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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-05-13 · Heft 20 (13.5.1879) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 20 (13.5.1879)
Date
1879-05-13
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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308 es das Verdienst der Juden, Gott öder das Ideal des Guten dem menschlichen Geiste in der erhabensten und würdigsten Form offenbatt zu haben. Der aber ist der wahrhaft Gebildete, welcher das Wahre, Schone und Gute, jedes in seiner höchsten Erscheinungsform, erfaßt und die drei Bildungsfactoren der Kunst, Wissenschaft und Religion in sich harmonisch zu verbinden verstanden hat. Darum halte ich es für die Hauptaufgabe der Synode, dem Judenthume nicht einen äußeren modemen Anstrich zu geben, sondern dahin zu wirken, daß sich allen seinen Bekennern sein innerer Gehalt, das Ewige in ihm, das von keiner Zeitrichtung oder Zeitsitte abhängt, erschließe. Wenn erst der Jude wieder seine Religion kennt, achtet und liebt, dann wird sich alles Uebrige von selbst machen. Was die Gemeindeverwaltung betrifft, so kann es den Gemeinden nur zum Vortheile gereichen, wenn dafür gesorgt wird, daß sie unter einander in eine engere Beziehung treten und sich zu einem einheitlichen und gemeinsamen Wirken vereinigen. Ich halte daher die Vorschläge, ein Gemeindeblatt zu gründen und Gemeindctage einzuführen, für sehr zweckmäßig und ich werde sie mit Freuden unterstützen. Dies sind ungefähr die Grundsätze und Ansichten, die mir als Richtschnur bei den Verhandlungen der Synode dienen sollen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Sie, hochverehrte Herren, im Allgemeinen damit einverstanden sein werden. Analelüen. IN. Havet et le Judaisme. Das „Journal des Debats“ vom 18. und 19. April enthält auf elf seiner Niesenspalten zwei Artikel von Professor A. Franck über eine vor Kurzem erschienene Schrift von Erncst Havet über das Judenthum. Dieser Autor hat nämlich drei Bände 1871 und 1878 „Le Christianisme et ses origincs“ veröffentlicht, von denen der dritte dem Judenthume gewidmet ist, d. h. den Schriften des Alten Testaments. Havet will nämlich Nachweisen, welche Ideen und Lehren das Christenthum dem Judenthume entnommen habe, und geht, nach der Ansicht Franck's hierbei mit großer Unparteilichkeit und Klarheit zu Wege. Franck kritisirt nun in den beiden Artikeln das Werk des französischen Autors und wir gestehen, daß diese Kritik in uns keine Lust erweckt, das Werk kommen zu lasten und zu studiren. Wir halten uns daher nur an die Artikel des Kritikers. Zuvor fallt es dem deutschen Leser auf, in einer Tageszeitung und zwar im bedeutendsten Pariser politischen Blatte einen so großen Raum der Besprechung eines bibel-kritischen Werkes gewähtt zu sehen. In Deutschland würde dies schwerlich der Fall sein. Man kann hieraus schließen, daß gegenwärtig in Frankreich das Interesse für diesen Gegenstand viel lebhafter als bei uns ist. Genauer betrachtet jedoch ergiebt sich die Folgerung, daß solche bibelkritischen. Betrachtungen bei unsren Nachbarn jenseits der Vogesen noch jüngeren Datums sind und darum für das Lesepublicum noch den Reiz der Neuheit haben. Hierzu kommt, daß die Bibel in Frankreich viel weniger bekannt ist, als bei uns, denn die katholische Kirche liebt bekanntlich nicht die Lectüre der heiligen Schrift durch die Laien, und der Schulunterricht geht nicht auf Bibelkenntniß aus wie in den protestantischen Ländern. Daher sehen wir denn auch in den vorliegenden Artikeln eine Menge Dinge gesagt, die dem großen Publicum in Deutschland vorzuführen sehr überflüssig wäre. Noch eine andere Bemerkung drängt sich uns auf. Zunächst unterscheidet Franck zwischen der philologischen und kritischen Behandlung der Bibel und der philosophischen und ästhetischen, und schreibt jene vorzugsweise Deutschland, diese Frankreich und dem französischen Geiste zu. Man möchte meinen, daß dies nur Jemand behaupten könne, welcher die deutsche Literatur gar nicht kennt, die eine so große Maste von Schriften über die biblische Dogmatik und Moral producirt hat und fortwährend producirt, und die schon vor fast einem Jahrhundert die ästhetische Würdigung der biblischen Schriften durch Herder's „Geist der hebräischen Poesie" meisterhaft begründet hat. Aber mehr noch. Franck stellt am Schluste als einen Vorzug der Schrift Havet's auf: „Man ist auch entzückt, in einem Buche dieser Art nicht jeden Augenblick als unumstößliche Autoritäten die unbekanntesten (les plus obscurs) Gelehrten Deutschlands angerufen zu sehen, nicht bei jedem Schritt auf ihre trockene und hochmüthige (meprisante) Gelehrsamkeit zu stoßen." — Man sieht, die kurze Periode vor 1870, in welcher die Franzosen eine hohe Achtung vor der deutschen Wistenschaft, meist freilich ohne sie zu kennen, aussprachen, ist längst wieder vorüber und schnell in das Gegentheil umgeschkagen. Dies Verfahren, auf die deutsche Literatur zu schmähen, ist um so bequemer, als man sich dabei berechtigt fühlt, sie gar nicht kennen zu lernen Da Herr Franck wenig Deutsch versteht , können wir dies auch auf ihn zu beziehen nicht zurückweisen. Dies kann uns nicht verhindern, das Verdienst Franck's willig anzuerkennen, den excessiven Ansichten Havet's vor dem großen französischen Lesepublicum entgegengetreten zu sein. Wer da weiß, wie geneigt gegenwärtig die sogenannte gebildete Welt ist, übertriebenen Meinungen, wenn auch noch so oberflächlich begründet, aber in glänzender Sprache dargestellt, zu huldigen, und wie ungünstig sie die Einwürfe und Zurechtweisungen des besonnenen Denkers aufnimmt, wird Franck dafür Dank wisten. Wir stiinmen in vielen Punkten durchaus nicht mit ihm überein, und könnten viele seiner Behauptungen bestreiten, aber er führt doch die Sache des Judenthums in ernster und eifriger Weise, und dafür wisten wir ihm Dank. Havet geht von einer eigenen Schrulle aus; er behauptet

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