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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-15 · Heft 16 (15.4.1879) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 16 (15.4.1879)
Date
1879-04-15
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Waisen, deren Versorgung die edeldenkende Gemeinde übernommen halte. Die unglückliche Gemeinde dürste, selbst im günstigsten Falle, Jahre hindurch nicht in der Lage sein, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und Gehälter und Pensionen zu bezahlen. Unter solchen Umständen hat es der Unterzeichnete Vorstand für heilige Pflicht erachtet, der bedrängten Schwestergemeinde zu Hülfe zu eilen, und alle Gemeinden in Israel aufzufordern, möglichst rasch und in möglichst ausgiebiger Weise dasselbe zu thun. Es bedarf wohl nicht viel Worte, dieser Aufforderung Nachdruck zu geben. Ergeht sie doch an jüdische Gemeinden, und im Interesse einer in ihrer Fortexistenz schwer bedrohten jüdischen Gemeinde. Unsere Gemeinde hat für die israelitische Neligionsgemeinde in Szegedin die Summme von 3000 fl. votirt (u. zw. 1000 fl. zur Deckung fälliger Verpflichtungen der Gemeinde, 2000 fl. zur seinerzeitigen Wiedererrichtung der Institute) und glaubt mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß auch Ihre geehrte Gemeinde sich diesem Vorgänge nach beiden Richtungen hin anschließen und gerne das Ihrige dazu beitragen werde, um eine Gemeinde in Israel zu erhalten.. Wir betonen nochmals und nachdrücklichst, daß das durch diesen Aufruf angeregte Unterstützungswerk nicht den einzelnen Unglücklichen, sondernder Gesammtgemeinde und ihren Institutionen zugedacht ist. Unser Aufruf wendet sich auch nicht direct an Einzelne, sondern an die confessionellen Körperschaften. Wir werden aus unserer Mitte eine eigene Commission entsenden, welche die Organisirung und Leitung dieser heiligen Angelegenheit in die Hand nehmen, die eingelaufcnen Summen vorläufig sicher anlegen und verwalten und zur rechten Zeit ihrer Bestimmung zuführen und öffentlich quittiren wird. Mögen die Antwortschreiben, die wir auf diesen Aufruf von den jüdischen Schwestergemeinden in der Nähe und in der Ferne mit freudiger Zuversicht erwarten, Zeugniß dafür ablegen, daß sich gelegentlich dieses echt jüdischen Werkes das Prophetenwort bewährt: „Der wird sprechen: des Ewigen bin ich! und der sich nennen mit Jacob's Namen, Jener schreiben mit seiner Hand: „Für Gott!" und mit Israelis Namen sich schmücken". Mit brüderlichem Gruße Budapest, im März 1879. Der Vorstand der Pester isr. ReligionSgemeinde. Die Einheit der Nee» in der heiligen Schrift Israels'). VL 9) Die Offenbarung. Was den fämmtlichen Büchern der heiligen Schrift am hervorstechendsten und nachhaltigsten einen einheitlichen Charakter gewährt, das ist, daß in denselben mit Ausnahme der Geschichtserzählung und der sich als subjectiv gebenden Poesie Alles als Ausspruch, als Verkündigung Gottes bezeichnet wird, und zwar auf die einfachste Weise. „Gott spricht (□\“6k -Qk'l, 71 7» -QTI) zu Adam, Kain, Noa, Abraham, Jsak, Jacob, Laban, Moses, Bileam, Josua ff. Der eigentliche Inhalt dieser Schriften wird also überall als göttliche Verkündigung, als aus der Einwirkung des göttlichen Geistes auf den Geist des dazu berufenen Menschen, dargestellt. Dies geschieht zugleich auf eine völlig homogene Art, wie wir weiter unten des Näheren sehen werden. Es muß dies Jedermann als ein unzweifelhaftes Bindemittel für diese gesummten Schriften in die Augen springen. Sie werden hierdurch auf die unzweideutigste Art geistig wie äußerlich mit einander und zu einer Einheit zusammengeschlossen. Dies tritt um so schärfer hervor, wenn wir bemerken, wie in den nachbiblifchen Schriften der Juden ein völlig anderer Weg eingeschlagen worden, so sehr auch Einzelne, z. B. Josephus, sich gern einen prophetischen Anflug zuschreiben möchten. Der Talmud will, nirgends den Anspruch auf göttliche Eingebung erheben, sieht' die Prophetie mit Maleachi geschwunden und räumt den: Auskunfts- Mittel der *np einen äußerst schmalen Platz ein"). Im Neuen Testamente sprechen nur Jesus und die Apostel. Im Koran wird Gott zum Schriftsteller; entweder er hält Reden, mehrere Bogen umfassend und im Pluralis majestatis, oder er dictirt sie Mahomet — die Form der heiligen Schrift ist.hier carrikirt, wenn auch der Inhalt häufig sehr pathetisch und erhaben ist. So tritt gerade dieses Charakteristikum unsrer heiligen Schrift als ein wesentlich unterscheidendes Merkmal auf, bei welchem zugleich eine Entwicklung vorn Einfachen aus wohl zu beachten ist. Wir haben vor Kurzem erst Gelegenheit gehabt, die dogmatische Bedeutung der Offenbarung in den Artikeln über „die Autorität der Bibel" (Jahrg. 1678 S. 089 ff.) auseinanderzusetzen, und behandelten sie ausführlich in unsrer Neligionslehre (B. 1 S. 39, 94), worauf wir verweisen mögen. Hier ist es uns vorzugsweise um die formale Seite zu thun, wie es mit dem Zwecke dieser Abhandlung übereinstimmt. Wir bitten, dies nicht außer Augen zu laffen. — Wenn ein moderner 1) S. Nr. l, 3, 4, s, io. 2) Die Hauptstclle hierüber ist Joma 9, 2: tyrpn nn npbns: vstei mrr *;n cwrwn 7p J"ß3 pwEriwE VH „nachdem die letzten Propheten Hagzai, Secharjah und Maleachi gestorben, hörte der heilige Geist in Israel auf, aber man bediente sich noch des Bath Kol.*1

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