Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1879)
- Date
- 1879-04-15
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 den Pflichten des Bürgers und denen ihres Bekenners erstehen läßt, sich nicht in weltlichen Eitelkeiten verläuft, kurz, weil diese Religion all' die Belehrung und all' den Trost verschafft, welche aus dem Glauben an die unfehlbare Gerechtigkeit Gottes fließen." __ (Arch. isral.) Was ist noch in Ungarn möglich! Aus Miskolcz wird dem „Egyetertos" folgender eigenthümliche Fall berichtet: „In dem drei Viertelstunden von hier entfernten Städchen Diösghör hatte vor einer Woche ein junger Mann Namens Ludwig Arnstein im Kartenspiel 20 fr. an seinen Nachbar verloren, und war sie ihm schuldig geblieben. Als dieser sich seinen Gewinnst einkassiren wollte, sagte Arnstein scherzweise zu ihm, er solle noch zwanzig Kreuzer dazu legen, dann wolle er (Arnstein) auf sein „Antheil am ewigen Heil" („Chelek leolam habo“) schriftlich zu seinen Gunsten verzichten. Der Nachbar geht darauf ein, zahlt die 20 kr. und Arnstein stellt die Schrift aus. Zwei Tage darauf stirbt Arnstein plötzlich, sein „Antheil am ewigen Heil" auf Erden in Pfand zurücklassend. In der Nacht nach seinem Begräbniß kommt nun sein Gläubiger ins Nachbarhaus gerannt und erzählt außer sich vor Schreck, Arnstein's Geist sei ihm erschienen und verlange sein „Antheil am ewigen Heil" zurück. Dieswiederholte sich-durch drei Nächte. Um der Sache abzuhelfen, wandte sich der Betreffende an den Rabbiner, der sich jedoch für nicht spruchfähig in dieser Angelegenheit erklärte. Gestern wurde nun in Szikßo eine Berathung von sechs Rabbinern abgehalten, welche die Entscheidung fällten, das Grab des Beerdigten müsse geöffnet und die Verzichtleistungsschrift, welche ihm die Himmelspforte verschließt, in den Sarg neben ihn gelegt werden." Erklärung. Leipzig, 25. März 1879. Herr Redacteur! Die Folgerung, welche Sie an die unter dem Titel: „Schopenhauer und Richard Wagner" in Nr. 14 Ihrer geschätzten Zeitung enthaltenen Mittheilung aus der Kölnischen Zeitung knüpfen*), veranlaßt mich, den Anhänger Schopenhauer's, für meine eigene Person wenigstens, zu einer Gegenbemerkung, resp. Berichtigung jener Folgerung. Auffällig allerdings muß es Denen, welche seine Biographie von Gwinner nicht gelesen haben, scheinen, daß, was nicht geleugnet werden soll, einige Juden zu seinen eifrigsten Verehrern gehören. Sie würden schon anders uttheilen, wenn sie eben aus der genannten Biographie wüßten, daß er schon als Student einem jüdischen Commilitonen als bester Gönner sich erwies und im späteren Leben einen Juden zum vettrautepen Freunde hatte. Diese Thatsachen würden sie belehren, daß seine Feindschaft nicht den Juden, sondern dem seinem Pessimismus entgegengesetzten optimistischen Judenthume galt. Was nun meine persönliche Anhängerschaft betrifft, so erfolgte sie zu einer Zeit, wo Schopenhauer fast noch ganz unbekannt war, wo ich ihm, um biblisch zu reden,, gleichsam in der Wüste, in unbesäetem Lande folgte und allerlei Neckereien und Anfeindungen wegen dieser Anhängerschaft im Kreise meiner Freunde und Anderer ausgesetzt war. Man belächelte mich, wenn ich freudig erregt und stolzerfüllt Verwandten seine Briese an mich vorlas. „Kranken Sie noch immer am Schopenhauerianismus?" fragte mich einst höhnisch ein Gelehrter, als ich ihm von einem gerade beabsichtigten Artikel über ihn Mittheilung machen wollte. Andere wußten nur, statt von seiner Philosophie, den bekannten Frankfurter Anecdotenkram von ihm zu erzählen. Wie er sich räusperte, wie er spuckt, das hatten sie ihm wohl abgeguckt. Er war also weder glänzender Fixstern noch Komet, als sein der Menge, ja den meisten Gelehrten noch verborgenes Licht mich anzog und — mir leuchtete. Wie und nach welchem Ziele hin, das muß ich mir, so sehr auch dessen Auseinandersetzung gerade in diese Spalten paßte, Vorbehalten, bei einer anderen Gelegenheit, wo ich mich ausführlicher darüber verbreiten kann, vorzubringen. Dr. David As her. l) Es versteht sich von selbst, daßwir mit jener Mittheilung Herrn vr. D. Asher auch nicht im Geringsten zu nahe treten wollten. Die Redaction. Anzeigen. sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Rosse in ^Leipzig oder deren Filialen in Berlin, ßreslan, Chemnitz, Cdln aKh., Dresden, Frankfurt aM., Halle aS., Hamburg, Eondon, Magdeburg, München, Nürnberg, Baris, Prag, Strassburg i E., Wien, Zürich zu adressiren. Höhere Handels-Fachschule Erfurt. Pensionat und Erziehungs-Institut. Die Anstalt ist zur Ausstellung gültiger Zeugnisse für den einjährig-freiwilligen Militairdienst berechtigt. Das Sommer-Semester beginnt am 21. April CT. (3519.) Ausführlicher Prospekt durch den Direktor , vr. Wahl. Der Haushalt wird streng nach jüdischem Ritual geführt.