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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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(früher Philanthropen) endete heute mit einer sehr würdigen und erhebenden Feier. Der auch in weiteren Kreisen durch seine „Schul- und Hcrusbikel" und seine „Biblischen Erzählungen" bekannte Lehrer Herr Nr. Jacob Auerbach trat heute nach fünfunddreißigjährigem ersprießlichen Wirken an der genannten Anstalt in den wohlverdienten Ruhestand. In Anbetracht dieser langjährigen Thätigkeit und in Würdigung seiner vielfachen Verdienste um die Schule überreichte ihm Namens Sr. Majestät des Kaisers und Königs der Director Herr Dr. Baerwald mit einer feierliche» Ansprache den Rothen Adlerorden 4. Kl. Empfänger wie Schule fühlten sich durch diese Auszeichnung in gleicher Weise geehrt. Altrma, 3. April. (Privatmitth.) An den beiden jüngst verflossenen Sonntagen wurden hier in der Knaben- und Mädschenschule der israelitischen Gemeinde die öffentlichen Examina abgehalten, in Gegenwart des Stadtschul-Directors, der Schulcommission und eines gewählten Publikums. Dieselben boten in diesem Jahre umsomehr Jntereffe, als es galt, durch deren Ausfall neue Freunde der Anstalt zu erwerben. Wie nun allgemein verlautet, soll dies auch in höchsten! Maße gelungen sein. Hauptsächlich war es das Examen in der Knabenschule, welches zur allgemeinen Zufriedenheit aus fiel. AugenbüMchi sind Vorstand und UchräsentMten dabei, ihre Motive auszuarbeiten, um bei der Regierung resp. contra oder pro Erhaltung der Anstalt zu petitioniren. Fürth, 4. April. (Privatmitth.) Dem Jahresbericht des Verbandes bairischer Vereine zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten für das Jahr 1878 entnehmen wir noch, daß eine empfindliche Mindereinnahme gegen das Vorjahr erziett wurde, welche einerseits in dem Austritt einer Anzahl Gemeinden aus dem Verbände, andrerseits in der Leistung geringerer Beiträge der im Verbände verbliebenen Gemeinden ihre Erklärung finden. Der Bericht befürchtet, daß bei anhaltender Dauer dieser Erscheinung die Gefahr nahe liegt, daß in nicht allzu ferner Zeit der Fortbestand dieser mit Aufwand aller Kräfte in's Leben gerufenen Instituts« fraglich ist und mahnt daher zur ferneren Unterstützung dieses segensreichen Unternehmens. Während die Anzahl der im Jahre 1877 an den bestehenden vier Centralstellen a-bgeferügte Wanderbettler 7052 Personen, die Summe der Unterstützusg M. 56,648. 73 Pfg. betrug, belief sich im Jahre 1878 die Anzahl der ersteren auf 7013 Personen bei einer Geldausgabe von nur M. 50,825. 58 Pf. Es konnte daher ein Deficit nur durch umsichtigste Vcrtheilung resp. Reducirung der Gaben vermieden werden. Schließlich sei noch die Notiz, daß Württemberg und mehrere Städte am Rhein das Armenwesen nach dem Beispiele des Verbandes geregelt haben und der Vorstand des deutsch-israel. Gemeindebündes die Satzungen des Verbandes sämmtlichen ihm unterstehenden Gemeinden übermittelte, welche solche mit Beifügung verschärfender Bestimmungen auch annahmen. Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. März. Unter der Ueberschrift „Ein Stück Mittelalter in der Hauptstadt" bringt das „Pester Journal" vom 25. d. M. folgenden Artikel: „Heute Mittags hielt der neugewählte Ober-Rabbiner der hiesigen orthodoxen Gemeinde seinen Einzug in der Hauptstadt. Eine größere Deputation war ihm bis Gödöllo entgegengefahren und beim Bahnhofe wurde er von den Vertretern der jüdischen orthodoxen Gemeinde und von vielen Rabbinern, die aus verschiedenen Gemeinden als Deputationen zu seinem Empfange entsendet wurden, feierlichst begrüßt. Rach halb ein Uhr betrat er mit seinem Gefolge die Synagoge im Orczy'schen Hause und wurde dort durch das Gesangspersonal mit den, Worten: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn" begrüßt. Nach dem Absingen des Psalms CV betrat der Rabbiner die Kanzel, um seine Antrittsrede zu halten. Wir würden den hochgeehrten Herrn gewiß auf's tieffste beleidigen, wenn wir ihm zumuthen würden, daß er einen Vortrag in irgend einer europäischen Sprache gehalten habe! Seine Sprache ist die des Ghettos, die zu kultiviren er wohl als ein gottgefälliges Werk betrachtet. Er sprach über Eliahu und Elisa, und daß er es stets als heiligste Pflicht erachtet habe, wie er dies auch von seinen Meistern und Vorbildern gesehen, im Geiste Eliahu's als Eiferer und Kämpfer zu wirken. Finsterling, Thor, wahnwitzig werde er sich gern schelten lasten, nur ein Bösewicht Ivolle er nicht sein und seine Seele solle rein und makellos bleiben. Diesem Prinzip treu, kämpfe er bereits seit dreißig Jahren als „stets mobilisirter Soldat" und werde auch weiter für diese Fahne kämpfen und entschieden Front gegen Alle machen, die da behaupten,, daß man dem Zeitgeiste Concessionen machen muffe. Nachdem der Redner noch Manches aus seiner Lebensgeschichte mitgetheilt und hervorgehoben hatte, daß er eben im Begriffe stand, das Nabbinat zu Munkäcs wegen Meinungsverschiedenheiten niederzulegen, ohne zu wissen, wohin er sich mit seiner Familie wenden werde, als der Ruf der Budapester Gemeinde an ihn erging und er so die sichtbare Hand Gottes in dieser Wahl erblicke, betete er inbrünstig für das Gelingen seiner Mission in der Gemeinde, für Se. Majestät den Kaiser und König, für „Ihre Majestätin" die Kaiserin und Köm'gin, für den „eisernen Rittes den Kronprinzen, für das kaiserliche Haus, „für das kaiserl. königl. ungar. Ministerium", „für das k. k. deutsche Ministerium", für den Reichstag und für den Reichsrath, für das „Comitat der Stadt Pest" und „für die Stuhlrichwr" (!) und — „für alle Menschen." Hiermit war die Feier zu Ende. Die orthodoxe Gemeinde war vollzählig erschienen und ergötzte sich an den geistreichen Aus-

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