Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1879)
- Date
- 1879-04-22
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Judenthums über das German ent hum", Bern, bei Costenoble, daß der weitaus größte Theil der deutschen sogenannten Liberalen Presse direct oder indirect in Judenhänden sei, als eine Unwahrheit. Ich habe auf diHes hin an Herrn Dr. Philippson die private Bitte gerichtet, mir ein einziges, wohlverstanden, auch nur ein einziges „freisinniges" Blatt in Deutschland namhaft zu machen, welches einer ruhigen und sachlichen Discussion der Judenfrage Raum geben würde: Eine gleiche private Anfrage ist dem gmarmten Herrn seitens einiger meiner Freunde zugegangen. Da nun Herr Vr. Philippson es nicht für angethan gefunden hat, unsere Anfrage zu beantworten, so erlaube ich mir, dieselbe hier öffentlich zu wiederholen und im Interesse der Sache um Belehrung zu bitten, wenn ich mich geirrt haben sollte. Ich bin nicht der Mann, der sich des offenen Eingeständnisses 'eines Jrrlhums schämt." Die „Germania" nahm unsere Antwort in Nr 84 auf: „Herr vr.. Ludwig Philippson schreibt uns aus Bonn, 11. April: Auf die in Nr. 83 Ihres Blattes an mich gerichtete Frage des Herrn W. Ma-rr habe ich die einfache Antwort zu geben: I ed cs „freisinnige" Blatt in Deutschland wird einer „ruhigen und sachliche» Discussion" jeder das allgemeine Wohl berührenden Frage Raum geben." Ob Herr M a r r mit unsrer Antwort sich zufrieden geben oder weitere Anfragen an uns richten werde, wissen wir nicht, ebensowenig ob wir dann uns noch auf Weiteres einlaffen möchten. Berlin 10. April. Die kirchliche Feier zum fünfzigjährigen Jubiläum des Rabbiners Dr. Aub fand Montag Abend 6 Uhr in der neuen Synagoge statt. In dein festlich erleuchteten Tempel war das Allerheiligste mit prächtigen Topfgewächsen geschmückt. Dicht davor war als Ehrensitz für den Jubilar ein mit Blumen bekränzter Sammetseffel aufgestellt. Der an der Thür vom gefammten Vorstande, den Repräsentanten, sämmtlichen Dirigenten jüdischer Lehranstalten, Kranken- und Waisenhäuser u. s. w. empfangene Jubilar wurde, während die Orgel „Sei gerußt im Namen des Herrn" anftimmte, von seinen Amtscollegen Dr. Ungerleider und vr. Frankl zu dem Ehrensitze geführt. Der Chor sang darauf den Schluß des 92. Psalms „Der Gerechte, Halmen gleich blühet er" in deutscher Sprache, vr. NnAerleider zeichnete in markigen, zu- Herzen gehenden Worte« das Leben des hochverehrten Rabbi und sprach ein ergreifendes Gebet für deffen lange Lebensdauer. Der Jubilar trug ans seinem Ornat das ihm vom Kaiser verliehene Ehrenzeichen. Dem seit längeren Jahren schon bestehenden israelitischen Verein Ahawasi Reiim, welcher sich bisher mit mcm Saale rm Sch« Gehre, Oramenstr. 69 behelfen mußte, ist es jetzt gelungen, würdige Räume zur täglichen Abhaltung des Gottesdienstes auf dem Grundstück Prinzenstr. 71, nahe am Moritzplatz, zu erwerben und damit nicht nur seinen Mitgliedern zu genügen, sondern auch einer größeren Anzahl anderer Bewohner der Luisenstadt Die Synagoge, zn deren Einrichtung der Verein alle seine Ersparnisse hergegeben hat, faßt 360 bequeme Sitzplätze, bei - der Möglichkeit, durch Anlage von Emporen für weitere 100 Sitze Raum zu schaffen. Der Gottesdienst soll schon an den Osterfesttagen in der neuen Synagoge abgehalten werden. Berlin, 10. April. Privatmittb.) Aus Breslau wird gemeldet, daß der Nedacteur der „Schlesischen Volkszeitung" Nowack auch in zweiter Instanz wegen seines Pamphlets „der jüdische Referendar" verurtheilt worden, und zwar zu 100 Mark Strafe. — Die reactionäre Presseinsonders die ultramontane, thut jetzt alles Mögliche, um dem Volke einzureden, daß der Wucher vorzugsweise von Juden betrieben werde. Sie sammelt daher eifrig alle Berichte von Wuchergeschäften, in denen ein Jude figurirt. Nichtsdestoweniger ist sie gezwungen , sich selbst stillschweigend Dementis zu ertheilen. So durch den, in d. Zeitg. bereits erwähnten Bericht aus Straßburg, wo die Verhandlungen der elsässischen Gerichtshöfe erwiesen, daß die Betreibung des Wuchers in einem ganz anderen Theile der Bevölkerung gesunden tvorden, als bei den Juden. So wird auch der „Germania" aus Pest vom 5. April berichtet: „Mehrere hiesige Volksblätter -veröffentlichen seit einiger Zeit fast täglich Namens listen von Wucherern. Diese Veröffentlichungen dauern nun schon drei Wochen; täglich kommen 10, 12 bis 20 an die Reihe; die Liste ist aber noch nicht erschöpft. Was dabei am meisten verstimmt, das ist die große Zahl der Advocaten, welche in dieser Liste figuiren. Ein Drittheil der so gezeichneten sind Doctorcn der Rechte und ausübende Advocaten. In jeder Liste findet sich überdies mindestens eine Frau. Sonst sind die Herren Wucherer Privatiers, Kaufleute Schneider, kleine Beamte, Diener, ja es hat sich sogar ein Fiakerkutscher unter ihnen gefunden. Von Zeit zu Zeit protestirt einer der Herren, die Mehrzahl schweigt." Wenn hierbei die Juden auch nur einen kleinen Bruchtheil geliefert hätten, welcher Weheruf würde darüber erhoben werden. — Wie ich bereits berichtet habe, fand am 7. b. M. das 50jährige Jubiläum vr. Aub's statt. Er hatte zuerst in Bayreuth, dann in Mainz, hierauf in hiesiger Gemeinde fungirl. Der Vorstand und die Repräsentanten begrüßten den Jubilar und überreichten ihm eine massive silberne Säule auf einem Sockel, welche die Figur von Moses mit den Gesctztafeln trägt. Am Abend winde beim Gottesdienste auch der Bedeutung dieses Tages ein würdiger Antheil gewidmet. Die Anerkennung, die das verdienstliche Wirken und der rege Eifer Aub's gefunden, ist gewiß erfreulich. Doch gestatte ich mir eine Bemerkung, die allerdings Aub selbst nicht berührt. Einer der Redner