Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1879)
- Date
- 1879-05-20
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
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lilen, welche ein bekanntes Bankhaus haben, sowie alle jene, welche ein wichtiges industrielles Etablissement im Lande gegründet haben, und die Erwerbsteuer I. Masse entrichten .... Es bliebe selbstverständlich, daß nach diesem Votum alle anderen Israeliten, mögen sie welche sociale Stellung immer einnehmen, und was immer für einer NaLronaUat angehören, das rumänische Bürgerrecht nach den BestimmuWen und nach den Formalitäten des allgemeinen bürgerlichen Gesetzes erlangen können. (Man erkennt leicht, daß auf diese Weise nicht einmal der Schein gerettet würde, denn die 3. Categorien befassen eine Minimalzahl, und daß die letzte Bestimmung alle übrigen Juden so gut wie aus schließen würde — denn sonst brauchte man jene 3 Categorien imcht ausnahmsweise aufzuführen! Redaction der A. Z. d. I.) Der Cabinetschef Ivan Bratiano ist ehegestern nach Jassy abgegangen, um die durch die Wchlbewegung sehr aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen und allen Parteien eindringlichst zu Gemüthe zu sühvsn, daß die bei den öffentlichen Versammlungen, sowie auch in der MMauer Tagespresse mit so großer Vehelnenz gegen die Juden gchchrte Sprache dem Lande nur zunr höchsten Nachtheile gereichen und denselben heute oder morgen bitterböse internaÄvnate Früchte tragen müffe. Uebrigens hat Mb» Wohl auch avdere wichtige Gründe, in der Moldau beschwichtigend und gewinnend persönlich aufzutreten. Die Moldauer liberale Partei, die der Rosetti-Bratiano'schen nationalliberalen Partei die heftigste .Opposition macht, hat der altwnservativen Partei die Hand gereicht und beide zusammen habe» in derganzen Moldau soeben das mot d’ordrc ausgegeben, daß in die kommende Constituante Keiner zu wählen sei, bevor er sich nicht verpflichtet hat, gegen die Revision des Artikels 7. der Verfassung in dem Falle zu stimmen, tvenn die Krone sich nicht entschließen würde, das jetzige Cabinet in dem Sinne zu modificiren, daß auch die genannten beiden Parteien in demselben vertreten seien. Die Sache ist sehr ernst, wam man bedenkt, das jene zwei Parteien in der Moldau über ein großes Terrain verfügen. Doch zweifelt man hier nicht daran, daß es Bratiano gelingen werde, auch diese drohenden Stürme zu beschwören, da er ja stets bereit war, auch Elementen der heutigen Opposition neben sich gebührende Sitze anzuweisen. (Hieraus ergiebt sich, daß die Juden nur den Vorwand zu politischen Jntriguen geben. So war es ja in Rumänien -von Anfang an! RedacÄon der A. Z. d. I.) Bukarest, 7. Mai. Die „Pol. Ssrr." Schvabi: Die Agitation für die Wahlen in die außerordentlichen Kammern zur Revision des Artikels 7 der rumLmschm Verfassung hat begonnen. Das erste Wahlmanifest hat das Comite der liberalen Partei erlassen und es ist dasselbe von Rosetti, Ivan Ghika, General Haralamb, Cosünescu, Freva und Aurelian unterzeichnet. In dem WüMmamseft Ävütz hcrvorgeboben, daß das Jahrhundert nicht mehr gestatte, die Erwerbung der Bürgerrechte von dem Religionsbekenntnisse abhängig zu machen. Unter diesem Vorwände jedoch vielen hunderttausend Fremden den Eintritt in die rumänische Völksfamilie zu gewähren, sei unzulässig. Anderen Falles hieße dies eines der zersetzendsten Elemente nach Rumänien verpflanzen, welches ein Contmgent schaffen würde, das stets bereit wäre, der fremden Jnvasivn immer als Avantgarde zu dienen. (Daß dies nichts als eine Parteilüge ist , braucht kaum gesagt zu werden. Trotz des schweren Druckes haben die rumänischen Juden ihren Patriotismus glänzend bewährt. . Redaction der A. Z. d. I.) Bukarest, U. Mai. Gegenüber den bei der Wahlpropaganda von gewisser Seite ausgegangen Behauptungen, da- Cabinet Bratiano hätte dem Auslande gegenüber Verpflichtungen hinsichtlich der Stellung der Juden betreffenden Frage übernommen, veröffentlicht das amtliche Blatt ein Communique, in welchem erklärt wird, daß die Regierung keinerlei Verpflichtung übernommen habe. Weiter werden jene Behauptungen als Verleumdungen bezeichnet, welche geeignet seien, Ruhestörungen im Lande herbeizuführen und die Interessen des Landes zu gefährden. Rußland. Aus Lievland, im April. Aus dem lievländischen Städtchen Trentelberg wird dem lettischen Blatte Ripas Lapa gemeldet, daß am Ostermontag unter der in der dortigen Kirche zum Gottesdienste versammelten Menge plötzlich das Gerücht ausgesprengt wurde, daß die dortigen Juden ein Christenmädchen geraubt und dasselbe unter den schrecklichsten Martern ermordet haben. Das Volk stürzte sofort voll Wuth, ohne das End« des Gottesdienstes abzuwarten, zur Thür der Kirche und begab sich massenweise auf den angeblichen Thatort. Unterwegs bewaffnete sich die Masse mit Stöcken, Steinen, Dreschflegelr und Heugabeln. Vor dem Hause des angeblichen Mörder« angekommen, griffen sie dasselbe an und demolirten es, wöbe die jüdischen Eintvohner desselben auf das gräßlichste mißhandele worden sind. Auch die Synagoge fiel den wüthenden abergläubischen Fanatikern zum Opfer, indem sie gänzlich ausgeplündert und niedergerissen wurde. Erst der herbeigeeilten (?) städtischen Polizei und dem Gendarmerie-Commando gelang es, weiteren Ausschreitungen Einhalt zu thun und die Ordnung herzustellen. Das Gerücht von dem angeblichen Mädchenmord erwies sich als gänzlich aus der Lust gegriffen; es wurde von einem Gassenjungen „des Spaffes halbes in Umlauf gesetzt. (Man ersieht hieraus, wie nothwendig unser „Protest in Nr. 15 war. Derselbe ist in mehreren deutschen Zeitungen ■ abgedruckt worden. Einflußreiche Männer sollten sich bemühen.