Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1879)
- Date
- 1879-04-29
- Page
- Seite 283 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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283 I e lt i f f c f o n. Äntiptssimistischr.Vciikspriichr von L. PH. (Fortsetzung.) Darf, wer die Flügel hängen läßt. Daß er nicht fliege, klagen? Und wer durch schwarze Brillen schaut. Daß Alles dunkel, zagen? Wer nicht das Thor zu öffnen weiß. Der bleibet vor dem Gitter; Und wer zu würzen nicht versteht. Dem schmeckt die Speise bitter. Schwer drückte mich der Alp, da fühlte ich Mich glücklich, froh, als ich erwacht'; Schwer lag Geschick auf mir, da lächelte Das Glück mir hold im Traum der Nacht. Wie glücklich war der Knabe, Wenn Schwarzbrod ihm die Mutter Zum Nachtmahl bot und eine Hand voll Kirschen — Welch' Götterschmaus! Und da ich als Student in hochgcleg'ner Kammer — Oft strich der eis'ge Wind durch lose Ziegeln — Bei Unschlittkerze an den Büchern saß. Wie schwoll das Herz, wie schwang der Geist sich auf. Und fühlte sich den höchsten Geistern nah — — Es kam der Ueberfluß, von allen Seiten Stellt sich Comfort in Saal und Zinnner ein — Was stöhnt mein Nachbar rechts, seufzt Nachbar links. Und schmäh'n auf Gott und Welt, auf Staat und Kirche? Wie? mitten im Besitz so arm und elend? Auf weichem Teppich doch so hart gebettet? . . . Weil sie der Liebe nicht an ihrem Heerd Ein sichres Heim bereitet, weil den Zaun Der Habgier nicht, dem Ehrgeiz sie errichtet — Nicht macht das Leben, was wir sind, aus uns. Was aus dem Leben wir gemacht, entscheidet! Du klagst den Gott an, der die Leidenschaft Dir in das Herz gesenkt? Gab er nicht minder Dir Verstand zutheil. Der weise sie beschränkt? Weil Du dem Noß die Zügel schießen läßt — Fort rast es ungelenkt — Fluchst Du dem Noß, das einst gerettet Dich, Als Staub und Sumpf und Kerker Dich umdrängt? Ein ganzes Leben hatte Hiob Glück In Neichthum, Ehren und der Kinder Segen — Drei Tage litt er — und des Fluches Wort Entfließet ihm gleich eis'gem Wind und Regen — Vergessen ist der Sonnenstrahlen Fluth, Die sich so lang' auf seine Flur ergossen. Ein Winterbach ist ihm des Lebens Strom, In Sturz und Drang gekommen und verflossen! Da Deines Daseins Inhalt Du erschöpft. Scheint, alter Schlemmer, Dir das Leben fade; Weil Nichts Du thatest, des; Du freudig denkst. Gleicht Dir das Leben einem rost'gen Rade, Das auf- und niederrollt in gleichem Kreise — Den eignen Weg glaubst Du der Welt Geleise. (Fortsetzung folgt.) 3Uts der Geschichte der israelitischen Gemeinde zu iZolechow in Galizien. Die bisherigen Schriften über die Geschichte des- Judenthums und der Juden, so große Verdienste sic sich auch erwarben, entwerfen doch nicht immer ein richtiges Bild von den Verhältnissen und der Stellung der Juden bis zur neueren Zeit. Zum Theil liegt es in der übersichtlichen Darstellung, deren sich ein allgemeines Geschichtswerk befleißigen muß, daß sich die Uebelthaten, die an den Juden verübt wurden, allzusehr zusannnendrängen, so daß das Gesammtbild voller Schatten und mit geringen Lichtstrahlen erscheint, zum Theil waltete aber auch die Tendenz vor, ein dunkles Geinälde herzustelleu. Es wird noch vieler monographischer Arbeiten bedürfen, um die wirkliche Sachlage wahrheitsgemäß aufzuklären. Wir werden in den nächsten Nummern „Ein Bild aus dem Mittelalter" bringen, das zu Obigem einen Connnentar giebt. Heute entnehmen wir dem „Lemberger Israelit" eine Notiz aus der Geschichte der zahlreichen und mit guten Institutionen versehenen Gemeinde zu Bolechow in Galizien, welche die Stellung der dortigen Juden vor drittehalb Jahrhunderten in sehr erfreulichem Maße schildert, Der Berf. des betr. Artikels ist Herr Neh. Landes. Im Jahre lOTJ wurde die Stadt Bolechow von dem damaligen Besitzer Giedzinski Nikolaus gegründet, und das von ihm der Stadt verliehene Privilegium, das vom polnischen Könige Sigmund III. unterin 0. December 1(J03 bestätigt wurde, trägt die Unterschrift sämmtlicher männlichen Mitglieder" der Familie Giedzinski, von denen Georg Giedzinski, Kanzler des Domkapitels zu Lemberg war, bestimmt die Rechte der 18*