Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1879)
- Date
- 1879-05-06
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Vr. JoLl auf dem Friedhöfe hielt, nach welchem noch Herr Rabbiner vr. Brann in Breslau im Namen der ehemaligen Schüler des Entschlafenen den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer würdigen Ausdruck verlieh. Als hervorstechendster Zug von Lazarus' wahrhaft edlem Charakter sei noch die geradezu erstaunliche Bescheidenheit erwähnt, welche allein es auch war, die den durch glänzende Geistesgaben und hervorragende Gelehrsamkeit ausgezeichneten Mann von jeder schriftstellerischen Thätigkeit zurückhielt (1877 erschien als Seminar-Programm von ihm eine Abhandlung: zur Charakteristik der talmud. Ethik) und ihn auch bestimmte, letztwillig zu verordnen, daß sein schriftlicher Nachlaß (darunter ein vollständig zum Druck vorbereitetes talmudisch-methodologisches Werk) nicht veröffentlicht werde. . B. Köln, 25. April. (Privatmitth.). Die hiesige Shnagogen- Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Gestern verschied im 61. Lebensjahre Herr S. M. Frank, welcher mehr als zwanzig Jahre Vorsitzender des Gemeinde-Vorstandes gewesen und diesem Amte die. aufopferndste Hingebung widmete. Unter seiner Leitung blühete diese, in stetem Wachsthum begriffene Gemeinde in allen ihren Instituten und Einrichtungen auf. Fast allen wohlthätigen Anstalten und Vereinen gehörte er als Vorstandsmitglied und eifriger Förderer an, wie er auch Mitglied der Handelskammer war. Durch seine Billigkeit und Friedensliebe erhielt er die Eintracht in der Gemeinde in recht schwieriger Zeit. Seine Wohlthätigkeit war eine außergewöhnliche. Und so hat er sich ein dauerndes Andenken in unseren Herzen geschaffen! Braun schweig, 25. April. (Privatmitth.) Dem Landesrabbiner vr. Herzfeld hieselbst ist „in ehrender Anerkennung seiner langjährigen und verdienstvollen schriftstellerischen Thätigkeit auf dem Gebiete der Theologie und Geschichte" von Sr. Hoheit dem Herzoge zu Braunschweig an dessen Geburtstag der Titel „Professor" verliehen worden. . Aus Württemberg, 25. April. (Privatmitth.) In der Lindenhalle in Stuttgart wurden auf Veranstaltung der deutschkonservativen Partei dort im letzten Winter Vorträge über religiöse Themata gehalten, die sehr besucht waren und der allgemeinen Beachtung wohl Werth sind. Besonders dürften die Leser dieser Zeitung die Vorträge: Giebt es eine Sittlichkeit ohne Religion? von Diakonus Knapp in Tuttlingen; „Ist die Bibel Gottes Wort?" von Professor Kübel; „Ist das Beten vernünftig?" von Vr. Burk in Stuttgart, „Gibt es einen lebendigen Gott?" von Diakonus Reiff in Stuttgart interessiren. Die Vorträge, von denen besonders der des vr. Burk: „Ist das Beten vernünftig?" großem Beifall fand, wurden alle dem Druck übergeben und dürften auch für jüdische Lehrer anziehend sein. — Das Schwurgericht von Rottweil verurtheilte in einer seiner letzten Sitzungen zwei „Reisende", einen Schlosser Neumann aus Hannover und Kunstreiter Hagen aus Berlin, weil sie, um von dem jüdischen Lehrer in Rottweil aus der Kaffe für arme Israeliten eine Unterstützung zu erhalten, in ihrem Passe in der Rubrik Religion das „evangelisch" durchstrichen und dafür „Mosaisch: Dieses beglaubigt Rabbiner vr. Krüger in Berlin" einsetzten, wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde zu 3, resp. 2 Monaten Gefängniß. Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 25. April. Der hiesige Verein „Schomer- Jsrael" hat an das Kaiserpaar zur Feier der silbernen Hochzeit desselben durch eine Deputation eine künstlerisch schön ausgeführte Adresse überreichen lassen, aus welcher wir folgende Stelle hervorheben: „Auch wir in Ehrfurcht gefertigte Vertreter des politischen Vereins „Schomer Israels", dessen statutenmäßige Aufgabe es ist, jüdische Interessen zu wahren, auch wir Juden Galiziens sehen uns als treue Söhne unseres Landes durch die legale Repräsentanz unseres Königreiches beim heutigen Feste vertreten. Doch die Gefühle der besonderen Dankbarkeit bestimmen uns zur besonderen Huldigung. Die Geschichte unseres Stammes ist bis in unsere Tage eine Kette unsäglichen Unglücks, das Maß der Unbill und der Drangsale des jüdischen Volkes ein beispielloses. Erst' Eurer Majestät großer Ahnherr, der unvergeßliche Kaiser Joseph, machte in unserem Reiche den ersten Schritt zur Verbesserung der Lage unseres unglücklichen, aus tausend Wunden blutenden Volkes, und Eurer Majestät glorreiche Regierung krönte das Werk, schrieb mit eherner, weithin strahlender Schrift di» unschätzbaren Worte in die Gesetzestafeln unseres Staates: „In Oesterreichs Landen ist Jedermann volle Glaubens¬ und Gewissensfreiheit gewährleistet, der Genuß jeglicher Rechte ist von dem Religions-Bekenntnisse unabhängig", und machte uns zu gleichberechtigten Bürgern dieses großen und mächtigen Staatswesens."*) I) Wir entnehmen oben angeführte Stelle der Adrcffe dem Organ des Vereins, dem „Lemberger Israelit". Wir bemerkten schon einmal, daß dieses Blatt öfter Mittheilungen unserer Zeitung abdruckt, ohne die Quelle anzugeben. Mit Verwunderung sehen wir aber in Nr. 8 unsren Artikel: „Gegen W. Marr" (Nr. 12) vollständig wiedergegcben. ohne Angabe der Quelle. Wir sind gewohnt, unsere Zeitungsnachrichten wöchentlich von den jüdischen Blättern geplündert zu sehen, und zwar ohne Erwähnung der Ä. Z. d. I. Unsre Leitartikel ebenfalls als herrenloses Gut zu betrachten, scheint uns jedoch kein ehrliches Verfahren! Die Redaction. Frankreich. Paris, 24. April. Wie die Arch. isr. mittheilen — und wir lasen dasselbe auch schon in der „K. Z." — ist Herr Michel Breal, Mitglied des Instituts, Professor der der-