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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-27 · Heft 22 (27.5.1879) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 22 (27.5.1879)
Date
1879-05-27
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 nach Venezuela würden, abgesehen von mitgebrachten Präparaten, fast ganz verloren sein, hätte nicht Dr. Sachs von der Reise Briefe an den Vorsitzenden des Curatoriums geschrieben, welche seine wichtigsten Beobachtungen und-Versuche enthielten, und im Archiv für Physiologie abgedruckt sind. Es ist die Hoffnung da, durch Vergleichung dieser Briefe mit seinem in Calabozo geführten Versuchstagebuche, wenigstens den experimentellen Theil seiner Arbeit einigermaßen wieder herzustcllen, obschon dies natürlich stets nur kümmerlicher Ersatz für das bleiben wird, was er selber gegeben hätte. Der Erforschung der Gymnoten sollte das Jahr 1878 nicht günstig sein. Während seines Aufenthaltes in Ciudad am Orinoco hatte Dr. Sachs mit einem dortigen Handlungshaus Verbindungen angeknüpft, um die Sendung lebender Gymnoten hierher zu vermitteln. Kurz nach Dr. Sachs' Tode langte hier die Nachricht aus Ciudad Bolivar an, daß bei einem Speicherbrande die zur Einschiffung nach Berlin bereit stehenden Gymnoten in den Flammen umgekommen seien." Leipzig, 18. Mai. (Privatmitth.) Der Ausschuß des isr. Gemeindebundes hat ein Circulär an sämmtliche deutsche Gemeinden gerichtet, um ihre Unterschriften zu einer gemeinschaftlichen Glückwunschadreffe an das deutsche Kaiserpaar zu dessen goldener Hochzeit am 11. Juni d. I. zu . erhalten. Er will damit „die Zersplitterung durch Absendung von Adressen einzelner Korporationen verhindern." Zugleich fordert der Ausschuß zu dieser Gelegenheit zu Sammlungen für die„Beamten- Pensionscaffe" des Gemeindebundes auf. Speyer, 12. Mai. (Pivatmitth.) Sie erinnern sich meiner Corresp. in Nr. 48 v. I., wonach ein Schmähartikel der „Nheinpfalz" mit dem Titel „Semitisches" der Staatsbehörde zu strafrechtlicher Verfolgung übergeben wurde. Allein es erfolgte nichts, da der Herr Staatsprocurator in Frankenthal jene Anklage jedenfalls in den — Papierkorb hat wandern lasten, denn der hiesige Polizeicommistar versicherte, unsere Anzeige rc. an ihn befördert zu haben. Es freut mich indeß, heute eine genugthuende Mittheilung machen zu können, daß nämlich die fragliche „edle Nheinpfalz", welche viele Jahre bestehen durfte, endlich wegen Mangels an Abonnenten ihr Leben aushauchte. Dies kann man gewistermaßen als die Ausübung einer Lynchjustiz an jenem sauberen Blatt betrachten und ist Wohl die härteste Strafe für dastelbe. — So möge es allen solchen Blättern ergehen, welche Fanatismus erwecken und zu verbreiten suchen, somit nur Unheil stiften und der Menschheit wie dem Vaterlande nur einen schlechten Dienst erweisen. M. Rosenhaupt, Cantor. Fürth, 13. Mai. (Privatmitth.) Am 10. Mai erfolgte die Auflösung der hiesigen jüdischen Gesellschaft „Männergesangverein", nachdem es allen Bemühungen nicht gelungen war, einen Vorstand schaffen zu können. Der Verein wurde 1857 von dem hiesigen Religionslehrer und Cantor an der Hauptsynagoge, Herm A. Ebert, zu dem Zwecke gegründet, sowohl gesellige Vergnügungen zu veranstalten, als auch zur Verherrlichung des Gottesdienstes mitzuwirken. Letzteres wurde schon seit vielen Jahren nicht mehr bewirkt, dagegen ein gut geschultes, aus Herren und Damen bestehendes ständiges Chor eingeführt, so daß der Verein ein rein geselliger geworden ist, der trotzdem seinen specisischen Charakter behielt, unter 235 Mitgliedern waren 3 christliche. In Nr. 1 d. A. Z. d. I. von 1858 haben auch Sie mit diesem Verein sich beschäftigt und zwar gelegentlich seiner ersten theatralischen Vorstellung: „Sennora Pepita, mein Name ist Meyer", und ich würde der Sache nicht weiter erwähnen, so sehr ich die Auflösung bedauere, da der Verein doch ein sociales Ferment der hiesigen Israeliten bildete, wenn dieser Vorgang nicht Veranlastung zu einer Betrachtung gäbe. Wir haben erfreuliche Thatsachen in großer Anzahl, die beweisen, daß in den zerstreuten Gliedern des jüdischen Volksstammes ein Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht mangelt. Dieses Gefühl wird aber erst dann rege, wenn es sich um Werke der Wohlthätigkeit handelt, sonst ist nur wenig oder gar nichts davon zu finden. Es ist daher eine irrige Annahme, wenn den Juden eine Verbindung kommerzieller oder socialer Natur zugeschrieben wird. Eine solche besteht kaum zwischen den Hausbewohnern oder nächsten Nachbarn, in geschäftlichen Angelegenheiten herrscht zwischen Juden dastelbe Gesetz wie zwischen Nichtjuden, das des Gewinnes oder Verlustes, in socialer Beziehung findet man es nur zu häufig, daß die Juden die Gesellschaft der Glaubensgenosten absichtlich zu meiden und die von Nichtjuden gern anzuknüpsen suchen. Ebenso tritt häufig, wenn auch nicht in dem Grade wie früher, die Erscheinung zu Tage, daß jüdische Aerzte in jüdischen Familien nicht consultirt werden, wogegen der betitelte christliche Arzt der Glanzpunkt des Hauses sein muß. Es ließen sich noch manche Thatsachen aufführen, die bezeugen, daß, was man auch vom Gemeingeist der Juden für Juden und Judenthum faseln mag, dieser meist oder ausschließlich nur auf dem Gebiete der Barmherzigkeit zu finden ist, allein es genügt, dieses Factum überhaupt constatirt zu haben. Den Sinn für Wohlthätigkeit hat denn auch der Verein dadurch erwiesen, daß er sein in ca. 2200 Mark bestehendes Vermögen humanen Zwecken tvidmete; 2000 Mark erhält die hiesige „Gabriel Rießer-Stiftung", den Rest der hiesige „Frauenverein für Unterstützung armer Wöchnerinnen ohne Unterschied der Confession". Der Verein hat durch diesen Act edlen Wohlwollens nicht nur sein Interesse für Förderung geistiger Zwecke bethätigt, sondern auch sein kurzes Dasein würdig beschlosten und für alle Zeiten ein ehrendes und bleibendes Andenken sich bewahrt. Möge sein Äeispiel hierin häufige Nachahmung finden!

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