Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1879)
- Date
- 1879-05-27
- Page
- Seite 349 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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349 endlich die Instructionen für die Religionslehrer, welche noch viele bedeutsame Bemerkungen enthalten. Allerdings paffen diese Lehrpläne auf die in großen Städten und Gemeinden vorhandenen Verhältnisse, auf ein ausgedehntes und entwickeltes Schulwesen. Allein schließlich bleiben die Lehrziele überall dieselben und kommt es auf die angemessene Vertheilung des Lehrstoffes an. — In der kaiserl. Bibliothek hat man in der Abtheilung für orientalische Handschriften ein sehr interessantes Manuscript aufgefunden, nämlich das Reisejournal eines Israeliten, der unter der Regierung Miezeslaw I. Königs von Polen 958 sich in den slavischen Ländern befand, einige Zeit am Hofe dieses Fürsten sich aufhielt und seinen Reisebericht in arabischer Sprache verfaßte, in welchem er die Sitten, Gebräuche, Kleidung und alle inneren Verhältnisse Polens in damaliger Zeit schilderte. Das Manuscript soll mit einer russischen und französischen Uebersetzung veröffentlicht werden. Ieu i tte t o n. Antiptssunistische Denksprüche von L. PH. (Fortsetzung.) Schweigt man, da Du hast geredet. Glaub' nicht, daß Du siegst; Streitet man, da Du geredet. Glaub' nicht, daß Du unterliegst: Schweigen ist oft doch Verwerfen, Streiten baldig Unterwerfen. „Das Wort ist da, Gedanken zu verhüllen" — O, trau' dem nicht! Solch' Wort wird bald sich ganz enthüllen Trotz unverschämtestem Gesicht! Wer schlau ist, täuscht sich selbst am meisten — Denn spricht er, was er wirklich fühlt. Späht man, was er . damit Hab' ausgespielt? Bist Du geschickt, erhaschest Du Den Schmetterling im Flug; Hast Du Geschick, ergreifst im Nu, Was Dir das Glück entgegentrug; Versäumst Du des Geschickes Huld — Du selbst bist schuld. Was Dich betrifft, ertrage sonder Klage — Meist ist die Klage nichts als Selbstanklage. Besiegst den Gegner Du mit schweren Hieben, Wird man Dich vorwärts schieben — Kannst Du Vergebung üben. Wird man Dich lieben. Dem Ehrgeiz ziemt's, ohn' Antwort nichts zu lassen; Verachtend Schweigen weckt das Haffen; Lehnst mild den Streit Du ab, so überzeugst Du, Und manche Ehrenkron' erreichst Du. Verschmäh' den Zeitungsruhm, Der sich auf einen Tag beschränkt; Doch was recht oft wird wiederholt. Sich in die Meinung langer Zeiten senkt. Nichts wird an einem Tag gebaut. — Hast leblang Du auf ein Ziel nur geschaut. So tvird Dein Sehnen endlich doch gestillt — Wenn sich am Ziel Dein Ziel als Wahn enthüllt. Hast Du doch eifrig es erstrebt Und heilsam drum für Andr' und Dich gelebt. „Greis, Du hast für Alles einen Trost" — Sag', was hast Du, wenn Du Dich erbost? Oft sah ich, daß die Noth die Kraft gelähmt, Oft sah ich, daß die Noth die Kraft gestählt — Des Einen Hand entwischt das Nettungsseil, Des And'ren Fuß springt auf die Klippe steil. Du sielst, nicht weil die Kraft Dir fehlte. Gefahren zu bestehen, . Nur weil der Muth Dir fehlte, der Gefahr Jn's Auge stracks zu sehen. Gesunden Trunk mußt Du der Tief' entheben,. Und auch der Wein entfließt nicht frisch den Reben - Drum trau nicht, was Dir ohne Streben Und ohne Mühen wird gegeben! Der einen Pflanze grünes Laub verbleibt. Die andre grünt und welkt nach Jahreszeit, Ein dürres Reis, das niemals Blätter treibt —