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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-22 · Heft 17 (22.4.1879) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 17 (22.4.1879)
Date
1879-04-22
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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263 sagte u. A.: Aub habe „die Liebe zum Vaterlande, das siel grüßt worden war, erschienen zunächst seine gegenwärtigen als seine Kinder schütze und schirme, eingepflanzt in das Ge- ." . müth jedes Israeliten, in die Brust der Kinder und fort und fort ihnen zum Bewußtsein gebracht, daß sie ihren Mitbürgern, Schüler, beglückwünschten und beschenkten denselben auf mannigfache Weise. Hierauf folgten die Vertreter der Gemeinde, unter Paffengleichviel welcher Confcssion, wirkliche Mitbürger, wahre Brüder der Ansprache seitens des Vorstehers Herrn Joel Herzfeld sein möchten." Die Rede ist in die hies. öffentlichen Blätter: einen schön gearbeiteten Pokal mit 300 M. überreichend, übergegangen. Dies ist aber eine Verherrlichung des Einzel- Dann kamen seine ehemaligen, hier wohnenden Schüler und nen auf Kosten der Gesammtheit! .Die Worte klingen, als Schülerinnen und gaben durch die Ueberreichung eines prachtob die Juden erst auf den Unterricht eines Rabbiners und vollen Seffels und eines eleganten Rauchtisches ihrer Dankzwar gerade Aub's, hatten warten muffen, um Vaterlands- > barkeit Ausdruck. Geschenke einzelner hiesiger und auswärtiger liebe und Bürgertugenden „in ihre Brust einpflanzen zu laffen." Freunde nnd Schüler, Depeschen und ausführliche Zuschriften Dies ist ebenso unrichtig wie taktlos. Unrichtig, denn die Juden trafen ununterbrochen ein. Es war für Lehrer und Gemeinde haben ihre patriotische Gesinnung erwiesen und bethätigt, lange j ein schönes Fest, welches spät am Abend einen würdigen Abschon vor der gegenwärtigen Generation. Taktlos, denn gerade schluß in einem Ständchen des hiesigen Gesangvereins „Harin der gegenwärtigen Zeit wird man daraus das Vorurtheil nähren, als ob die Juden brüderliche Gesinnung gegen Andersgläubige erst aus dem Unterrichte eines Rabbiners jüngster Zeit zu ziehen gehabt hätten, wobei es natürlich fraglich bliebe, ob der Unterricht auch wirklich Wurzel gefaßt habe. Glücklicher Weise haben die Juden in ihrer Maste nicht auf das Erscheinen einzelner Lehrer und Bücher zu warten gebraucht, um sich dem Cultur- und nationalen Leben anzuschließen! Verdienten Männern die Anerkennung, aber dem Gemeinwesen auch das Seine! — Da ich einmal im Zuge bin, so will ich die Bemerkung hinzufügen, daß es hier ein und das andere Blatt giebt, zu besten Redaktion einer unsrer Glaubensgenossen gehört, der sich bisweilen recht unangemessene Bemerkungen erlaubt. So jüngst, daß am Montag Abend die Logen des ersten Ranges in den Theatern leer gewesen; weil — die „Israeliten das Fest ihrer Väter gefeiert" und „in Berlin würde mehr Mazze gegessen als Peterspfennige gesammelt." Es sind dies geradezu Herausforderungen, welche die judenfeindlichen Blätter aufgenonnncn und dabei ihre Antworten gehörig in Gift eintauchten. Solche unliebsame Witze sollten vermieden werden, noch dazu, da es gar nicht ausgemacht ist, ob ihr Urheber sie nicht ebenso gegen die Juden selbst wie gegen Andersgläubige gerichtet haben will. Es giebt Juden genug, denen jede Anhänglichkeit am positiven Judenthum zuwider ist. 8tciuljcim, 7. April. (Privatmitth.) Im Interesse der Sache erlauben wir uns. Sie uin gcfl. Ausnahme des Nachstehenden in ihrem geschätzten Blatte zu bitten. „Am 1. April er. waren 2ö Jahre verflossen, seitdem der Herr Lehrer Blumenthal in hiesiger Synagogcn-Gemeinde segensreich wirkte. Letztere, welche bisher jede sich ihr bietende Gelegenheit benutzte, dem allgemein geachteten Manne die Gefühle ihrer Liebe und Erkenntlichkeit für seine Verdienste um Schule, Synagoge und Gemeindeverwaltung kund zu thun, war auch bedacht gewesen, ihm den 1. April zu einem Festtage zu machen. Nachdem der Jubilar am Morgen mit festlichen Gesängen bemonie" fand. Hochachtungsvoll der Vorstand der Synagogcn-Gemeinde I. Herzfeld. Brannschweig, 11. April. (Privatmitth.) Am ersten Tage des Peffachfestes waren fünfzig Jahre verstrichen, seit der, trotz seines hohen Alters in gewohnter Pflichttreue noch heute sein Amt versehende Cantor der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Gvldberg, die erste Anstellung in den Braunschweigischen Landen gefunden hatte. 37 Jahre davon wirkte derselbe anhaltend als Lehrer und Vorsänger im Dienste der hiesigen Gemeinde, und gab die Theilnahme, welche den Jubilar an seinem Ehrentage von allen Seiten entgegen gebracht wurde, ein Zeugniß dafür ab, daß er es verstanden hatte, nicht allein innerhalb seines Wirkungskreises , sich die Zuneigung und Achtung Vieler zu erwerben. Schon am Vorabende des Jubelfestes brachte der Männer- Gesang-Verein — dessen Ehrenmitgliedschaft dem Herrn Goldberg schon früher verliehen war — demselben in feiner Wohnung ein Ständchen. . Nachdem am folgenden Morgen von der Kanzel herab der Gemeinde durch den Landrabbiner, Herrn vr. Herzfeld, in warmen, anerkennenden Worten von der seltenen Feier Kenntniß gegeben war, trafen im Laufe des Tages mündliche und schriftliche Glückwünsche von nah und fern ein, und ließ auch der Stadtmagistrat es sich nicht nehmen, ein offieielles herzliches Gratulationsschrciben überreichen zu laffen. — Den Glanzpunkt des Tages aber bildete die Ueberreichung der von Sr. Hoheit dem Herzoge den Jubilar verliehenem Decoration des neben dem Orden Heinrichs des Löwen gestifteten Verdienstkreuzes 1. Klaffe — unsres Wissens überhaupt das erste Mal daß diese Auszeichnung einem Juden zu Theil geworden ist. Möge auch der fernere Lebensabend des würdigen Mannes ein heiterer und zufriedener bleiben, wie wir, und gewiß alle seine Freunde mit uns, es ihm von Herzen wünschen!

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