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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-20 · Heft 21 (20.5.1879) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 21 (20.5.1879)
Date
1879-05-20
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
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329 * Schweiz. St. Gallen, Anfangs Mai. (Privatmitth.) Nach der von dieser Zeitung unlängst gebrachten Mittheilung aus Brüssel ist die Sabbathpredigt in dortiger Synagoge auf den Nachmittagsgottesdienst und zwar mit bestem Erfolg verlegt worden. Von einer ähnlichen Neuerung, die von gleichen Motiven hervorgegangen und sich auch in gleicher Weise bewährt, kann ich Ihnen von hier aus berichten. Hier hat man nämlich von vornherein, d. h. gleich bei Constituirung der Gemeinde in Berücksichtigung der Localverhältniffe und in der Voraussicht einer schwächeren Betheiligung an dem Sabbath- Morgengottesdienst den Schwerpunkt auf den Freitag Abend verlegt und die Predigt mit dem Sabbath-Empfang (rtap rot?) verbunden, welche nach Kiddusch und vor dem OIcnu- Gebet gehalten wird, somit an die Stelle des bame madlikin (der Tausch ist wohl nicht übel) tritt. Diese seit nunmehr dreizehn Jahren hier vollkommen eingebürgerte Einrichtung hat noch den gewiß nicht zu unterschätzenden Vorzug, daß sie bezüglich der Freitag-Abendfeier in den Familienkreisen einen anregenden Einfluß auszuüben geeignet ist. Für Samstag Nachmittag dagegen habe ich im vergangenen Jahre einen Jugendgottesdienst — bestehend aus dem rituellen Minchagebet nebst Vorlesung der Thora, wozu die v"2-Knaben aufgerufen werden, und einem kurzen Vortrag — eingeführt, der von sämmtlichen Schulkindern regelmäßig und gern besucht wird. Man glaubt der jungen Schaar die Freude an demselben anmerken und das Sängerwort ablauschen zu können: 'N rPS VWa Daß eine vielseitige Nachahmung nur wünschenswerth erscheint, braucht hier Wohl kaum näher erörtert zu werden; ist es doch eine recht traurige, fast in allen Städten zu Tage tretende Erscheinung, daß die schulpflichtigen Kinder am Sabbath durch den Schulam Synagogen-Besuch verhindert und. zum großen Theil dem Gotteshause fast ganz und gar entfremdet werden. Kein Wunder, wenn sie auch später kein besonderes Vedürfniß fühlen, am gemeinsamen Gottesdienste theilzunehmen und bei einem gelegentlichen Besuch des Gotteshauses sich dort in der That als Fremde, d. h. kalt und theilnahmlos geberden. Die Einführung eines solchen Jugendgottesdienstes sollte sich daher jede Gemeinde, die nicht ihre eigenen öffentlichen Schulanstalten besitzt, geradezu zur Pflicht machen, wenn das Jntereffe für Gotteshaus und Gottesdienst im jugendlichen Herzen frühzeitig und nachhaltig geweckt und die auf die Erlernung der hebräischen Sprache zu verwendende Zeit, und Mühe nicht vergeudet werden soll. Haben wir dafür zu sorgen, daß unsere Jugend das hebräische Gebet verstehen lerne, so seien wir darauf bedacht, daß das zum Verständniß gebrachte Gebet auch verrichtet,werde. Rabbiner vr. Engelbert. Großbritannien. London, 5. Mai. Im Oberhause beantwortete heute der Minister des Auswärtigen, Lord Salisbury, eine Anfrage Lord Granville's über die Ausführung des Berliner Vertrags. Er bemerkte: Die Unabhängigkeit Serbiens sei anerkannt. Was Rumänien anbetreffe, so hoffe er, daß däffelbe bald Versicherungen vollster und getreulich er Ausführung des Vertrags in Bezug aus die religiöse Frage geben werde, so daß die Anerkennung seiner Selbstständigkeit möglich sei. Wir entnehmen Obiges den öffentlichen Blättern, können uns aber nicht enthalten, auf den Klageruf hinzuweisen, den die „Germania" über diese Auslassung des britischen Ministers anstimmt. Wir erwähnen dies, um die dauernde Gesinnung der Partei zu charakterisiren, welche genanntes Blatt vertritt. Sie ist so gemein, der britischen Regierung zu insinuiren, daß sie für die Gleichstellung der Juden nur eintrete, weil „das handeltreibende Jnselreich das handeltreibende Element in Rumänien für sich gewinnen möchte!" Und weshalb thun Frankreich, Deutschland und Italien däffelbe? Sie ereifert sich besonders gegen die Bezeichnung „die religiöse Frage", sie will nur eine sociale und ökonomische Frage darin sehen. Dies ist uns von Seiten der „Germania" sehr begreiflich, denn nach den Bestimmungen des Syllabus ist die Gleichstellung aller Culte etwas durchaus Antireligiöses. Und da sie dies nicht geradezu sagen möchte, wirft sie die Judenfrage in den socialen Korb. Schaden wird das Blatt der Sache unsrer Glaubensgenoffen in Rumänien nicht, uns aber zeigt es sich immer von Neuem in dem Lichte, in welchem es schon seit so langer Zeit erscheint und macht die Hoffnung, daß es sich mit ihm bessern werde, immer wieder zu Schanden. Rumänien. Bukarest, 30. April. In der Juden frage hat bisher nur ein einziger Mann den Muth gehabt ein Votum abzugeben; das ist der ehemalige Ministerpräsident Joan Ghika. Er schlägt Folgendes vor: „Die Lösung der Frage, wodurch alle Schwierigkeiten und Gefahren beseitigt werden würden, wäre die, daß man zur Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte mittelst eines einzigen .Votums und nach einer Namensliste zuließe: 1) Alle Israeliten, welche in der rumänischen Armee länger als ein Jahr gedient haben; 2) alle in Rumänien geborenen Israeliten, welche an einer anerkannten Facultät den Universitätstitel als Doctoren oder Licentiaten der Rechte oder der Philosophie oder der Medicin oder der Chirurgie erworben haben, sowie auch alle Ingenieure, Architekten, Maler und Bildhauer, welche aus einer renommirten Schule hervorge gangen sind; 3) alle in Rumänien geborenen Jsrae«

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