffense vor sich gehen solle. 2) Ausführliche Religionslehre Bd. II. S. 242 ff. 2&etfcu iicj diicxclattelateu/. Deutschland. Berlin, 23. Mai. Die „Köln. Ztg." läßt sich von hier schreiben. „Das Mißlingen der russischen Anleiheversuche wird dem Einflüsse Rothschild's zugeschrieben. Schon als zur Zeit des russischen Congreffes eine Deputation der israelitischen Allianz hier anwesend war, hieß es, Herr v. Rothschild werde sich gewiß dankbar dafür beweisen, daß namentlich auf An- G