Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1879)
- Date
- 1879-05-06
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1- 297 gleichenden Grammatik am OoNexs äs France, unser ausgezeichneter Glaubensgenosse, durch Dekret vom 15. April zum General-Jnspector des öffentlichen Unterrichts (höherer Unterricht) ernannt worden. j Rumänien. Bottuschan, 17. April. (Privatmitth.) Obwohl in der That eine ausführliche Discussion der Judenfrage in Rumänien augenblicklich nicht mehr am Platze ist, so dürfen wir doch böswilligen Absichten, von welcher Seite sie sich auch bekunden, bloßes Stillschweigen nicht entgegenstellen. Ist es doch offenbar, daß man die vom Berliner Vertrage geforderte Gleichstellung der Juden mit Beschränkungen umgeben will, welche den Schein wahren, aber die Anerkennung des Princips geradezu zu einer Täuschung machen würden. Hierzu vorzubereiten, war der Zweck der letzten Rede Bratiano's und es hat uns deshalb außerordentlich geschmerzt, die „Neue Freie Presse" in der letzten Zeit und namentlich bei Gelegenheit dieser Rede, ganz auf Seilen des rumänischen Premierministers zu sehen. Gestatten Sie mir daher, nur einige Bemerkungen darüber zu machen. Bratiano erlaubt sich einen Widerspruch, den ihm freilich ein Unbefangener auf's Leichteste Nachweisen kann. Er behauptet, die rumänischen Juden seien ohne alle Intelligenz und Bildung, und in demselben Augenblicke behauptet er, daß, wenn diesen Juden die staatsbürgerlichen Rechte gewährt würden, der Nomanismus erdrückt und hiermit dem nationalen Geiste der größte Schaden zugefügt werden würde! Zu diesem Behufe verdoppelt er auch die Anzahl der Juden in Rumänien, den osficiellen statistischen Angaben entgegen (500,000 statt 250,000!) Wie wäre es aber möglich, daß eine, der Intelligenz und Bildung ermangelnde Minorität in einer zwanzigfachen Majorität den nationalen Geist erdrücke, den Romanismus beseitige?! Einen solchen Widerspruch erkennt doch ein Kind. Ist aber die jüdische Masse so geistvoll und thatkräftig, wie Bratiano sie hiermit wider seine eigene Absicht anerkennt, wäre es da nicht das höchste Interesse des Staates und Volkes, sich'die Kräfte Jener dienstbar und zu eigen zu machen, statt sie auszuschließen und gegen sich zu stimmen? So verwickelt sich das Vorurtheil in seine eigenen Jrrgänge, und es muß nur verwundern, daß man in Wien solche Dinge mit guter Miene passiren läßt. Gewiß, die rumänischen Staatsmänner und Parteiführer haben sich die Schwierigkeit ihrer Lage selbst bereitet. Sie haben den Fanatismus im rumänischen Volke geweckt, um sich dasselbe, indem sie dem Judenhasse fröhnen, günstig zu machen, und jetzt nun bedroht sie der böse Geist, den sie hervorgerufen, wenn sie der Stimme des Rechts gehorchen. Die rumänischen Juden aber haben Alles gethan, um ihren Gegnern die Waffen aus der Hand zu ringen. Sie haben Blut und Gut geopfert in patriotischer Hingebung für den Unabhängigkeitskampf der Nation und sind wiederum vor keiner Drohung zurückgewichen, um ihre Gleichstellung zu erringen. Möge , ihnen dieser Preis nicht verkümmert werden! A. Wahrmann. Bukarest, 19. April. Unter diesem Datum schreibt man der Wiener „Polit.-Corresp." In hiesigen eingeweihten Kreisen ist man von der Sprache höchst unangenehm berührt, die Frankreich eben jetzt wieder in der Jud enfrage mit dem rumänischen Gouvernement, wenn auch bisher blos in offiziöser Weise, führt. Mr. Waddington soll, wie versichert wird, so weit gegangen sein, das Kabinet Bratiano geradezu aufzufordern, dasselbe möge sein Programm über die Lösung der gedachten Frage considentiell mittheilen, damit die Mächte in die Lage kommen, zu beurtheilen, was die hiesige Negierung den rumänischen Israeliten eigentlich zu geben gedenke. Diese Einladung. Waddington's soll in den hiesigen maßgebenden Kreisen mit Erstaunen ausgenommen und diesem mit dem Beifügen Ausdruck gegeben worden sein, daß eine konstitutionelle Regierung in Fragen, deren Lösung der Nation allein durch ihre gesetzlichen Vertreter zukomme, ein Programm nicht aufstellen könne, weil ja nach den constirutionellen Principien die Exekutive zu einem solchen Werke gar nicht berechtigt sei. Wie es scheint, soll diese Erwiderung in Paris ganz und gar nicht befriedigt und man dort abermals darauf hingcdeutet haben, was Waddington den Herren C. A. Rosetti und Demeter Bratiano, als dieselben unlängst gelegentlich ihrer bekannten politischen Mission in Europa auch Paris berührten, sehr klar, sehr deutlich und sehr unumwunden gesagt hat, daß es nämlich keinem Menschen in Europa in den Sinn komme, von den Rumänen zu verlangen, allen in Rumänien besindlichen Israeliten on bloc, die vollste politische Gleichberechtigung zu gewähren; man kenne in Europa zu genau die Verhältnisse Rumäniens und die in diesem Lande lebenden Elemente, um eine solche Forderung zu stellen, allein es müsse doch Etwas geschehen, um den im Berliner' Tractate zum Ausdruck gebrachten Principien der Humanität und der Gerechtigkeit in ernster Weise gerecht zu werden. Dem schon vor dem Berliner Kongresse aufgetauchten und seither wieder-, holt ventilirten Projekte, den Israeliten in Rumänien die individuelle Gleichstellung im Wege der Legislative zu geben, soll Waddington durchaus nicht beigestimmt, sondern offen bemerkt haben, daß bei einem solchen Verfahren Jahrhunderte dahingehen würden, bevor auch nur eine relativ geringe Anzahl rumänischer Staatsangehöriger jüdischer Konfession jene Rechte erlangen könnte, welche den in Rumänien seit Generationen geborenen, keinem anderen Staatsverbande angehörenden Juden gebühren. Bis zur Stunde beharrt man in Paris auf den verlangten Eröffnungen über das Programm des Bukarester Gouvernements in dieser Frage und man hat dort sogar mit der Versicherung nicht zurückgehalten, daß es dem rumänischen 19