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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-27 · Heft 22 (27.5.1879) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 22 (27.5.1879)
Date
1879-05-27
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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348 Bonn, 11. Mai. (Literarische Notizen.) Hormuzd Nassam hat einen bedeutenden Fund gcthan. In der Stätte des südwestlichen Palastes auf dem Hügel von Kovyunjik hat er einen achteckigen cylinderförmigen Thurm aufgedeckt, dessen Außenfläche in gut erhaltenen Inschriften einen Bericht über die Kriegszüge des Königs Sennacherib (oder Sanherib) während eines Jahrzehnts seiner Herrschaft enthalten. In diesem Bericht wird auch der Krieg Sennacherib's mit den Juden unter dem König Hi skia beschrieben. Der Cylinder mißt etwa 20 Zoll in der Höhe und 6 bis 7 Zoll im Durchmesser. Den photographischen Abbildungen nach zu urtheilen, ist er Wohl erhalten. (Der Bericht enthält einige Zweideutigkeiten. Zuerst ist von einem cylinderförmigen und doch wieder achteckigen Thurm die Rede, und dann von einem 20 Zoll hohen Cylinder. Es soll Wohl heißen, daß ein solcher Cylinder in oder an dein achteckigen Thurin gefunden wordene Redaction.) — Vor Kurzem ist ein Roman von Max Ring: „Das Haus Hillel" aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems durch Titus (Berlin, Otto Janke, 1879) erschienen. Derselbe spielt zu Jerusalem, Olympia und Rom. Da wir diese Dichtung zu lesen noch keine Gelegenheit hatten, wollen wir hier ihrer nur erwähnen. — Die Mischehe. Ansprache an meine Gemeinde am 1. Peßachtage 5637 von l)r. I. Perles, Rabbiner in München (Barby, Horbach 1879). In beredter Weise warnt der Redner vor der Mischehe, weil sie für Den, der noch eine aufrichtige religiöse Ueberzeugung besitzt, nur unglücklich ausfallen und auf die Erziehung der Kinder nachtheilig wirken könne. Er spricht aber auch die Zuversicht aus, daß bei der Energie des jüdischen Familienlebens die staatliche Gestattung der Mischehe keinen besonderen Einfluß auf das Judenthum üben werde. — Eine Grabrede gehalten am 10. April 1879, dem ersten Zwischentag des Peßachfestes von Rabb. Dr. D. Leimdörfer -Nordhausen, Kirchner 1879.) Der Redner rechtfertigt, daß er an einem. Festtage eine Grabrede halte, dadurch, daß er an der Bahre dieser verstorbenen Frau nur eine Lobrede auf ihre Tugenden halten könne. Die Rede ist warm empfunden. — Vor Kurze»! erhielten wir drei sehr schön ausgestattete Broschürchen von M. Herzfeld, im Selbstverläge des Verfassers, Wien 1879: „Die Geheimnisse der heiligen Gräber Jerusalems. Katakomben Hebron's. Orientalische Legenden, Sagen und Mysterien. Erste Lieferung". „Potiphar's Frau und der keusche Josef. Schalscheleth. Ein Roman: „Die Auferstehung Szegedin's und die ungarischen Finanzen." Der Vers, schreibt ein ganz hübsches Deutsch, worin sich nur hier und da ein Fremdwort sonderbar ausnimmt. Die naive Bibelerklärung der früheren Zeit spiegelt sich hier ganz ergötzlich ab, da der Vers, nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit derselben hat. Im ersten Heftchen werden Legenden namentlich aus dem Sohar erzählt, die sich an die Doppelhöhle bei Hebron knüpfen. Bei dem zweiten darf inan nicht vor der Bezeichnung „Roman" erschrecken, denn sie ist nur ein willkürliches Ornament. Die Geschichte Josefs mit Potiphars Frau wird legendenartig ausgeschmückt erzählt und hieran die Erklärung geschloffen, warum die Riguna Schalscheleth an den bekannten vier Schriftstellen gesetzt worden. Die Nigunoth rühren natürlich für den Verfasser auch von Moses her. Die letzte Broschüre steht mit diesen in keinem Zusammenhang. Sie spricht sich über die ungünstige Finanzlage Ungarns aus, welche eine ausreichende Hülfe für Szegedin unmöglich mache. — Wir wollen an dieser Stelle die Aufmerksamkeit der Lehrer und Erzieher auf ein neues Werk unsres geschätzten Glaubensgenossen, Herrn Professor Emil Breslau r in Berlin, lenken. Um nämlich die musikalischen Roten angemessen schreiben, zugleich geläufig lesen zu lehren und in Verbindung damit die musikalischen Elemente beizubringen, gab er bei Vreitkopf und Härtel in Leipzig eine trefflich ausgestattete „Notenschreibschule" heraus, von welcher zwei Hefte erschienen sind und später noch ein Drittes erscheinen wird. Es bedarf nur eines Blickes in diese Hefte, um sich von dem Nutzen dieser Methode zu überzeugen. Sie schafft für die Musik dieselben Vortheile, wie die Schreiblehr-Methode für die Schrift. Durch Nichts wird dem Schüler das Primavistalesen so erleichtert, wie auf diesem Wege. Da jetzt in vielen jüdischen Schulen der Gesangs-Unterricht eingeführt ist, so können wir diese Notenschreibschule dringend empfehlen. Dieselbe ist bereits außer' in zahlreichen Musikschulen bereits in der jüdischen Realschule zu Frankfurt am Main eingeführt. — Die israel. Cultusgemeinde in Wien hat den Lehrplan des Religionsunterrichts wesentlich geändert. Sie war dazu veranlaßt, weil das Staatsgesetz auch den jüdischen Religionsunterricht unter seine Aufsicht genommen und die Zeit desselben auf 1 oder 2 Stunden wöchentlich beschränkt hat, und weil schon lange theils über die Unerheblichkeit der Erfolge im Unterricht des Hebräischen, theils über die Verbindlichkeit zu diesem geklagt wurde. Die Veränderung besteht darin, daß der hebräische Unterricht auf die zwei untersten Classen der Volks- und Mittelschulen und auf das Gebetbuch beschränkt, und dagegen hebräische Lehrschulen zur facultativen Benutzung neben dem obligatorischen Religionsunterricht für alle höheren Classen errichtet wurden. Dieser facultative hebräische Unterricht in besonderen Schulen wurde am 28 Oct. v. I. mit mehr als 300 Schülern eröffnet. Hierüber liegt ein Schriftchen vor: Das neue religiöse Schulprogranun der israel. Cultusgcmeinde in Wien. Eingeführt im Schuljahre 1878/79. Wien 1879. Verlag der israel. Cultusgcmeinde in Wien. Wir empfehlen diese Broschüre allen Schulvorständen und Lehrern zur Beachtung. Sie enthält den ausführlichen Motiven-Vericht zu den oben besprochenen Veränderungen, verfaßt von vr. L e o p o ld K o m p e r t als Referenten, dann den Lehrplan für die hebräische Sprach- und Bibelschule sowie den Lehrplan für den Religionsunterricht an allen Schulen,

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