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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 145 Seelen beziffert, nahmen 69 Kinder, Schwiegerkinder Enkel und Urenkel an der ergreifenden Feier Theil. Nachdem das Jubelpaar, die ehrwürdige Greisin geschmückt mit dem silbernen und goldenen Kranze, in welchem eiserne Blätter eingefügt waren, der Greis mit eben solchem Bouquet an der Brust, umgeben von ihren Kindern und Kindeskindern, die Einsegnung empfangen hatte, vereinigten sich alle Festtheilnehmer bei den Klängen der Stadtkapelle zu einem Mahle. Unter der großen Anzahl der von auswärts eingegangenen Gratulationen — es waren allein ca. 40 Depeschen eingelaufen — wollen wir nur die Glückwunschschreiben des kaiserlichen Ehepaares hervorheben. Das Schreiben des Kaisers lautet : „Berlin, den 8. März 1879. Es ist zur Kenntniß Seiner Majestät des Kaisers und Königs gelangt, daß Sie am 9. d. M. mit Ihrer Ehegattin das Fest Ihrer 70jährigen Hochzeit feiern werden. Ein so äußerst seltenes Familienfest, wie es nur sehr Wenigen beschieden ist, mögen Se. Majestät nicht vorüber gehen laßen, ohne dem allgemein geachteten würdigen Jubelpaare Allerhöchst Ihre Theilnahme daran zu bezeigen. Ich bin daher beauftragt worden. Ihnen und Ihrer Ehegattin zu diesem frohen Tage Sr. Majestät beste Glückwünsche auszusprechen und dabei der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß sich der Jubelhochzeitstag für Sie im Kreise Ihrer Kinder und Kindeskinder zu einem recht heiteren, freudevollen gestalten und daß Ihnen unter Gottes gnädigem Schutze auch ferner ein ruhiger, ungetrübter und glücklicher Lebensabend in treuer Gemeinschaft mit einander vergönnt sein werde. Es gereicht mir zur besonderen Ehre, mich des Allerhöchsten Befehls durch die Mittheilung zu entledigen. Gez.: Der Geheime Cabinetsrath von Wilmowski." — Der Brief der Kaiserin lautet: „Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben Ihnen zu Ihrem morgigen Ehrentage das beifolgende Geschenk als Andenken zu bestimmen geruht. Im Allerhöchsten Aufträge. Gez.: Der Cabinetssecretür Ihrer Majestät der Kaiserin." Bei der Verlesung beider Schreiben erhoben sich sämmtliche Anwesende von den Plätzen und ein Enkel des Jubelpaares brachte ein dreifaches Hoch auf das Kaiserpaar aus, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Das Geschenk der Kaiserin besteht in einem werthvollen Cabaret. Das Fest wurde der großen Anzahl der Theilnehmer halber in einem Locale außerhalb der Stadt begangen und konnte die Jubelbraut später den kurzen Heimweg zu Fuß zurücklegen, während der Jubilar nach Hause getragen werden mußte. Rührend war der Abschied der Kinder, Enkel und Urenkel vor dem greisen Paare. Dasselbe spendete ihnen, ehe sie sich wieder in alle Richtungen der Windrose zerstreuten, in ergreifender Weise den Segen. — Am 3. d. verstarb zu Lichterfelde bei Berlin der Director des dortigen Bauvereins, David Born. Wie viele Freunde der Verstorbene sich durch sein verdienstvolles Wirken^erworben, bewies die Bestattung. Eine zahlreiche Versammlung Leidtragender, unter denen wir die Vorstände des volkswirthschaftlichen, Handwerker- und Lichterfelder Bauvereins, die Ortsvorstände von Lichterfelde und Friedenau, den Verwaltungsrath des Bauvereins und viele Vertreter der Berliner Preffe bemerkten, hatte sich vor der Leichenhalle eingefunden und begleitete den mit Kränzen reich geschmückten Sqrg zur letzten Ruhestätte. — Aus Wien berichtet man: In der vierten ordentlichen Generalversammlung des Vereins zur Errichtung von Volksküchen nach israelitischem Ritus wurde der Rechenschaftsbericht pro 1878 verlesen. Demselben ist zu entnehmen, daß im abgelaufenen Jahre 39,597 große Portionen, 184,278 kleine Portionen Fleisch und Mehlspeisen, 154,638 Gemüse, 22,385 Thee, 55,295 Suppen und 180,831 Brote verkauft wurden, wofür ein Betrag von 34,134 fl. eingenommen wurde. Durch die Jahresbeiträge der Mitglieder und die Zinsen der angelegten Fonds ergab sich statt des aus der Regie der Volksküche erwachsenen Deficits von 1979 fl. noch ein Ueberschuß von 1444 fl., so daß der Vermögensausweis des Vereins pro Ende 1878, Stammsonds und Stiftungen eingerechnet, 14,913 fl. beträgt. — Die Küche des Vereins wird Heuer während des jüdischen Osterfestes offen gehalten werden. Die austretenden Vorstandsmitglieder, die Herren Salo Cohn, Dr. Moriz Güdemann, Gustav Przibram und Frau Marie Wertheim, geb. Biedermann, wurden wiedergewählt. — Der Vorstand beschloß, das Jubelfest der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares in geeigneter" Weise durch einen Wohlthätigkeitsact zu feiern. — Der großh. Bezirksrabbiner Dr. Levy in Gießen, der am 7. November v. I. sein 50jähriges Doctorjubiläum feierte, wird am 1. Oct. dieses Jahres sein 50jähriges Amtsjubiläum begehen. Bonn, 2. März. (Literarische Notizen.) Der berühmte Anatom der Wiener Universität Dr. Joseph Hyrtl hat vor Kurzen, ein Buch erscheinen lassen: „Das Arabische und Hebräische in der Anatomie", worin er den Beweis führt, daß die deutsche und lateinische anatomische Sprache der Gegenwart zum großen Theil arabisch und hebräisch ist. Die gelehrte Untersuchung führt darauf, daß zur Zeit der Wiedergeburt der Anatomie (1300) nicht die Autorität der griechischen und lateinischen medicinischen Classiker, sondern jene der arabischen Aerzte und ihrer hebräischen Uebersetzer die allein herrschende war. An den vier Universitäten der damaligen Zeit (Neapel, Bologna, Montpellier und Paris) wurde die arabische und hebräische Sprache gelehrt und mit Eifer studirt, während das Griechische erst nach dem Falle Konstantinopels allgemeinen Eingang in Italien fand und der lateinische Celfus nur in den Klosterschulen bekannt war. Ganz natürlich aber wendeten sich die Väter der anatomischen Wiffenschaft lieber an Rases, Ebn Sina und Ali Abbas, um anatomische Benennungen zu finden^ als an Galen, Hippokrates oder Celfus. Diese arabischen Termini technfci oder jene, welche die hebräischen Uebersetzer des arabischen Canon gebrauchten, 10

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