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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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Erleuchtung sieht Moses bei seiner Berufung die Feuerflamme des Dornstrauches, der von jener nicht verzehrt wird. Einfacher noch ist die Berufung Samuel's, der auf dem nächtlichen Lager die Stimme hört, die ihn ruft, die ihm aber erst Eli als die Stimme Gottes erkennbar macht. Großartiger werden die Scenen von Jesajas an; sie nehmen den Charakter des Visionären an. Er schauet Kap. 6) Gott auf dem Throne im Heiligthum, die Seraphim um ihn; er hört ihren Nus: Heilig, heilig ff., und einer derselben nimmt mit der Zange einen Glühstein vom Altar und berührt damit die Lippen des Propheten, um ihn zu entsündigen: bevor der sündige Mensch Vermittler zwischen dem allheiligen Gotte und den Menschen werden kann, muß er selbst rein werden. Anders bei Jeremias, der, nachdem ihm Gott durch Berührung der Lippen Beredtsamkeit verliehen, zwei Allegorien sieht vom Mandelbaum und vom siedenden Topfe, um auszudrücken, daß seine Weissagungen bald in Erfüllung gehen, und das Strafgericht von' Norden her über Juda sich ergießen werde. Dagegen erhebt sich Ezechiel zu jener großen geheimnißvollen Vision, welche * ein Abbild des ganzen Universums, des Lebenden und des Leblosen und deren Einordnung zu einem harmonischen Ganzen giebt, und an die sich später eine gleiche Vision vom Auszuge der göttlichen Herrlichkeit aus dem Tempel zu Jerusalem schließt. An diese Vision fügt der Prophet noch eine Allegorie, indem er eine ihm dargereichte beschriebene Rolle zu verzehren angehalten wird, shmbolisirend, daß ihm eine bestimmte Rede eingeflößt sei, die den Inhalt seiner Prophetie ausmacht. Vpn den kleinen Propheten ist es nur Hosea, der eine Art Berufung, zugleich den Inhalt seiner Prophetie andeutend, erfährt, indem er allegorisch zu einer Ehe und zur Erzeugung dreier Kinder aufgefordert wird, in deren Namen das Strafgericht über Israel symbolisirt ist. Das Buch Jona endlich ist ein Volksbuch, in welchem gelehrt wird, daß nicht sich erfüllende Weissagungen, sondern die Mahnung zur Buße und Befferung den Beruf des Propheten ausmachen. Man wird zugeben müssen, daß sich hier ein Fortschritt deutlich erkennbar macht, und zwar vom Einfachen zum Mannigfaltigen, und daß auch, hier dieses grundlegende Einfache in der Thora enthalten ist. Hierbei betonen wir, daß wir bei allen diesen Gegenständen jede dogmatische Erörterung vermeiden, und uns lediglich * an das Tatsächliche halten, so daß die Einheit der heiligen Schriften durch so viele Momente klar gelegt wird, daß I sicherlich alle mikrologische Kritik daran scheitert. 2£eitaii£j Swccc&VLc&leAJu. Deutschland. Berlin, 4. März. (Privatrnitth.) Eine spätere Zeit wird das —unzehnte Jahrhundert, das einer Selbstüberschätzung oft so nahe kam, nur als eine Uebergangspcriode characterisiren können. Der besonderste Beweis hierfür liegt in den beständigen. Schwankungen, welchen alle großen und kleinen Fragen des politischen und socialen und selbst des wissenschaftlichen Lebens unterworfen sind. Es findet ein stetes Strömen nach Vorwärts und Rückwärts statt, ja nicht selten ein Wirbel und Strudel, in welchem Alles im Kreisläufe zu gehen scheint, um nach einiger Zeit da wieder sich zu befinden, von wo man ausgegangen. Einige Schritte vorwärts, und man beeilt sich, wieder rückwärts zu gehen. Die Motive, die zum Fortschritt drängten, werden als schädlich angesehen, und man beeifert sich, für den Rückgang einzutreten. Da in den menschlichen Dingen jede Neuerung neben entschiedenen Vortheilen auch ihre Nachtheile mit sich bringt, so beeilt man sich, wenn ungünstige Umstände eintreten, diese allein auf Rechnung jener Nachtheile zu setzen, und den Rückschritt zu verlangen, wofür sich dann die große Masse leicht stimmen läßt. Daß außer anderen Uebeln hieraus nichts als Verwirrung und Zerfahrenheit entspringt, läßt sich leicht erkennen. Wir haben an dieser Stelle nicht die Aufgabe, über die vielen schwierigen Fragen uns auszulasien, welche gegenwärtig die gesetzgeberischen Factoren des deutschen Reiches beschäftigen und größtcntheils in dem entgegengesetzten Geiste gelöst zu werden scheinen, als der, welcher seit ungefähr IJahren.unsre Gesetzgebung leitete. Wer aber weiß, daß wenn retrograde Parteien sich Geltung verschaffen, diese ihre Triumphe benutzen, um nach gänzlicher Herrschaft wieder zu streben, der kann sich eines trüben Mißtrauens für die nächste Zukunft nicht erwehren. Wir wollen uns hier des Näheren nicht auslassen; aber daß alles Mögliche und Unmögliche von Seiten der reactionären Parteien geschieht, um die bürgerlichen Verhältnisse der Juden zu trüben und in allen Schichten des Volkes eine feindliche Stimmung zu erregen, ist nur allzu wahr. An dem Willen dieser wird cs also nicht fehlen, wenn sie die Mehrheit in den Parlamenten Deutschlands erlangt haben werden, sei dies auch nur auf einige Zeit. Wir unsrerseits haben hiergegen nur geringe Kräfte, und es zeigt sich dabei, welche Verhöhnung der Wahrheit es ist, wenn die Dunkelmänner stets den vorherrschenden Einfluß der Juden behaupten. Wir können nur auf die schützende Vorsehung und auf das gute Recht rechnen, welches alle Machinationen finsterer Gewalten überdauert und uns bis hierher geführt hat. Frankfurt a. M., 3. April. (Privatmitth.) Die diesjährige Prüfung der hiesigen israe.litifchen Reals'chüle

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