Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1879)
- Date
- 1879-04-22
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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261 wurden, soweit sie aus dem Arabischen und Hebräischen stammen, zu erklären, und ihre richtige Etymologie festzustellen. Wir wollen hierbei eine Bemerkung hinzufügen, wie sie sich uns aus dem Verlaufe der Schrift ergiebt. Auch als die arabischen medicinischen und anatomischen Schriften in's Latein übersetzt zu werden begannen, blieben die Juden mit Uebertragungen derselben in's Hebräische nicht zurück. Wir heben namentlich die Uebersetzung des Kanons des Avicenna (Jbn Sina, geb. 080, gest. 1036) von Josef Lorki (Jbn Vivas) oder el-Roqui hervor, herausgegeben in drei Bänden, Neapel 1491. Hier ist es nun, wo sich der Unterschied der Geistesbildung zwischen den damaligen Juden und Christen und zwar sehr zu Gunsten der ersteren beobachten läßt. Die jüdischen Uebersetzer haben die hebräische Sprache niemals in einen so barbarischen Zustand herabsinken lassen, .in welchen die Sprache der Römer im Geiste und unter der Feder der Mönche und der christlichen Professoren gerathen ist. Sie haben sie verhältnißmäßig rein erhalten und übertrugen auch die arabischen anatomischen Ausdrücke in's Hebräische, so daß oft die von den lateinischen Schriftstellern aufgenommenen und verstümmelten tcrmini aus diesen hebräischen Bezeichnungen erläutert werden können. Selbst Vesal bediente sich deshalb oft der gedachten hebräischen Uebertragung des Avicenna, und stellte aus ihr die hebräischen Synonymen der Knochen Op. omn. (Leyden 1725) Vol. T. p. 141—143 zusammen, was ihm sein Freund, der gelehrte venetianische Jude Lazaro de Frigeis, besorgte. So bewährten auch in der arabischen Epoche und später die Juden ihr altes Sprach- und Uebersetzungstalcnt, sie, welche in der Literatur das erste, und zwar glänzende Beispiel einer Uebersetzung in der Septuaginta gegeben hatten, und diesem die chaldäische, syrische, arabische, persische folgen ließen. Erkannte doch selbst Renan dieses Verdienst den Juden zu. — Führen wir nun einige Beispiele an. Noch lange wurde das Fersenbein von den Anatomen Achib genannt. Man benutzte talmudische Ausdrücke freilich nicht immer ganz in der Bedeutung derselben, z. V. p)b Kinnlade Sabb. 54, 2 für den Anfang der Speiseröhre, Almngabani der arabischen Anatomen. Almontlronorn, der Psoasmuskel, und (Mathnaim, Lende sind das hebräische D'jna. Die Vorderarmknochen wurden Cannao genannt, gleich dem TDp mit dem Beinamen Z5N77I. Schon Hiob 31, 22 wird rup als Armröhre gebraucht. Cahabin, ein arabisches Wort mit hebräischem Zuschnitt, wurde von den Anatomen für Knöchel gebraucht. Wie selbstständig die jüdischen Uebersctzer zu Werke gingen, dafür nur ein Beispiel: sie übertrugen Keilbein mit man 2w*lD „Sitz des Markes". Der Ausdruck Koh. 12, 6 :p27! ^271 für Rückenmark ging aus dem Hebräischen in's Lateinische über, indem man es funis argenteus übertrug und so auch anatomisch gebrauchte; freilich ist diese Ausdeutung des '7! nur gekünstelt (s. unsern Commentar zur Stelle). Alte französische und spanische Aerzte benennen die 088a pubis Gaf-hcrva, was nichts Anderes als r»VlJ?n '25 ist. Gargav, Gurgel, dann Zäpfchen nach dem hebr. mnJ. Adamsapfel, pomum Adami ----- DIS71 7N271. Der bekannte Wunderknochen r6, der aus Psalm 34,21 bei den Midraschisten eine Rolle spielt, er soll nämlich unvertilgbar sein, und aus ihn: bei der Wiederauferstehung der menschliche Leib neu erstehen, wurde von den mittelalterlichen Anatomen viel gesucht, an die verschiedensten Theile des Körpers verlegt, bis man ihn aufgeben mußte. Bei den älteren Anatomen findet man für Speiseröhre Oomur? dcglutionis, eine Uebersetzung des fi'2 (oder jfD Toh. 1,1). lieber o-toficc/og haben wir ausführlich in unsrer" gehandelt (p. 35.) Während die lateinischen Anatomen für Schneidezähne den arabischen Namen in Duales übersetzten, blieben die hebr. dem Begriffe treu und übertrugen sie D'2nn£7!, die Mahlzähne benannte man nach dem hebr. nurna.. Vesal nannte die Gelenkgrube des Schulterblattes, für den Oberarmknopf oculus scapulae nadj> dem hebr. 7)71271 j'>\ — Dies genüge an dieser Stelle und nur noch ein Curiosum. Die mittelalterlichen Aerzte waren für das Aderlässen sehr eingenommen und wandten es übermäßig an. Als sie aber auf 5 Mos. 12, 23 aufmerksam wurden, wo es heißt, daß das Blut die Seele sei, fürchteten sie, dem Menschen mit dem Blute zu viel Seele zu entziehen, und ließen deshalb ihre Patienten das abgelassene Blut, nachdem es etwas erkaltet, wieder trinken. üxutcj 6it<xcßtlciateu/. i Privatcorrespondenz nicht eintreten, welche zu einer Verständi- Deutschland. öung zu führen doch nicht vermag. Hierauf brachte die „Germania" Nr. 83 Folgendes: Bonn, 13. April. (Privatmitth.) Nachdem wir in Nr. | „Von Herrn W Marr in Hamburg geht uns folgendes 12 die Schrift W. Marr's besprochen hatten, erhielten wir Schreiben zu: von diesem Herrn einen Brief, den zu beantworten wir uns, Herr Rabbiner Dr. Philippson in Bonn bezeichnet in nicht veranlaßt fühlten, da wir grundsätzlich mit solchen, die dem von ihm herausgegebenen Blatte Allgemeine Zeitung des auf einem diametral entgegengesetzten Standpunkt stehen, in Judenthums die Behauptung meiner Schrift „Der Sieg des