Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1879)
- Date
- 1879-04-22
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227249--37095-3256481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
266 tcn geübt wird! — In Wien hat sich ein Verein zur Unterstützung (inner kranker Israeliten, namentlich solcher, die in den allgemeinen Krankenhäusern sich den jüdischen Speisegesetzen nicht entziehen wollen, gebildet, und bereits einen zweckentsprechenden Umfang erreicht. — Ein Sohn des verew. S. D. Luzzatto, Benjamin Luzzatto, ist zum Profesior der Pathologie an der Universität Padua ernannt worden. Nicht aus den großen Gemeinden allein, wo bedeutende Mittel vorhanden sind, ist das gute Beispiel zu holen, oft wird dies in erhöhtem Maße in kleinen Gemeinden gegeben, in welchen es der Anspannung aller Kräfte bedarf, um Etwas zu Stande zu bringen. So berichtet uns Herr Lehrer Kaufmann aus dem Städtchen Einbeck, daß sich daselbst mit dem ersten Januar 1877 ein israelitischer Unterstützungsverein gebildet hat, um dem Bettelwesen ein Ende zu machen. Der Verein besteht aus 19 Mitgliedern und diese haben 1877 die Summe von 420 Mark aufgebracht, so daß sie 5)77 Zettel im Betrage von 400 Mark an Durchreisende verausgabten. 3 -S7S die Summe von 303 Mark, wovon 327 M. für 441 Zettel verausgabt wurden. Und doch lastet auf denselben Schultern der bedeutende Gemeindest at! Auch dem israelitischen Gemeindebunde ist diese Gemeinde beigetreten. — Tie hundertjährige Feier der Vollendung des „Nathan der Weise" ist nicht so allgemein ausgefallen, wie wir es wünschten. Es gehört dies zu den Eigenthümlichkeiten unserer Zeit. Deshalb sammeln wir hier die Mittheilungen um so lieber, welche über siattgefundene Feierlichkeiten berichten. Man schreibt aus Braunschweig vom 26. März: „Es sind jetzt hundert Jahre, daß „Nathan der Weise", dieses Hohe Lied Lessing's, vollendet wurde. Ta hat denn die herzogliche Hoftheater-Intendanz geglaubt, eine Festvorstellung des „Nathan" veranstalten zu sollen. Diese wird am nächsten Montag auf der herzoglichen Hofbühne in Scene gehen, und man hört, daß der Aufführung ein die bedeutenderen Werke Lessing's feiernder Prolog mit lebenden Bildern aus den großen Dramen Lessing's vorhergehen soll. Am Schlüsse des Prologs wird die Eolossalbüste des Dichters auf der Bühne sichtbar und mit einem Lorbeerkranze geschmückt werden. Unsere erste Schauspielerin, Fräulein B ehre, die neulich in Berlin große Triumphe feierte, wird das Vorwort sprechen." Bonn, 12. April. (Literarische Notizen.) Von der durch ihre Tendenz merkwürdigen Abhandlung des Di*. W. I. Schleiden: „Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" ist jetzt die „Vierte, von Neuem durchgesehene und ergänzte Auflage" (Leipzig, Baumgärtner, 1879) erschienen Die Schrift bedarf keiner weiteren Empfehlung. Sie hat sich eine dauernde Stellung erworben mitten in der Fluth von Broschüren, welche aus judenfeindlicher Quelle sich ergossen hat. Sie vermochte dies, weil sie auf dem felsenfesten Boden wissenschaftlicher Gerechtigkeit und gründlicher Forschung steht. In dieser Auflage sind mancherlei Notizen hinzugekommen und jüngst erschienene Werke berücksichtigt worden. Das, was wir bei Besprechung der ersten Auflage als eine Lücke bezeichneten, ist jedoch nicht ergänzt worden. In einem Gemälde, selbst einem übersichtlichen, der Gcistesthätigkeit der Juden während des Mittelalters darf, meinten wir, ihre umfassende und tiefgehende Arbeit auf dem Gebiete des Rechtes nicht fehlen, die einen großen Theil ihrer Anstrengungen ausmachte, weil sie eben mit der Beschäftigung mit dem Gesetze identisch war. — Das Synhedrion unter Napoleon I. und die ersten Emancipationsbestrebungen. Vortrag zum hundertjährigen Jubiläum des Lessing'schen „Nathan", gehalten im Verein zur „Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" (Apliike Jeliuda) in Prag von Di*. Samuel Back, Rabbiner zu Smichow (Prag, Pascheles 1879). Nach einer etwas weitschweisigen Einleitung wird die Geschichte der ersten Bestrebungen für die Gleichstellung der Juden skizzirt und dann in gründlicher Weise der Verlauf geschildert, welchen die von Napoleon 1. berufene Notablenvcrsammlung und das Sanhedrin nahmen. Die Darstellung versteht cs, dem Leser Interesse für den Gegenstand einzuflößen und bis zum Schlüsse zu erhalten. Was uns aufsiel, ist, daß der Verfasser, nachdem er die Beschlüsse des Sanhedrin mit Recht belobt und deren Wirkung hervorgehoben hat, mit Stillschweigen übergeht, daß die erste Rabbinerversammlung in Braunschweig (1844, diese Beschlüsse in mehreren Sitzungen nach gründlichen Debatten theils annahm, theils modificirte, und dadurch gewissermaßen die Continuität jenes merkwürdigen Ereignisses mit der Gegenwart bewirkte. Dieser gewiß nicht unwichtige Umstand durfte in einer solchen Monographie nicht fehlen. — Von dem glänzenden Werke „Aegypten in Bild und Wort", das, wie wir schon mehrfach berichtet, bei Hallberger in Stuttgart erscheint, und bereits die zweite Auslage des ersten Bandes erfordert, auch eine italienische, englische und spanische Uebersetzung erfährt, liegen jetzt die 21., 22. und 23. Lieferung, das sind die drei ersten des zweiten Bandes, vor. Sie bleiben in keiner Weise hinter den ausgezeichneten Vorzügen des ersten Bandes zurück, ja, der Gegenstand bringt es mit sich, daß das Interesse mit neuer Kraft erweckt wird. Wir erhalten in demselben zuerst eine recht klare Darstellung von „Aegyptens Neugestaltung" und von hier geht Ebers auf das interessanteste Kapitel, „Auferstehung des ägyptischen Alterthums", über, wo dann das: Museum zu Vulak unsre Aufmerksamkeit fesselt. Der weniger sachkundige Leser wird sich insonders der übersichtlichen Erzählung erfreuen, auf tvelchem Wege die Entzifferung der ägyptischen Schrift gelungen ist. Vor unsre Augen werden hier die Portraits vieler alten ägyptischen Könige und Königinnen gestellt, und es ist ein eigenes Gefühl für uns, die Bilder des Pharao der Unterdrückung, Ramses II., und des