Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1879)
- Date
- 1879-06-03
- Page
- Seite 362 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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36S israelitischen Gottesacker in Hildes he im betroffen hat, welcher, da die dortige Gemeinde ihr Besitzrecht an denselben nicht nachzuweisen vermochte, nachdem die wenigen noch vorhandenen Grabsteine nach dem neuen Begräbnißplatze geschaffen worden waren, einfach pkanirt wurde und über welchen jetzt ein dem freien Verkehre zugewiesener Weg führt. Dem ordentlichen Professor Dr. Stern in Göttingen, welcher unlängst sein fünfzigjähriges Doctor- und Docentenjubikäum feierte, ist vom Kaiser der Kronenorden dritter Classe verliehen worden. Da aber der Jubilar an seinem Ehrentage von Göttingen abwesend war (s. Nr. 14 dieser Zeitung), so wurde, ihm nach dem Beginne dieses Semesters von den Studenten ein Fackelzug gebracht. Der in Nr. 21 dieser Blatter von Emden aus erwähnte Proceß Rohling contra Buchholz hatte noch hier in Hannover ein Nachspiel. Der Landrabbiner Dr. Buchholz hatte sich nämlich in seiner Vertheidigung unter Anderem auf einen Artikel berufen, der vor länger als drei Zähren in der damals hier erschienenen „Rundschau" gestanden hatte und in welchem „der Talmudjude" wie sein Verfasser stark angegriffen war. Rohling, der diesen Artikel früher wohl nicht gekannt hatte, fühlte sich durch denselben beleidigt und ließ durch einen hiesigen Advocaten gegen den ehemaligen Redacteur der „Rundschau" einen Preßproceß einleiten, den er jedoch auf Ersuchen des letzteren spater wieder zurücknahm. In Gandersheim, wo seit mehreren Monaten der Bürgermeister suspendirt ist, wird das Amt desselben seit ebenso langer Zeit von dem ersten Stadtrathe, Herrn Louis Ballin (Israelit), der bei Juden und Christen in gleich hoher Achtung steht, verwaltet. Darmstadt im Mai. (Privatmitth.) Der hiesigen Gemeinde ist leider das Loos eines gedeihlichen Friedens nicht beschieden. Nachdem die Austrittsaffaire glücklich zu Ende geführt war, kam der Religionsunterricht auf die Tagesordnung, welche die Gemeinde in eine vibrirende Bewegung versetzt, und die jetzt noch nicht ihre Erledigung gesunden hat. — Seit der Pensionirung Mannheimers wird der Unterricht an der Religionsschule vom Herrn Cantor Oppenheimer und Herrn Rabbiner Dr. Landsberger ertheilt. Da hätten denn schon vor etwa 4 Jahren ungefähr HO Familienväter beim Vorstande eine Petition eingereicht, worin sie um Anstellung eines Religionslehrers baten, da ihnen der bisher ertheilte Unterricht ungenügend erschien; dieselbe blieb jedoch ohne Erfolg. Im Anfänge des Jahres 1878 trat der, nicht wie früher aus einem beschränkten, sondern aus einem allgemeinen Wahlmodus aus der Mitte der Gemeinde hervorgegangene Vorstand in Aktivität, und eine seiner ersten Sorgen war es, den Religionsunterricht zu verbessern, damit die Klagen darüber aufhören. Alsbald setzte er eine Schulcommission ein, die im Vereine mit den Lehrern einen Lehr- und Stundenplan beriethen, und deren Mitglieder abwechselnd die Religionsschule besuchten, um sich von dem zu überzeugen, was daselbst geschieht. Herr Opp. vermehrte die Anzahl der Stunden und gab sich viel Mühe, den Anforderungen möglichst gerecht zu werden. Demungeachtet reichte vor circa einem Vierteljahr abermals eine Anzahl von ungefähr 50 Gemeindegliedern eine Petition beim Vorstande ein, worin sie abermals um Anstellung eines Religionslehrers baten, da die bisherigen Kräfte ungenügend erschienen. Der Vorstand ging diesmal auf das Gesuch ein und faßte den Beschluß, in dem diesjährigen Budget 2000 Mk. für einen anzustellenden Religionslehrer vorzufehen. Kaum ward aber dieser Beschluß ruchbar, als eine Gegendemonstration in Scene gesetzt wurde. Einige Männer traten an die Spitze, bildeten ein Cornito, entwarfen eine Schrift, worin sie gegen die Annahme noch eines Lehrers protestirten und ließen dieselbe von circa 70 Gemeindegliedern unterschreiben. Sie führten unter Anderem darin aus, daß für den Religionsunterricht in einer Schule, die nur in der Regel von ungefähr 50 Kindern besucht werde, 2 Lehrer hinreichend sein müßten, so sie die erforderliche Lehrbefähigung und den nöthigen Fleiß besäßen. Die Klagen seien vielleicht ungegründet, und, wenn begründet, so könnte vielleicht ihre Ursache in einer unrichtigen Organisation der Schule liegen. Man möge daher, bevor man die ohnehin starkbelastete Gemeinde noch mehr belaste, einen unbetheiligten Schulmann berufen, der die Religionsschule prüfe und das Resultat der Prüfung unparteiisch feststelle. Allein das Gr. Kreisamt. wies den Protest zurück, indem es von dem Gedanken ausging, einem aus allgemeiner Wahl hervorgegangenen Vorstande müsse das Vertrauen geschenkt werden, daß, wenn er die Aufnahme eines Lehrers für. nothwendig hält, dies auch der Fall sein müsse. — Der Vorstand, friedlich gesinnt, hat bis jetzt die Cache auf sich beruhen lassen. — Bedauerlich ist's, daß die mit dem Unterrichte Unzufriedenen die Schuld der Reform zuschieben, und behaupten, unter der Leitung der Reformer komme der Jugend das Judenthum abhanden. Es muß daher nach meinem Ermessen an die Freunde und Anhänger der Reform die dringende Mahnung ergehen: so wie sie durch ihr öfteres Erscheinen beim sabbathlichen Gottesdienste zu zeigen haben, daß es ihnen nicht um's Einreißen, sondern um's Aufbauen zu thun ist, ebenso müssen sie durch Förderung des Religionsunterrichts an den Tag legen, daß sie das Judenthum bei der Jugend zu erhalten eifrigst bemüht sind. Serbien. Belgrad im Mai. Das Journal des D«'bats enthält von hier Folgendes: Die in Serbien geborenen Juden, denen man bis jetzt sich aufzuhalten und Handel zu treiben nur in den Städten Belgrad, Posurewatz, Semendria und Stabats (aus den letzteren hatte man sie ebenfalls zu verbannen gesucht, Red. d. A Z. d. J.^ gestattet hat, können zukünftig in Folge einer