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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-13 · Heft 20 (13.5.1879) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 20 (13.5.1879)
Date
1879-05-13
Page
Seite 315 (sequence 11)
Language
German
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315 bietet. Daß der bevorstehenden Verhandlung der rumänischen Constituante über den Art. 7 der rumänischen Verfassung mit geringer Hoffnung, daß dadurch die Lage der Juden in Rumänien gebeffert würde, entgegenzusehen sei, wird in der nachdrücklichsten Weise ausgesprochen. Die Schulen in der Türkei, die durch den Krieg sistirt wurden, werden gegenwärtig wieder eröffnet uyd bald wieder sammtlich in Thätigkeit sein. Paris, 1. Mai. Die französische Negierung hat auf den Vorschlag des Generals Chanzy dem Herrn Jacob Ials (Israelit) die Ehrenmedaille für mehrmalige Lebensrettungen verliehen. Die Note des Gouvernements besagt: „Jacob Jais hat in einer großen Zahl von Gelegenheiten den erprobtesten Muth und die schönste Hingebung bewiesen, er hat sein Leben gewagt, unr die Rettung in Gefahr befindlicher Personen zu bewerkstelligen." Jais war schon drei Male für die Ertheilung dieser Medaille vorgeschlagen, aber wegen seiner republikanischen Gesinnung hintenangesetzt worden. Das Cabinet des Herrn Grevy hat sich beeilt, dieses Unrecht gut zu machen. Die ganze Bevölkerung Algiers ohne Unterschied der Confession und Nationalität hat Herrn Jais ihre Sympathie bezeugt. Herr Jais besitzt bereits 26 Medaillen für Lebensrettung. Die Ueberwindung noch eines anderen Vorurtheils verdanken wir demselben Manne. Bald nach der Eroberung Algeriens wurde in Algier eine Körperschaft der Feuerwehr (Pompiers) gebildet. Diese hatte bis jetzt sich geweigert, einen Israeliten aufzunehmen. Herr Jacob Jais ist dererste, und wurde mit Einstimmigkeit ausgenommen. Das ultramontane Blättchen Pclerin (Wallfahrer) versuchte jüngst die in Rußland grassircnde Blutbeschuldigung der Juden nach Paris zu verpflanzen,, wurde aber natürlich mit Hohn zurückgewiesen, und es wurde dabei darauf aufmerksam gemacht, wie auch hierin diese Partei erweise, wohin sie die Menschheit zurückzubringen gedenke! Rußland. Petersburg, 1. Mai. (Privatmitth.) Der Prozeß zu Kutais, der ein ewiger Schandfleck für das neunzehnte Jahrhundert bleiben wird, hat die schon cingeschlummerte mittelalterliche Frage (die nur für Obskuranten noch eine Frage ist) wieder rege gemacht und auf die Seme gestellt; die russische Presse beschäftigt sich in der letzten Zeit ganz ernstlich mit dieser Frage!! Es ist jedoch ein erfreuliches Factum, daß nur einige der Zeitungen für die Beschuldigung sind, sonst traten fast alle dagegen auf: so sogar der „Golos", der sonst den Juden nicht sehr gewogen ist. In der Zeitung „Nowosti" befanden sich drei Artikel über diesen Gegenstand von einem Herrn Katschkoffsky, die gegen die Anklage gerichtet waren. Vorige Woche erschien in einigen russischen Zeitungen der kleine, aber treffliche Artikel von Berthold Auerbach/"den" auch dieses Bl. reproducirt^ . hat. Außer diesen und noch einigen anderen neuen Schriften I über diese Frage erschien soeben eine Broschüre von Profeffor Chwolson unter dem Titel: „Ob die Juden überhaupt oder eine Secte unter ihnen Christenblut zu religiösen oder anderen Zwecken brauchen?" Die Broschüre enthält die Geschichte dieser scheußlichen Anschuldigung während der letzten 25 Jahre und liefert noch eine ganze Reihe Beweise für den Unsinn derselben. Der Verfaffer bespricht auch die letzten bez. Literaturerzeugniffe und unter ihnen auch das Werk von Cjutostansky, das die Beschuldigung zu unterstützen suchte. Der Verfasser Herr Chwolson endigt seine Broschüre mit folgenden Worten: „Es ist hier am Orte, die Ueberzeugung auszudrücken, daß es einem Monarchen, der die große Aufgabe der Befreiung von Millionen Russen von Leibeigenschaft und Millionen Slawen von türkischem Joche erfüllte, geziemt, die drei Millionen seiner jüdischen Unterthanen vom Damokles-Schwerte, das ihnen immer droht, zu befreien" — also dasielbe, worauf Ihr bekannter „Protest" hinausläuft. In Nr. 10 Ihres geehrten Blattes theilte ich Ihnen mit, daß Herr Schigarin eine „Bibliothek des Russischen Westens" herauszugeben beabsichtigt. Jetzt liegt schon der .erste Band dieses Werkes vor. Es befinden sich darin unter Anderem eine Erzählung von dem bekannten jüdischen russischen Schriftsteller G. Bogroff (dem Verfaffer der Werke „Memoiren eines Juden", „Jüd. Manuskript" u. a.) und auch eine Erzählung des Herausgebers: „Wie die Juden ein Christenkind geraubt haben", das, wie alle Schriften des Herrn Schigarin in judenfreundlichem Sinne abgefaßt ist. W. B. —. Die in d. Bl. angekündigte Zeitschrift: „Der russische Jude" tvird noch nicht im Mai, sondern später erscheinen. —. Wie einige Zeitungen melden, worüber wir aber noch keine zuverlässige Nachricht erhalten haben, sollen die vom Gerichte freigesprochenen Juden von Kutais, als sie ruhig in ihrem Hause beim Mahle saßen, von eindringenden Bauern überfallen und erschlagen worden sein. Da andere Zeitungen das Gegentheil berichteten, nämlich, daß die dortigen Christen und Juden ein „Verbrüderungsfest" gefeiert hätten, so ist die Richtigstellung noch abzuwarten. Jedenfalls ist besonders die russische Preffe für die Herrschaft solchen Wahns und derartiger fanatischer Wuth verantwortlich zu machen! Amerika. St. LvuiS, (Missouri) 1. April. (Privatmitth.) Es wird selbst für den jüdischen Leser der alten Welt immerhin interessant sein, einen näheren Einblick in die Verhältniffe einer amerikanischen Gemeinde zu thun, besonders wenn diese'zu den blühenden gehört. Die hiesige 8!mare-Bmet1»-Gemeinde hielt am 23. März ihre 10. Jahresversammlung, um die Berichte 20*

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