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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-10 · Heft 24 (10.6.1879) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 24 (10.6.1879)
Date
1879-06-10
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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müthige Priesterschaft mästete ^). Scheußlicher Götzendienst und Aberglaube waren die natürlichen Begleiter. Aehnliches fand auch bei den Indern statt und gab die Veranlassung zur Gründung des Buddhismus, der jedoch nach einigen Jahrhunderten in gleicher Weise wieder entartete. Moses aber beabsichtigte ein Anderes. Er wollte ein freies, unabhängiges, demokratisches Volk gründen, das in harter Arbeit dem Boden feine Früchte abgewinne, diese Früchte aber unbehindert und ungelheilt, nur vom Gesetze geleitet, genieße. In dieser seiner -materiellen und geistigen Selbstständigkeit allein vermochte es der Träger des Monotheismus, der Anbeter eines bildlosen Weltgeistes zu sein. Die Verweisung auf das Leben im Jenseits, auf eine göttliche Vergeltung nach dem Tode wurde deshalb zu keinem, das Leben des Volkes beherrschenden Factor gemacht. Dieser Glaube wurde nicht verneint oder gar bestritten; er konnte immerhin im Volke bestehen und sich entwickeln; aber er wurde nicht als Lehrsatz, als integrirender Theil der religiösen und sittlichen Lehre aufgestellt. Als einen positiven Beweis können wir hervorheben, daß nicht allein alle heidnischen Trauergebräuche auf's Nachdrücklichste verboten wurden, sondern auch jede Berührung und Beschäftigung mit den Todten — bei aller Pietät für dieselben, denn es ward als eine Schmach betrachtet, kein ordentliches Begräbniß zu erhalten, und jede aufgefundene Leiche mußte bestattet werden2) — wurde für verunreinigend erklärt und es mußte eine Reinigungs-Ceremonie eintreten; die Priester mußten sich, mit Ausnahme bei den nächsten Verwandten, jeder Annäherung an Leichen enthalten-'). Todtenopfer waren also geradezu verpönt, und der Gedanke, daß die Lebenden für das Seelenheil der Verstorbenen etwas thun könnten, lag völlig fern''). Dieser Geist wurde nun so lebendig und beherrschend, daß er in allen biblischen Autoren zum Ausdruck kam. Es würde die Grenzen unsres Artikels überschreiten, wollten wir den Nachweis nur in irgend erschöpfendein Maße führen. Wir begnügen uns, aus jedem biblischen Buche ein oder einige Beispiele auszuheben. In den grundlegenden Erzählungen vom Paradiese, von Kain, der Sintstuth, dem Untergange Sodoms tritt überall die Strafe als Bestimmung des Menschen zu schwerer Arbeit, J) Zahlreiche Texte aus den Grabmonumenten und den Papyrusrollen geben für die Opfer, die man den Todten brachte, Zeugniß. Die Kenntniß derselben ist jüngst so verallgemeinert worden, daß wir Citate uns ersparen können. 2) Daher die oft wiederholte biblische Drohung: „Eure Leichen werden zum Fräße der Naubthiere und der Vögel des Himmels"; das Gebot, auch den Gehenkten noch vor Sonnenuntergang zu begraben, 5 Mos. 22, 21. Daher auch die Sorge Vieler, sich bei Lebzeiten eine sichere Gruft zu bereiten, z. B. Absalom, Schebna Jes. 22, 15. ' 3)'S. 3 Mos. 19, 28; 21, 5; 5 Mos. 14, 1. 4. Ferner 3 Mos. 10, 6; 21, 1 ff.; 4 Mos. 18. 4) Wenn im Mittelaller in die jüdische Masse der Glaube kam, daß das Seelenheil der Eltern durch das Absagen des Kaddisch Seitens der Söhne gefördert werde, so war dies unjüdischer Wahn, den der Inhalt des Kaddisch weder veranlaßte, noch förderte. als unstetige Flucht auf der Erde, als Untergang des unverbesserlichen sündigen Geschlechts, und als Gegensatz die Rettung des Gerechten auf. Dagegen erhält Abraham als Lohn seines gottesfürchtigen Wandels, seiner Glaubenstreue und Hingabe an seine Sendung ein langes beglücktes Leben, gesegnet mit allen irdischen Gütern, Vermehrung seines Geschlechts, Verheißung des Landes für seine Nachkommen und ein friedliches Hinscheiden Ä). Isaak erntete hundertfältig und nahm an Besitz zu. Da er Jakob segnet, verheißt er ihm „vom Than des Himmels und von der Erde Fett und Fülle Korn und Most und Herrschaft über die Völker 5 6). Gleicher Weise lautet der Segen Jakob's auf seinen geliebten Joseph: „Segen des Himmels von oben, Segen Gewässers, das drunten lagert, Segen der Brüst' und des Mutterschooßes" (1 Mos. 40, 25). So beginnt auch das 2. B. Mos., indem die Hebeammen, welche die israelitischen Knaben bei der Geburt verschonen, als Lohn „Häuser" erhalten. In den Zehnworten wird für die Ehrfurcht vor den Eltern langes Leben und Wohlergehen auf Erden verheißen. Wer den Fremdling bedrückt und kränkt, den wird das Schwert todten und sein Weib wird Wittwe, seine Kinder Waisen werden. Fm die Treue in der Lehre und dem Leben lvird reichliche. Nahrung, Entfernung böser Krankheit, Fruchtbarkeit der Familie und langes Leben verheißen 7). Diese Verheißung und zugleich die Strafandrohung wird im 3. Buche 26, 3 ff. weiter ausgeführt. Ueberfluß der Bodenerzeugniffe, Sicherheit und Frieden, Sieg über jeden angreifenden Feind — dagegen auf Abfall und Unrecht werden Krankheiten aller Art, Dürre, Mißwachs und Niederlage, Zerstörung der Städte und Vertreibung in die Länder bis zu einstiger Umkehr des Volkes und Wiederherstellung desselben in schärfster Weise angedroht. Beide Momente werden im fünften Buche noch öfter und stärker ausgeführt. Schon 4, 23 wird Israel auf seinen Abfall mit Zerstreuung und Knechtschaft bedroht, auf welche spätere Wiedererlösung folgen werde. V. 40 wird Wohlergehen und langes Leben für die Beobachtung des Gesetzes verheißen. Ebenso 6, 3. Nicht minder wird für den Gehorsam gegen das Gesetz 7, 12 verheißen: Gott wird „segnen die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Erdbodens, dein Getreide und deinen Most Md dein Oel, deiner Rinder Wurf 2?.d deiner Schafe Zucht", wozu noch die Befreiung von allen Krankheiten und Seuchen kommt. Gleiches geschieht 11, 13 ff. und endlich der ausführliche Ausspruch des Segens und Fluches in Kap. 28. Wir sehen also auch diese charakteristische Anschauung, die sich selbst von der nachbiblischen jüdischen, wenn auch ohne in dieser aufgegeben zu sein, doch sehr unterscheidet, die fünf Bücher Mosis zu einem Ganzen verbinden, da sie in allen Theilen derselben 5) 1 Mos. 15, 15; 22, 17; 24. 1; 26, 5. 6) 1 Mos. 26, 12; 27, 28. 7) 2 Mos. 1, 21J 20, 12; 22, 23; 23, 25. 24

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