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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Mensch ohne Kenntniß der Ausdrucksweise in der heiligen Schrift an diese heranträte, müßte es ihm außerordentlich auffallen, in welcher einfachen, naiven Weise, ohne alle Einleitung und Vorbereitung, gesagt wird: „Gott spricht zu dem Menschen." Der ihm so schwierige Begriff einer unmittelbaren Verkündigung Gottes an den Menschen wird hier als ganz einfach, als selbstverständlich vorausgesetzt. Wenn die neuere Kritik so große Wichtigkeit auf den „Elohisten", „Jehovisten" und die Verbindung beider Bezeichnungen Gottes legt, so findet sie in unsrer Beziehung keine Unterstützung, denn es heißt auf dieselbe Weise bald avAtf. 1fcS‘vi, bald Ti Wl und D\“Ax 71 ^£KV!1). Da, wo ein Mensch spricht und einen Ausspruch Gottes anführt, erweitert sich dies alsbald zu Ti "D8 PD (2 Mos. 4, 22), und diese Phrase, die in der Thorah nur einige Male vorkommt, wird bei den Propheten zur gangbarsten Redeweise. Für das einfache *■)£** oder nn tritt in höherer Begeisterung vrtt, das in der Thorah nur l Mos. 22, 16 und 4 Mos. 14, 28 auf tritt, und in den historischen Schriften nur zwei Mal in den BB. Sam., vier Mal in den BB. Kön. und ein Mal in der Chronik vorkommt, dagegen zum häufigsten Ausdruck bei den Propheten wird. Schon hieraus ersieht man, daß zwischen der Thorah und den historischen Büchern in dieser Beziehung durchaus kein Unterschied stattfindet. In der That wird ebenso einfach berichtet, daß Gott zu Josua sprach"), zu Gideons, Samuel, David, Salomon, Jehu4). Ja, selbst unter den poetischen Schriften hat das Buch Hiob das einfache „und der Ewige sprach" nicht blos in dem Einleitungsgedichte, sondem auch 38, 1, wo Gott dem Hiob erwiedert, 40, 1. 6 und 42, 7, wo Gott sich gegen Eliphas wendet. — Frühzeitig erweiterte sich das einfache ntax**"! auch zu der Phrase: 'W bi< 'Pi "DT W „es ward das Wort des Ewigen dem" ff., das in der Thorah nur einmal (1 Mos. 15, 1. 4), von den BB. Samuel aber an in allen geschichtlichen und prophetischen Büchern sehr häufig vorkommt, in den letzteren zur Einleitung der prophetischen Reden. — Doch nicht minder in allen diesen Büchern wird die göttliche Verkündigung dann und wann durch einen CV&X oder 'Pt durch einen „Boten", d. i. einen Engel „Gottes" dargestellt. Denn obschon “[Kte auch menschlicher Bote heißt, und hier und da selbst 'Pt so gedeutet werden kann, so zeigt doch das Kommen und Gehen derselben an den meisten Stellen auf eine höhere Natur. (Ganz ebenso heißt „Engel" eigentlich Bote äyytkog.) Solcher 'Pi und 'O haben wir nun in der Thorah, im Buche Josua, Richter, 1) "W'n J. B. 1 Mos. l, 28; 6, 13; 31. 24; 4 Mos. 22, 9. DTtVtf 'Pt ")ÖKV1 l Mos. 8, 16; 3, 9. 'PI “ISiOt l Mos. 12, l und an unzähligen Stellen. 2) Jos. 1, l; 3, 7. 3) Richter 1. r; 6, 23. 25 ff. 4) 1 Sam. 3, 11; 8, 7; 23, 2; 1 Kön. 3, 5; 9, 3; 2 Kön. 10, 30. BB. Sam., Könige und Chronik ö), sowie an einigen Stellen bei den Propheten, in den Psalmen *; und besonders im Buche Daniel'). — Wenn aber Anfangs die Ansprache Gottes an die verschiedensten Männer geschah, so bildete sich doch bald der Begriff aus, daß derjenige ein besonders gearteter Mensch ist, dem Gott sich kund thue, ein oder ptnrt, bis sich späterhin daraus ein Prophetenstand mit Prophetenschulen entwickelte, während dennoch . die Prophetie an so zu sagen geschulte Propheten nicht ausschließlich gebunden war. Dabei ergab sich jedoch, daß aus solcher Institution auch der Mißbrauch der Prophetie entsprang und zu Zeiten die falschen Propheten eine traurige Rolle spielten. So wird schon Abraham 1 Mos. 20, 7 ein *022 genannt. Jndeß kommt diese Bezeichnung in der Thorah verhältnißmäßig nur selten vor, im Vergleich zu den übrigen Schriften**). Denn vom Buche der Richter an treten die Propheten immer häufiger in allen Büchern der Schrift auf, so daß sie nicht blos die eigentlichen Träger der geistigen Bildung in der Nation waren, sondern auch oft tief in die politischen Verhältniffe und deren Gang eingriffen. Für den Ausdrück *022 wurde später nrn gebraucht, der in der Thorah nicht vorkommt, in den späteren Büchern oft; für'beide soll nach einer Notiz 1 Sam. 9, 9 früher r«n im Gebrauch gewesen fein, kommt jedoch fast nur für Samuel vor. Für die Prophetie, namentlich auch für die prophetische Rede eines bestimmten Propheten machte fich auch später der Ausdruck jitn geltend9), und endlich kam KWD eig. „Last, Ladung" auf, namentlich bei Jesaias *"), wurde aber wegen des Doppelsinns später untersagt (Jer. 23, 33), wofür man später 'Pi in sagte, um der Zweideutigkeit zu entgehen "). — Hier ist es nun, wo wir auch die eigenthümliche Erscheinung beachten müffen, daß die besonders ausgezeichneten Propheten einen Act der Berufung zu ihrem Amte berichten, und daß gerade hierin fich eine Entwicklung zeigt, die nicht zu übersehen ist. Der erste in dieser Reihe ist Jacob, dem zur Einleitung in die ihm zu Theil werdende Verkündigung im Traume eine von der Erde zum Himmel aufgerichtete Leiter erscheint, welche eben die Verbindung zwischen dem Menschengeiste und Gott innerhalb einer solchen Offenbarung symbolisiren soll. Als ein ähnliches Symbol der 5) 1 Mos. 16, 7. 9; 21. 17; 2 Mos. 3, 2; 14, 19; 4 Mos. 22, 22 ff.; Jos. 5, 14; Richter 2, i; 5, 23; 6, 11 ff.; 13, 3 ff.; l Kön. 19, 7; 2 Kön. 1, 15; 1 Chron. 11, 16. 6) 2-s. 63, 9: Secharj. 1, 11 ff.; Ps. 34, 8; 35, 5. 7) 3, 28; . 6, 23; 9, 21 ff. 8) Die Prophetin Mirjam 2 Mos. 15, 20. Daß das ganze Voll Propheten sein mögen, wünscht Moses 4 Mos. n, 29. Ueber die Arten der Prophetie die classische Stelle 4 Mos. 12, 6. Dann das Gesetz über die Propheten 5 Mos. Kap. 13. 18 und endlich die Bezeichnung des Moies als Propheten 5 Mos. 34, io. lAhron als „Prophet" seines Bruders 2 Mos. 7, l.) 9) Z. A. Jesaias l, l; Obadj. 1, l; Rahmn 1, l. Oft im B. Daniel. 10) S. Jesaias 13. l; 14. 28; 15, l ff.; Rah. 1, 1. 11) Sech. 9, i; 12, l; Mal. i, i.

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