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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-13 · Heft 20 (13.5.1879) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 20 (13.5.1879)
Date
1879-05-13
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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309 nämlich: der Monotheismus sei nur ein Product philosophischen Denkens, daher gar nicht Eigenthum eines Volkes in so alter Zeit, und könne daher höchstens in der Zeit vor dem Entstehen des Christenthums vorhanden gewesen sein. Es war für Franck keine schwierige Aufgabe, dieser Hypothese die unzähligen Texte der heiligen Schrift entgegenzustellen, welche den reinen und vollen Monotheismus erweisen. Für Havet erflossen aus seiner Prämisse nothwendig zwei Ansichten, erstens daß die alten Israeliten nur Vielgötterei gehabt und daß die biblischen Bücher (a. T.) sehr jungen Ursprungs seien. Zur Unterstützung der ersten Ansicht dient auch ihm das jetzt so häusig angewandte Manöver, alle die einzelnen Fälle von Abgötterei, welche die Schrift von den Israeliten erzählt, dahin zu deuten, daß die eigentliche Religion der Israeliten der Polytheismus gewesen sei. Daß die Bibel alle diese Fälle als Abfälle, als zeitweise Abtrünnigkeit bezeichnet und den Israeliten zum bittersten Vorwurf macht und sie deshalb mit Strafgerichten bedroht, wird nicht beachtet; ebenso wenig, daß der Ewige immer als der „Gott Abrahams, Jsaac's und Jakob's", als „Gott Jsrael's", und die Abgötter als „andere, fremde Götter" bezeichnet werden. So wird z. V. von Havet und Franck als Beweis, daß selbst die Patriarchen der Vielgötterei nicht fremd gewesen, angeführt, zuerst daß „Rebekka die Idole ihres Vaters mit sich genommen". Die Verwechslung von Rebekka und Rahel wollen wir nicht betonen; aber daß Franck nicht anführt, wie gleich darauf (! Mos. 35, 2) „Jakob zu seinem Hause und zu Allen, die mit ihm waren, sprach: „Schaffet hinweg die fremden Götter ("DJ ViSn), die in eurer Mitte sind u. s. w.", und er „alle fremden Götter, die in ihrer Hand" nahm, und sie unter einer Eiche vergrub, und dem einzigen Gotte einen Altar erbaute, das muß auffallen. Denn es ist doch hierdurch überklar, daß zwar die Töchter Laban's die Götzen ihres Vaters verehrten, Jakob aber diese aus seinem Hause hinwegschaffte. Alsdann wird als ein solcher Zug das Opfer Abraham's angeführt, während dies doch gerade den heidnischen Gebrauch, die Kinder dem Moloch zu opfern, abgestellt wissen will, ein Brauch, der alsdann im Gesetze aufs Stärkste verpönt wird. Rennt doch auch Abraham schon Gott „den Richter der ganzen Erde". Man kann den Grund, warum jetzt so viele christliche Gelehrten dieses Manöver ausführen, um den Israeliten den Monotheismus abzusprechen, leicht erkennen. Da das Christenthum den Monotheismus und die Beseitigung alles Bilderdienstes nicht festhielt, und einem großen Theile des christlichen Volkes nicht nachgesagt werden kann, daß es eine wirklich monotheistische Anschauung habe, soll das alte Israel sie auch nicht gehabt haben. Vielmehr soll der Monotheismus nur ein Eigenthum der philosophischen Denker sein! Wo bleibt dann aber der ganze Islam, deffen Grundstock zweifellos der Monotheismus ist? Wann sollen die Menschen zur Anbetung eines einzigen Gottes gelangen, wenn sie hierzu erst in dem Alter kommen können, in welchem sie philosophisch zu denken vermögen? — Die zweite Bedingung für Havet in Folge seiner Voraussetzung war, die Abfaffungszeit der biblischen Schriften so spat wie irgend möglich anzusetzen. Er leistet hierin ganz Besonderes. Der Pentateuch ist ihm von Esra verfaßt, die Propheten in der macedonischen Zeit und unter den Hasmonäern, die Psalmen und das Buch Daniel unter den Hero« dianern. Wir wollen uns nicht die Mühe geben, ihn zu bestreiten. Wo bleibt denn da die Uebersetzung der Septuaginta? Wie konnten Philo und Josephus, der herodianischen Zeit so nahe, sich solche Fälschung aufbürden lasten? Wie stimmt Sprache und Form in den Pirke-Aboth zur Gleichzeitigkeit mit der Abfastung der in den Kanon aufgenommenen Bücher? Woher kennt man denn Esra? Doch nur aus dem Buche, das seinen Namen trägt. Aber darin widerspricht jedes Wort den Ansichten Havet's und seiner Meinungsgenosten. Dann ist ihnen aber Esra eine viel mythischere Person äls eS ihnen Moses ist. Haben diese Herren gar keine Kenntniß von den ägyptologischen und astyriologischen Forschungen und deren Resultaten? — Wir haben einmal gesagt, daß diese hyperkritischen Bestrebungen der Linguistik keinen Nutzen bringen. Wir können sogar behaupten, daß sie ihr sehr viel Schaden verursacht haben, denn sie haben die Entwicklungsgeschichte der hebräischen Sprache nicht allein nicht beachtet, sondem in völlige Verwirrung gebracht, ihr jeden festen Boden entzogen. Das konnte nun Herrn Havet nicht kümmern, denn er gesteht selbst ein, daß er keinen Buchstaben hebräisch versteht, also ganz auf die Vulgata angewiesen war. Darum konnte er auch Esra tSIDii statt „Schriftkundigen" für Gesetzgeber halten. Mit welcher Leichtfertigkeit Havet und in diesem Falle auch Franck zu Werke geht, dafür nur ein Beispiel. Sie legen dem Deuteronomium (das 5. B. Mos.) einen dogmatisch und moralisch höheren Werth, nämlich einen reineren und erhabeneren Inhalt, als den vier ersten Büchern bei. Als einen Beweis hierfür führen sie an, daß dasjus talionis („Auge um Auge, Zahn um Zahn ff.") in diesen tviederholt aufgestellt werde — und übersehen dabei, daß dasselbe ausdrücklich und wörtlich auch irn 5. Buche Mosis 19, 21 vorkommt und besonders ringe« I schärft wird! Daß sich noch Vieles gegen diese Unterscheidung sagen läßt, wollen wir hier nicht weiter ausführen, und nur I bemerken, daß schon die einzige Verkündigung 2 Mos. 34, 6:1 „der Ewige, der Ewige, Gott, barmherzig und gnädig ff." alle | diese Expectorationen über den Haufen wirft; wohingegen die l Kap. 27 und 28 das 5. Buch ganz auf dieselbe Stufe, wie I die vorhergehenden Bücher stellen. Wir glauben gern, daß die I gehobene homiletische Sprache des Deuteronomiums dem fran-I zösischen Geiste mehr zusagt, als die schlichte, einfache Rede«» weise in den früheren Büchern — aber auf die Beurtheilungl des Inhalts darf dies keinen Einsiuß üben. Was nun dasi

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