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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-06-03 · Heft 23 (3.6.1879) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 23 (3.6.1879)
Date
1879-06-03
Page
Seite 363 (sequence 11)
Language
German
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von ihnen an das Ministerium des Innern gerichteten Petition auch in den übrigen Städten des Fürstenthums, sich niederlassen, Gewerbe treiben und Synagogen und Schulen errichten. Rumänien. Bukarest, 20. Mai. Den eingelaufenen Nachrichten zu Folge hat das Ministerium in den bis jetzt bekannt gewordenen Wahlen zur Constituante eine Dreiviertelmajorität gewonnen. Rußland. Petersburg, 16. Mai. Einige Blätter schreiben: Die Anordnung der rumänischen Regierung, aus Rußland kommende Juden, welche keine Existenzmittel besitzen, nicht über die rumänische Grenze zu lassen, hat zur Folge gehabt, daß die russische Negierung auf den Antrag des Ministeriums des Aeußern eine gleiche Maßregel in Bezug auf rumänische Juden, die nach Rußland kommen, beschlossen hat. (Wenn dies richtig ist, so sollte man glauben, daß die betr. Juden zu den Wcrthartikeln gehören, die mit Eingangszöllen zu belegen jetzt die verschiedenen Staaten mit einander cvncurriren.) Ebenso schreibt man: „Vor dem Geschworenengericht in Kjelze (Polen) wird in nächster Zeit ein äußerst interessanter Proceß zur Verhandlung gelangen. 'Angeklagt ist ein Feldscheerer, ein Jude, mehrere seiner Glaubensgenossen, welche der Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht unterlagen, durch Verstümmlung der Glieder dienstuntauglich gemacht zu haben.! So hatte er sechs Juden, welche sich im militärpflichtigen Alter befanden) das Sehvermögen auf dem rechten Auge zerstört. Für eine jede derartige Operation erhielt er ein Honorar von 30 Rbln." — (Das glaube, wer kann! Die Nachrichten aus Rußland über die Juden haben bekanntlich wenig Glaubwürdigkeit, da Jederman über sie lügen kann, was er will, Berichtigungen aber nicht ausgenommen werden. Red. d. A. Z. d. Jud.) Bonn, 18. Mai. (Notizen). Man schreibt aus Wien: Am 13. Mai ist der Börsen - Sensal Gottlieb Frankel, eine in weitesten Kreisen hochgeachtete Persönlichj keit, nach kurzem Krankenlager im 60. Lebensjahre verschieden.! Der Verstorbene, welcher keine nahen Verwandten hinterlicß,! hat sein etwa 100,000 fl. betragendes Vermögen zum großen i Theile .mehreren Wohlthätigkeitsanstalten testirt, sowie er auch mehrere Freunde und ehemalige Schüler — Frankel hatte sich in seiner Jugend durch Privatunterricht fortgebracht — mit Legaten bedacht hat. Es erhalten demnach nach den Bestimmungen des Erblaffers das kaiserliche Taubstummen- und das kaiserliche Blinden-Jnstitut in Wien, ferner das israelitische Taubstummen- und das israelitische Blinden- Jnstitut in Wien je 5000 fl., das Spital der barmherzigen Brüder, das allgemeine Krankenhaus und das Jsraeliten-Spital je 1000 fl., das Gremium der Börsen-Sensale für erkrankte Mitglieder 6000 fl., der Unterftützungsverein für hilfsbedürftige Besucher der Wiener Börse 6000. fl.; ferner stiftete Frankel im Spitale seiner Vaterstadt Nikolsburg ein Bett (für Kranke ohne Unterschied der Consession) mit 5000 fl. und für dortige Arme (ohne Unterschied der Consession) 4000 fl. — Bonn, 25. Mai. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der Deborah-Verein in Chicago schickte neulich Herrn Or. Kayserling als Erträgniß einer unter einigen Frauenvereinen veranstalteten Sammlung die ansehnliche Summe von 857 fl. für die verunglückten Glaubensgenossen in Szegedin. — Aus Liptö-Szt.-Mikl6s wird uns geschrieben: Ein hiesiger israelitischer Bäcker hatte gelegentlich des 2ojährigen Ehe-Jubiläums Ihrer Majestäten ein Paar weiße geflochtene Sabbath-Brode, sogenannte „Barches" nach Wien gesendet: Dieser Tage wurde nun der Absender durch eine vom a. fr. Hofe ausgehende Sendung von zehn Dukaten überrascht, welchen der schriftliche Dank für die schönen „Barches" beigeschlossen war. Selbstverständlich große Freude! — Wie man uns aus Brüssel schreibt, hat Herr Großrabbiner Astrue seine Demission gegeben, tvcil er fortan in Paris literarischen Arbeiten leben will. Da das Consistorium den Verlust tvürdigt, den die Gemeinde dadurch erleiden würde, verhandelt es noch mit dein verehrten Seelsorger. — Bonn, 2ö. Mai. (Literarische Notizen.) I)r. Schreiber in Bonn scheint noch nicht genug daran zu haben, mit den Herren Mayer und Baume in Streit zu leben. Neuerdings hat. er wiederholt diese Zeitung und deren Nedacteur angegriffen. Wir bekennen aber offen, daß tvir sowohl vor der Begabung, als vor dem Wissen und dem Character dieses Mannes nicht eine solche Achtung haben, um uns mit ihm in irgend eine Polemik einzulassen. Dies verhindert uns auch, seine, uns in drei Exemplaren zugesandte Einweihungspredigt zu kritisiren. Denn da wir dieselbe für ebenso geisteswie herzensarm und geschmacklos bezeichnen müßten, könnte dieses Urtheil als aus Antipathie hervorgegangen angesehen werden.') — Um so mehr freuen wir uns, auf einige jüngst erschienene, treffliche Predigten außnerksam zu machen. „Rede gehalten an der Bahre des Heimgegangenen Rabbiner vr. Lazarus, Director des jüdischen Seminars zu Breslau von Dt-. M. Joel, Rabbiner" (Breslau, Cchletter 1879.) Ein jedes Wort der'" Rede tief empfunden und zutreffend ausgesprochen! — „Die bürgerlich-staatliche und die religiös-moralische Freiheit, Fördernisse und Hemmnisse derselben. Zwei Predigten, gehalten am I) Was Herr Schreiber in einer Anmerkung gegen unsere Person vorbringl, sowohl was das Festesten, als was die Rabbiner« wähl in Breslau betrifft, haben wir für unwahr erklärt. Redaction: 23*

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