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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-20 · Heft 21 (20.5.1879) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 21 (20.5.1879)
Date
1879-05-20
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
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höchste richterliche Instanz sein, auch in administrativer und militärischer Beziehung Befehle geben, aber die Gesetzgebung sollte ihm gänzlich entzogen sein; er war gebunden an. das schriftliche Gesetz, das ihm stets vorliegen sollte, dem er nichts hinzufügen und entziehen durfte. Auch sollte er sich fcrnhalten von dem Apparat der asiatischen Despoten, keine Reiterei (Ritter), keine Schätze, keinen Harem haben. Auch wurde ihm das demokratische Institut der „Propheten" entgegengestellt, Volkstribunen, Vertreter des Volkes und des Gesetzes, die im Aufträge dieser, alle Ungesetzlichkeiten und Unsittlichkeiten zu rügen, unverletzlich gedacht waren. Und hiermit stimmen alle Bücher der Schrift überein. Die geschichtlichen Bücher wiederholen immerfort ihre Uriheile über die Könige nach dem Maßstabe, ob sie dem Gesetze treu geblieben oder es verletzten und von ihm abfielen. Selbst David und Salomon verwarnen sie nach dieser Richtung und künden ihnen den Sturz ihres Thrones an, wenn sie und ihre Nachfolger die Wege des Gesetzes verließen. Bei den Propheten ist dies selbstverständlich, und wenn einige derselben sich die Zukunft Israels unter einem Könige dachten, so war dies immer nur ein solcher, der auf's Getreueste mit dem Gesetze sich identificirte. So standen denn auch die Zehnstanune nicht an, die Davidische Dynastie des Thrones für verlustig zu erklären und sich zu einem Wahlreich zu constituiren, wo freilich die Wahl vom Schwerte eines Empörers abhängig wurde. Rach dem Exil dachte Niemand an die Herstellung auch nur eines „Fürsten" an der Spitze der Nation, obschon ein Davidischer Abkömmling dm ersten Zug der Rückkehrenden leitete, und die Davidische Familie während des Bestandes des zweiten Tempels nicht ausgestorben war. Bei so. conservativen Männern, wie Esra und Nehemia waren, ist dies bezeichnend. Die Geschichte der Hasmonäer gehört nicht mehr in's biblische Schriftthum. So stimmen also sämmtliche biblische Schriften in der demokratischen Anschauung und den demokratischen Institutionen vollständig überein; nirgends eine Spur von einer Aristokratie und von deren bevorzugter Stellung; und die überaus einfachen und von der Geschichte der israelitischen Könige sofort dementirten Bestimmungen des Gesetzes sind, wie wir schon öfter betont haben, ein starkes Zeugniß für das Alterthum des Pentateuchs und gerade des Deuteronomiums, in welchem allein die Verfassungsbestimmungen Vorkommen, da jedes Gesetz, das einer späteren Zeit entsprungen wäre , gerade über die Verfassung genaue und den Erfahrungen entsprechende Vorschriften hätte bringen müssen. 6U/<xcß ttcßteu* Deutschland. Berlin, 11. Mai. (Privatmitth.) Wir haben immer behauptet, daß sowohl der Liberalismus als die Reaction die Natur eines consequenten Systems besitzen, so daß wer einem dieser Principien in einer Beziehung huldigt, auch bald anderen Folgerungen anheim fällt. Vor Kurzem ist der Abg. für Bremen Mosle plötzlich mit Sack und' Pack aus dem Freihandelslager in das des Schutzzolles und zwar extremster Art übergegangen. In der Sitzung des Reichstages vom 8. d. geht er daher noch einen Schritt weiter und spricht die Erwartung aus, „daß aus unsrem Handelsgetriebe, unsrem Handel und Verkehr und allen gewerblichen Betrieben auch die zwei Tendenzen mehr und mehr verschwinden werden, die sich jetzt da breit machen und eingefügt haben. Einmal sei das eine gewisse internationale Tendenz, andrerseits aber auch eine > semitische Tendenz, die Sie gar nicht leugnen können." (Gelächter und Unruhe.) — Wir können uns diese Gesellschaft gefallen, lassen. Denn aus dem Handel die internationale Tendenz, d. h. Ein- und Ausfuhr beseitigen zu wollen, ist so unsinnig, daß man den Unsinn für die von Mosle denrmcirte zweite Tendenz sofort leicht herauserkennt. Die Antwort blieb daher für Mosle nicht aus. In der Sitzung vom 9. Mai in der Verhandlung über den Rachtragscredit für die Australische Weltausstellung sagt Löwe (Bochum): „Wie Herr Mosle sich den Handel anders als international denken könne, begreife Redner nicht. Auf das andere Epitheton, welches Herr Mosle gestern dem Handel gab (semitisch), passe vollkommen das Reuleaux'sche Wort: Es ist wohlfeil und schlecht. (Lebhafte Zustimmung)." In der Fortsetzung der Generaldebatte über den Zolltarif sagt Nickert: „Mosle hat gesagt, daß die gegenwärtigen Gesetze dazu beitragen würden, den internationalen und semitischen Charakter (Rufe: Pfui!) des Handels zu beseitigen in Deutschland. Meine Herren, wenn der Herr Abg. Mosle es für seine Sache hält, die Beweiskraft für seine Ausführungen aus dieser Tonart herzunehmen, so lehne ich und ich hoffe auch die große Majorität meiner Gesinnungsgenossen, in deren Namen ich zu sprechen hoffe, jede Gemeinschaft mit derartigen Deduktionen ab, und wir müssen sie auch auf das entschiedenste zuritckweisen. Im Uebrigen hat gerade diese Ausführung mich veranlaßt, materiell mit dem Abg. Mosle von dieser Stelle aus nicht Weiler über seine Ansichten zu discutiren, und ich gehe über zu dem, was der Abg. Windhsrst über die geschäftliche Behandlung gesagt hat." Bonn, 11. Mai. (Privatmitth.) Für uns erscheint es als eine Pflicht, jeden, auch den kleinsten Schritt auf dem Ge-

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