Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1879)
- Date
- 1879-05-20
- Page
- Seite 332 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Entspricht der That das Wort, dem Wort die That, Geht der Gedanke seinen rechten Pfad. Das Antlitz gelb, die Haut wie Pergamen, Die Nase spitz und scharf der Blick? Der Neid Hai also Dich entstellt. Nachdem er Dir das Herz vergällt! -° * * Der Weise spricht — doch ach! er ist so klein. So achtet sein die Welt nur wenig. Doch alle Welt lauscht, spricht der König! Und dennoch jenes Weisen Wort Hallt durch Aeonen fort. Und an des Königs Spruch Hat schon ein Tag genug: Dem Weisen drängen sich Geschlechter um. Den Herscher macht der folgende schon stumm.' Selbst in der Steppe giebt der Ginsterstrauch Ein wenig Schatten und das Holz zum Feuer — Findst Du Dich auf das Gute aus, Jst's überall geheuer. * * * Schmäh' nicht die Blüthe, daß sie noch nicht Frucht; Schmäh' nicht die Frucht, daß sie nicht Blüthe mehr — Der Blüthe Frucht ist Färb' und Duft gewähren, Ter Früchte Blüh'n, daß sie erfrischeu, nähren. Verachte nicht den Schmuck — Den Schmuck der Rede für den Geist, Für all' das menschliche Gestalten Der Neizgewandung Fläch' und Falten. Natur geht uns voran — sie kleidet Die rohen Elemente in der Schönheit Kosen, Am Dornstrauch treibt sie schimmernd duft'ge Rosen, Goldgelb glänzt Wolke bei des Hagels Tosen, Und über Karren Tod auf Flur und Höh', Legt sie jungfräulich weißen Schnee! Darum verachte nicht der Anmuth Schmuck, Und klage nicht ob herber Täuschung Arg, Wenn bittren Kern die holde Schale barg! ______ (Fortsetzung folgt.) Gumbinnen, 2. Mai. Plaudereien. Man muß es wohl unserer Zeit lassen, daß sie es versteht, „mit feinem Tacte die Bedürfnisse des Publicums herauszusühlen, und ihnen auch Rechnung zu tragen. Nicht bloß daß sie der materiellen Arbeit den materiellen Genuß als Entschädigung bietet, versäumt sie es auch nicht, der geistigen Anstrengung die nöthige Erholung folgen zu lassen. Von diesem Gedanken geleitet, haben wohl auch gewisse Zeitungen sogenannte Plauderstübchen bei sich eingerichtet, in welchen politische Tagesfragen, wissentschaftliche Controverse, commercielle. und industrielle Geburten und Nichtgeburten, religiöse Interessen und sociale Gebrechen, in harmloser ja launiger Weise, und zwar derartig besprochen werden, daß man in vielen Fällen dabei der Wahrheit näher kommt, als wie durch jene haarspaltenden Deductionen, die nach bogenlangen Erörterungen kaum über das Nächstliegende hinausgelangt sind. Ja, wenn der Leser sich mühsam durch Leitartikel, politische Rundschau, Provincielles und Locales durchgewunden hat, dann begrüßt er mit Vergnügen jenes trauliche Plätzchen gemüthlicher Plaudere^ und wenn auch im Feuilleton des Blattes. Ob Sie, geehrter Herr, diese Einrichtung nicht auch für ihre gesch. Zeitung treffen möchten? Unser Judenthum ist doch wahrlich nicht alsoganz vom Ernste beherrscht, daß es nicht auch ein wenig für die Gemüthlichkeit inclinirt wäre. „Aber" — höre ich Sie vielleicht erwidern — „unsere Zeiten sind gar nicht darnach angethan, daß es gestattet wäre, uns der gemüthlichen Plauderei hinzugeben. Schauen Sie nach Osten und Sie stoßen auf Kuta'is, schauen Sie nach Westen und Sie stoßen auf Marpingen (geht uns freilich weniger an) — in beiden Fällen sind die Angeklagten frei gesprochen worden, wer aber möchte die schwere Verurtheilung leugnen wollen, die unsere Zeit dabei erfahren hat? —. Und —" fahren Sie geehrter Herr zu fragen fort — „haben Sie denn den Wehruf des Herrn Marr nicht vernommen, hervorgerufen durch das Entsetzlichste, was geschehen konnte, hervorgerufen dadurch, daß eben das Germanenthum unter den Händen des Judenthums seinen Lebensodem ausgehaucht hat? —" —. Ja, da haben Sie freilich recht, Herr Redacteur; er hat es gerufen, der Herr Marr, sein welterschütterndes „Finte Germaniae,“-er hat es gerufen im wilden Schmerz seiner Seele, und sein Ruf — wir wollen hoffen, daß er nicht zweideutig ist. Was aber mag nun der alte Hermann im Teutoburger, zu diesem Unglück sagen — und wie wird sich wohl Varus die Hände gerieben haben, als ihm Pluto die Nachricht gebracht von der fürchterlichen Weise, in welcher seine vor 1870 Jahren durch die Germanen erlittene Niederlage heute durch das Judenthum gerächt wurde! Jndeß glaube ich, daß Herr Marr sich doch ein wenig Gewalt angethan hat, als er seine Behauptung in die Welt setzte. Denn daß es den Juden, seit dem Verluste ihrer politischen Selbstständigkeit, weniger um einen Steg über Andere, als um das eigene bischen Duldung zu thun gewesen, wird nicht blos jeder Unparteiische, sondern mußte auch der Herr Marr