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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-27 · Heft 22 (27.5.1879) · p. Seite 343

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 22 (27.5.1879)
Date
1879-05-27
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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343 Hervorzuheben ist, daß die drei Redner am meisten den Charakter des Verstorbenen auf's Höchste rühmten, der mit der größten Bescheidenheit bei umfassender Begabung die vollste Menschenliebe und Humanität, die ganze Weisheit eines „Nathan" besaß und unter den schwierigsten Verhältnissen bethätigte. Unsere Leser wissen, daß wir bei unseren Glaubensgenossen noch höheren Werth auf einen musterhaft sittlichen Charakter, als auf die Höhe des Talents legen, Eigenschaften, die sich übrigens bei dem Verstorbenen vereinigten. Bonn, 13. Mai. (Privatmitth.) In dem bereits angeführten April- und Maiheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen" wird auch vom Senat der k. Academie der Künste die Concurrenz um bcn Michael-Beer'schen Preis erster Stiftung für dieses Jahr ausgeschrieben. Cie ist diesmal für Bildhauer bestimmt. Die Wahl des darzustellenden Gegenstandes bleibt dem eigenen Ermessen des Concurrenten überlassen; die Composition kann in einem runden Werk oder einem Relief, in Gruppen oder in einzelnen Figuren bestehen, nur müssen dieselben ganze Figuren enthalten, und zwar für runde Werke nicht unter 1 m., das Relief aber soll in der Höhe nicht unter 70 ein. und in der Breite nicht unter 1 in. messen. Es haben außerdem die Concurrenten gleichzeitig einzusenden: 1) eine in Relief ausgeführte Skizze, darstellend „Lot mit seiner Familie auf der Flucht" (I. Mos. Kap. 19), 2) einige Studien nach der Natur, welche zur Beurtheilung des bisherigen Studiums des Concurrenten dienen können. Die kostenfreie Ablieferung der concurrirenden Arbeiten an die königliche Academie muß bis zum 5. Juli d. I. Nachmittags 3 Uhr erfolgt sein. Die Arbeiten müssen von folgenden Attesten und Schriftstücken begleitet sein: 1) einem Attest, aus dem hervorgeht, daß der Bewerber ein Atter von 22 Jahren erreicht, jedoch das 32. Lebensjahr noch nicht überschritten hat, und daß derselbe sich zur jüdischen Religion bekennt, 2) einem Atteste, daß der Bewerber seine Studien auf einer deutschen Academie gemacht hat, 3) einem kurzen Lebenslauf, aus welchem der Gang seiner Studien ersichtlich ist, 4) einer schriftlichen Versicherung an Eidesstatt, daß die eingereichten Arbeiten von ihm ohne fremde Beihülfe entworfen und ausgeführt sind. Der Preis besteht in einem einjährigen Stipendium von 2250 M. zu einer Studienreise nach Italien unter der Bedingung, daß der Prämiirte sich 3 Monat in Nom aufhalten, und unter Beifügung einiger Arbeiten über seine Studien halbjährlich an die Academie Bericht erstatten muß. Die Zuerkennung des Preises erfolgt in der öffentlichen Sitzung am 3. August d. I. Wir haben jüngst dem leider! so früh und plötzlich verstorbenen jungen Glaubensgenossen Dr. Carl Sachs auch unsrerseits ein Gedenken gewidmet. Je seltener es noch immer vorkommt, daß auch von officieller Seite einem Juden eine volle Würdigung zu Theil wird, und jemehr wir wieder durch das judengehässige Treiben der Parteien, die gegenwärtig wieder den Markt des Tages beherrschen, darauf angewiesen sind, die Verdienste hervorragender Glaubensgenossen zu sammeln und zu betonen, desto natürlicher wird man es finden, wenn wir aus demselben Ministerialblatte ein Urtheil ziehen, welches die k. Academie der Wissenschaften durch den Mund des Vorsitzenden des Curatoriums der Humboldt-Stiftung für Naturforschung und Reisen, des Herrn Du Bois-Reymond fällte: „Die Humboldt-Stiftung ward im verflossenen Jahre von einem schweren Unglück betroffen. In seinem vorjährigen Berichte durfte das Curatorium Genugthuung von dem gelungenen Unternehmen des Dr. Carl Sachs erzählen, der, 1876 zur Erforschung der Gymnoten nach Venezuela; gesandt, 1877 mit einer Fülle wichtiger Ergebnisse wohlbehalten heimgekehrt war. Wie damals gesagt wurde, war es Dr. Sachs' Absicht, zwei Werke über seine Reise herauszugeben, eine Monographie über Gymnotus, welche, einen monumentalen Charakter erhalten sollte, und ein der Schilderung von Land und Leuten in Venezuela und der Erzählung seiner Reiseerlebnisse bestimmtes Buch. Da er zu bemerken glaubte, daß seine Reiseerinnerungen rasch erblaßten, ließ er sich leider dazu verleiten, die Zeit, welche seine neuen Berufsgeschäfte im physiologischen Institut der Königlichen Universität ihm übrig ließen, vorzugsweise der Vollendung letzterer Schrift zu widmen. Diese erschien im vorigen Sommer bei Veit & Comp, in Leipzig unter dem Titel: „Aus den Llanos, Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise von Carl Sachs, Med. Dr.", und hat sich in zahlreichen Beurtheilungen ungetheilten Beifalls zu erfreuen gehabt. Kurz nach ihrem Erscheinen trat Dr. Sachs eine Erholungsreise nach Tirol an, von welcher er nicht zurückkehren sollte. Am 18. August fand er auf dem Cevedale-Gletscher in der Ortler-Gruppe den Tod, indem die ganze, durch das Alpenseil verbundene Reisegesellschaft, Dr. Sachs, zwei Freunde, ein Führer und ein Träger, einen steilen Eisabhang hinunterftürzte. Nur einer von Dr. Sachs' Freunden entkam mit dem Leben. Dr. Sachs' Leiche wurde erst mehrere Tage später aus einer mit Wasser gefüllten Spalte gezogen." „Wenn die Wissenschaft im Allgemeinen an Dr. Sachs, der zu so hohen Hoffnungen berechtigte, einen herben Verlust erlitt, so hat der Humboldt-Stiftung sein Tod einen unersetzlichen Schaden gebracht. Denn leider fand sich unter seinen Papieren kein Manuscript zum Werk über Gymnotus vor, und die auf den Gymnotus bezüglichen Ergebnisse seiner Reise

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