Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1879)
- Date
- 1879-06-10
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
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372 in gleicher und Vorwiegender Stärke ausgeArochen wird und das gesammte Volksbewußtsein beherrscht. Sie ist denn auch der Angelpunkt in den historischen Schriften. Zosua spricht sie vor dem versammelten Volke aus (Kap. 24). Im Buche der Richter wird jede Niederlage vor dem Feinde als Folge des Abfalls, der heidnischen Verirrung des Volkes bezeichnet. Schon am Beginn des 1. B. Sam. spricht das Loblied Hanna's jenen Gedanken aus, der in den Psalmen so oft zum Ausdruck kommt, daß Gott den Bösen mit Verlust seiner Siegerkraft, seines Reichthums, seiner H«Wilie, seines Lebens straft, während er den Froimnen und Tugendhaften aus der Niedrigkeit erhebt, zu großen Ehren bringt, ihm die Fülle des irdischen Glückes verleiht Map. 2). So sehr dies dichterische Ausmalung ist, so ist es 'doch warnet derselbe Gedanke, der sich vollständig auf das irdische Leben beschränkt. So wird auch schon dem Eli (V. 30 ff.) sür die Mffethaten seiner Söhne verkündet, daß sie als Männer sterben werden. Und dies ist die Verwarnung, die in analoger Weise an David, Salomo und. alle Könige des israelitischen Volkes ergeht: in Folge ihres oder ihrer NachsoLgcr Abfalles wird diesen das Scepter genommen. Das klingt immer und immer in den Büchern Samuelis und der KönW wieder. Um noch Einiges anzuführen: auf die von David veranstaltete Volkszählung, die (aus ihren Motive« her^rs) aU Versündigung angesehen wurde, folgte als Strafe die Pest (2 Sam. 24). Dafür, daß Ahab und Jsebel Naboth in schäudLcher Weise haben tödten lassen und seinen Weinberg in Besitz genommen, verkündet ihnen Elias, daß die Hunde das Blut Ahab's lecken und das Fleisch Jsebel's da fressen werden, tot» sie das Blut Naboth's geleckt! Und so geschah es (1 KSn. 21, 17). — Daß die Propheten überall von -dem Gedanken ausgehen, daß alles Heil ihrer Nation von deren Treue gegen Lehre und Gesetz abhängt, daß ihr Untergang -eine Strafe sür ihre religiösen und sittlichen Verirrungen, ihre Wiederherstellung -in Lohn für ihre ausrichtige Umkehr sei, brauchen wir hier nicht weiter auszuführen, so wie daß sie für alle Völker und Herrscher den schmählichsten Sturz auf sittliche Entartung, Uebermuth und Gewaltthätigkeit folgen sehen. Sie gehen hierin nirgends über den in den 5 Büchern Mosis gezeichneten Jdeenkreis hinaus; es sind immer dieselben Mittel der Strafe und des Lohnes, die sie in wechselndem Ausdruck, oft auch mit dem Wortlaut des Pentateuchs, geltend machen. Aber auch in einzelnen Zügen sprechen sie aus, was ihre oft stürmisch bewegten Geister nach dieser Richtung hin erfüllt. Geben wir einige Beispiele. Jesaias ruft Denen, Jtk Haus an Haus reihen, Feld an Feld 'fügen", zu, daß ihre Häuser zur Oede und unbewohnt, ihre Weinberge und Felder unfruchtbar werden (5, 8); den Palasthauptmann Schebna, den ungerechten Verwalter, der sich ein prächtiges Grabmal in den Felsen hauen ließ, bedroht er, daß rc wie «n 936nk5 in ein fernes Land geschleudert und ohne Grab auf dem Felde sterben werde (22, 15). Dagegen wird Gott Denen, die zu ihm rufen, Brod geben in der. Noth und Waffer in Drangsal (30, 18). Der Verwüster wird verwüstet, der Räuber wird beraubt (33, 1). „Wer rechtlich wandelt. Gerades spricht, Gewinn verschmäht durch Bedrückung, die Hände schüttelt, Bestechung zu ergreifen, das Ohr verstopft, Blutrath zu hören, das Auge schließt, zu schauen das Böse: der wohnt auf Höhen, Felsenvesten sind seine Burg, sein Brod wird ihm gereicht, sein Waffer sicher" (33, 15; vergl. auch 51, 14; 58, 11; 60, 17). — Jeremias läßt den Ewigen Denen, die ihn fürchten, Regen, Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit und bestimmte Erntewochen geben (5, 24), die nach Gewinn streben in ungerechter Weise, ihre Weiber werden Anderen, ihre Felder Eroberern gegeben (8, 10). „Verflucht der Mann, der vertrauet auf Menschen, der Sterbliches zu seiner Stütze macht und vom Ewigen weicht sein Herz: er ist wie ein einsamer Strauch in der Steppe, der nimmer sieht, daß Glück kommt, in dürrem Wüstenbodcn steht, im Salzlande, unbewohnt. Gesegnet der Mann, der auf den Ewigen vertraut, deß Zuversicht der Ewige ist. Er ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt, zum Strome streckt er seine Wurzeln, der nimmer sieht, daß Gluth kommt, sein Laub bleibt grün, im Jahr der Dürre bangt er nicht, und hört nicht Frücht zu bringen auf (17, 5; vergl. 22, 13 ff.). Kinderlosigkeit und Unglück trifft den Ungerechten, der in Reichthum schwelgt (V. 30). — Der Lehrsatz, den Ezechiel einfach formulirt wiederholt vorträgt (K. 3. 11) ist: der Ungerechte stirbt um seines Unrechts willen, doch wenn er von seinem Frevlerwege umkehrt, lebt er; der Gerechte lebt um seiner Gerechtigkeit willen, doch wenn er den Abweg des Unrechts einschlägt, stirbt er. Der Prophet hat sicherlich dabei nicht gerade und nicht blos an den wirklichen Tod und das bloße Leben gedacht; allein er läßt doch keineswegs durchblicken, daß er dieses „Leben" und diesen „Tod" über das irdische Leben hinausverlegt. — „Die Abtrünnigen", ruft Hosea aus, „Tenne und Kelter sollen sie nicht laben und der Most sie täuschen"; „Wind säen und Sturm ernten sie; die Saat, nicht schießt sie; sprießt sie, so bringt sie kein Mehl; brächte sie's, sollen Fremde es verschlingen" (8, 7; 9, 2). Kinderlosigkeit ist ihr Loos (V. 11). Den Reuig-Umgekehrten, sagt Joel, giebt Gott „Korn und Most und Oel, daß sie sich deß sättigen" (2,19). Die Verwarnungen, die Gott den Menschen zukommen läßt, beschreibt Amos (4, 7 ff.) so: „Ich entzog euch den Regen, als noch drei Monde zur Ernte, und auf eine Stadt ließ ich regnen, und auf eine Stadt nicht, ein Acker wurde beregnet, und ein andrer, unberegnet, verdorrte; zwei, drei Städte wanderten nach einer Stadt, Wasser zu trinken, und wurden nicht satt: doch ihr kehrtet nicht zu mir zurück, spricht der Ewige. Ich schlug euch mit Kornbrand und mit Rost, viele eurer Gärten und Weinberge und eurer Feigen-