Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 250

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227248--37078-3256463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wurden oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt, so daß sie für griechisch oder lateinisch gehalten wurden und jetzt noch dafür gehalten werden. Da die erste deutsche Anatomie erst im Jahre 1516 erschien, in welcher Zeit der Arabismus in der Medicin im höchsten Flore stand, wurden deutsche anatomische Benennungen der Organe des menschlichen Körpers geschaffen, welche reine Uebersetzungen arabischer Kunstausdrücke sind, wie Kehldeckel und Kehlkopf, Schlagader, Spannader (Nerv), Luftröhre, Mandeln, Röhrenknochen, Zwerchfell, Magenmund, Vrustblatt u. s. w. Hyrtl hat sich die dankenslverthe Aufgabe gestellt, Klarheit in dieses Gewirre zu bringen- Das Buch, in welchem er die Resultate seiner Forschungen der Oeffentlichkeit übergiebt, ist eine mit allen schriftstellerischen Reizen ausgestattete Arbeit und reiht sich ebenbürtig den früheren Werken des Meisters an. Bonn, 10. März. (Literarische Notizen.) Wir machen unsre. Leser auf einen geistvoll und sachkundig abgefaßten Artikel, „Zur jüdischen Literatur von David As her", in der jüngsten Rr. der „Blätter sür literarische Unterhaltung" (Nr. 9,. vom 27. Februar) aufmerksam. Nichts nützlicher, als solche Referate in vielgelesenen öffentlichen Blättern, durch welche das allgemeine Publicum Kenntniß von literarischen Leistungen erhält, die sonst nur in die engeren Kreise gebannt verbleiben. — Die „Temesvrirer Zeitung" schreibt: Auf einer Licitation, welche hier vor einiger Zeit statthatte, kam auch eine uralte, auf Pergament geschriebene hebräische Bibel mit griechischer Uebersetzung zum Verkaufe. Ein Fabriker Einwohner, der sich mit Licitationsankäufen beschäftigt, erstand dieselbe um 11 Gulden. Gestern wurde das seltene Exemplar, deffen Werth hier Niemandem schätzen wußte, durch den Abgesandten eines Wiener Antiquars um den Preis von 1460 fl. angekauft. Bonn, 16. März. (Literarische Notizen.) Lessing in seiner Bedeutung für die Juden. Vortrag, am 21. Januar 1879 auf Anlaß des Mendelssohn-Vereins zu Dresden gehalten von Rechtsanwalt E mi l L e hma nn. Dresden, Salomon 1879. Die Schriften des Versaffers zeugen stets von der edelsten Begeisterung für das Judcnthum und dem wackersten Streben zu Gunsten der Bekenner deffelben. Der vorliegende Vortrag ist von demselben Geiste getragen, und stellt mit Fleiß und Umsicht alle Momente aus Lessings Leben und Wirken zusammen, in welchen der unsterbliche Dichter und Denker die Verhältnisse der Juden berührte. Dieser Momente sind so viele, daß sich daraus ein reiches Bild entiverfen läßt, selbst wenn eine tiefergehende Darstellung der religiösen und socialen Anschauungen Lessings, aus welcher heraus die einzelnen Kundgebungen zum vollen Verständniß kommen, nicht gegeben wird. Jemehr es eine gryße Zahl deutscher Schriftsteller auch in neuerer Zeit versucht hat, das Bild Lessings zu verdunkeln und deffen wirklichen. Standpunkt zu verschieben, desto anerkennenswerther sind die Bestrebungen, alle diese Dunstnebel wieder zu zerstreuen. Hierzu rechnen wir auch den Vortrag des Herrn Lehmann. Ist doch der Stoff so reich und dankbar, da nicht leicht in einem Anderen eine so merkwürdige Consequenz wie in Lessing gefunden wird, der bereits in seinem zwölften Lebensjahre bei der Aufnahme in die Fürstenschule zu Meißen dieselbe humane Gesinnung kund gab, die er in „Nathan" zum höchsten Ausdruck brachte — worüber uns glücklicher Weise das Document erhalten worden ist. Wir freuten uns, dasselbe auch von Lehmann angeführt zu sehen. Um so mehr fiel es uns auf, daß der Vers, die merkwürdige Stelle in der „Rettung des Cardanus" igeschrieben 1751), welche wir in unsren Artikeln, in denen wir zuerst auf das 100jährige Jubiläum des „Nathan" aufmerksam machten, (Nr. 29, .1878) ans Licht zogen, mit Stillschweigen überging. Bildet sie doch ein bedeutendes Mittelglied. Wenn wir an dem Vortrage etwas ausstellen sollten, so wären es an deffen Anfang die Spielereien mit den Vornamen Lessings, namentlich daß der Segen Jacob's auf Efraim (l. Mos. 48) für uns durch Lessing „prophetisch geworden und in Erfüllung gegangen;" oder hinsichtlich Mendelssohn's: „Lebten wir noch in der mythenbildenden Vorzeit, man würde erzählen: Und es erging der Ruf Gottes an Moses: Wandere aus nach Berlin, ich werde dir dort einen Freund zuführen." Dergleichen Anwendungen von Schriftstellen ist dem Geschmack unserer Zeit nicht angemessen. — The United States Credo: “Thou shalt love thy neighbor as thyself.“ A Thanksgiving-Day Leeture by Maurice Fluegel, Kabbi. Eric, Pa. 1879. Die vorliegende Rede ist am 28. Nov. v. I. vor der Gemeinde A. CH, N. in Erie gehalten worden. Nach einem Hinblick auf die Geschichte der Staaten, welche eine Nation und dann eine Staatskirche zu ihrer Basis nahmen, führte Redner aus, tvie mit der Gründung der Union zum ersten Male ein Staat für alle Nacen und Religionen, für alle Nationalitäten und Sprachen errichtet ward. Und dennoch bilden alle Bewohner ein Volk, und zwar beseelt von der unerschütterlichsten Liebe zu diesem Staate. Frägt man nun nach dem crcdo, das alle Glieder dieses Staates vereinigen soll und kann, so ist es der Ausspruch 3 Mos. 19, 18: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Der Verf. widerlegt dann alle Einwürfe und zwar auf dem Boden der fortschreitenden Entwickelung. Vom aegyptischen Pharao und dem persischen Großkönig bis zu dem -Präsidenten von Nordamerika war ein weiter Weg zurückzulegen. Aber er ist doch zurückgelegt und alle Nationen schreiten auf diesem Wege vorwärts. Wir bekennen offen, daß uns diese geist- und Gemüthvolle Rede in ihrer Einfachheit und doch so gewichtigen Sprache viel Befriedigung gewährte, und daß wir es als einen Vorzug unsrer Glaubensgenoffenschaft anerkennen, daß mit Heren vollen Bestimmung gerade in der jetzigen Zeih aus ihr eine solche Rede hervorgehen toynte. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.