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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-13 · Heft 20 (13.5.1879) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 20 (13.5.1879)
Date
1879-05-13
Page
Seite 316 (sequence 12)
Language
German
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316 des Präsidenten und der Vorsteher entgegenzunehmen. Der Rabbiner der Gemeinde ist Br. Sonneschein, welcher eine große Achtung genießt. * Die Zahl der Mitglieder betrug 210, von denen im Laufe des Jahres 7 wegen Nichtzahlung des Beitrages von der Rolle gestrichen wurden, 6 austraten und 2 verstarben; hingegen traten 50 neue Mitglieder bei, so daß gegenwärtig die Zahl 245 beträgt. Man sieht hieraus, welche Bewegung auch in den bestconstituirten Gemeinden in Amerika stattfindet. Die Gemeinde hat noch ungefähr 17,000 Dollars Schulden; der Präsident verheißt, diese in 2 Jahren zu tilgen, so daß dann die Beiträge herabgesetzt werden können. Jetzt sind schon die Gemeindetaxen auf Beerdigung «nd Begräbnißplatz aufgehoben. Die Bilanz des verfloffenen Jahres zeigt einen Ueberschuß von ca. 1200 Dollars. Der Gottesdienst am Freitagabend hat sich durch Vorträge des Br. Sonneschein bei demselben sehr gehoben. Auch der Besuch des Frühgottesdienstes am Sabbath ist stärker geworden, laßt aber noch immer zu wünschen. Man hat einige Verbesserungen vorgenommen, z. B. vor dem Ausheben der Thora ein Gebet in der^ Landessprache eingeschoben, um diesen Act zu heben. Der Präsident wünscht, daß die Gemeinde mehr thätigen Antheil erhalte, und daß die Chorgesänge zum Theil dazu geeignet gemacht werden. Die Religionsschule ist in blühendem ZrHvride mb wird von 155 Kindern in 4 Classen besucht; die Eonsirmationsclasse zählt 18 Zöglinge. Das neue Statut, welches sich die Gemeinde gegeben hat, wurde vom Staate genehmigt und wird als eines der zweckmäßigsten gerühmt. Der Präsident betont noch, daß die Gemeinde der zweiten Baplistengememde, während diese ihre Kirche restauriren ließ, gestattet habe, Gottesdienst in der Synagoge zu halten, und daß dieser Beweis der Toleranz einen außerordentlichen Eindruck auf alle Classen der Bevölkerung gemacht. Wir hoffen, daß die Gemeinde bei so großem Eifer und unter so tüchtiger Leitung einer dauernden Blüthe entg egengeht. Bonn, 4. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns von der Rhön, Ende April: Ihr geschätztes Blatt bringt von Zeit zu Zeit Mahnrufe gegen das Umsichgreifen des Mischen Proletariats durch Beschränkung des Wanderbettels, der so viel sittliche Gebrechen zu Tage fördert. Gerade die Jetztzeit, die zum Nachtheile der jüdischen Ortsarmen von arbeitsscheuen Landstreichern auch bei uns so häufig ausgebeutet wird, fordert Jeden, der es ehrlich mit der Förderung und Erhaltung des Wohlthätigkeitssinnes meint, auf, aus dem Kreise seiner Erfahrung Beispiele von Mißbrauch dieser Mischen Nationaltugend der Oeffeutlichkcit zu übergeben. Gestatten Sie mir nun heute. Ihnen das Bild eines solchen Landstreichers, der einige Tage unsre Gegend heimsuchte, zu zeichnen. Vor einigen Monaten kam in Gersfeld, Provinz Hessen, unter anderen Schnorrern ein zerlumpter verwahrloster junger Mann an, der dort, da er nicht ohne Wissen zu sein schien, auch Anklang fand; er trat als Cigarrenarbeiter in ein Geschäft ein und wurde von der israelitischen Gemeinde mit neuen Kleidern versehen, weil man hoffte, aus ihm ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu bilden; allein er entpuppte sich nach einigen Wochen als ein undankbarer und händelsüchtiger Landstreicher, was auch aus der Schilderung seiner Vergangenheit hervorging. Er verließ Gersfeld, um sein Bettlerleben wieder aufzunehmen; mit raffinirter Gewandtheit wußte er sich in anderen Orten unsres Bezirks Eingang zu verschaffen, bald trat er als Böhme, bald als Deutscher auf; er spielte den Gelehrten, den Handwerker, den Pädagogen, den unglücklichen Ehemann, den vom Schicksal verfolgten Waisenknaben, erheuchelte Thränen standen ihm stets geschickt zu Gebote und die Ernte, welche er machte, war keine schlechte. Wir glauben nun den Schwindler genugsam gezeichnet zu haben, um diejenigen Gemeinden, in deren Gehege er kommt, vor Täuschung zu wahren. — Man schreibt uns aus Pleß (Schlesien) vom 28. April: Am 2. April feierte der hiesige Rabbiner Herr Simon Alexander sein 2ojährigrs Amtsjubiläum. Das Magistratscollegium, der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Gemeinde brachten dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. Die Gemeinde widmete ihm einen großen silbernen Pocal und seine ehemaligen Schüler ein reichgezierles Album. Von nah und fern liefen Glückwünsche ein und ein solennes Festmahl beschloß die Feier. — Wir theitten jüngst mit, daß Rabbiner Br. David Einhorn in Philadelphia in den Ruhestand getreten, und fügen heute hinzu, daß seine Gemeinde ihm eine lebenslängliche Pension von 3500 Dollars zugesichert hat. — Im Wahlkreise Viterbo (Italien) ist abermals ein Israelit, Herr Arbib, Redacteur, in die Deputirtenkammer gewählt worden. — Die israelitische Gemeinde in Offen bürg (Baden) hat ihren langjährigen Vorsteher, Herrn Marx Stein, durch den Tod verloren. Er war nach der Emancipation einer der Begründer der hiesigen Gemeinde, der mit unermüdlichem Eifer für Synagoge, Religionsschule und humanitäre Vereine sorgte. Dem Leichenzuge schloffen sich die Spitzen der Verwaltungsbehörden an und Bezirksrabbiner Br. Rawitz sprach die allgemeine Theilnahme in ergreifenden Worten aus. — Dem Lehrer Siegmund Rieser, den zu Constanz nach langer Amtsführung am 18. April der Tod abrief, ist man seines Wissens, Charakters und Wirkens willen.ein Wort des Andenkens an dieser Stelle schuldig. Seme Religionsschule galt im ganzen Kreise als die beste. Er erwarb sich bei allen Ständen und Confessionen uugetheilte Achtung, so daß an seinem Begräbnisse sich der Stadtrath, die Geistlichkeit, der Schulrath, die Lehrer und verschiedene Vereine beteiligten. Die Presse beider Parteien allhier widmete ihm einen warmen Nachruf. Für die hinterlassenen drei Kinder veranstaltete die Gemeinde eine Collecte, die bereits 3300 Mark ergeben hat.

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