Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-08 · Heft 15 (8.4.1879) · p. Seite 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 15 (8.4.1879)
Date
1879-04-08
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227247--37062-3256446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

235 Seiten hin ein besonderes Interesse. — r£sn Jsrael's Gebete nebst inrx mit einer wortgetreuen deutschen Uebersetzung. Für die israelitische Schuljugend herausgegeben von Israel Wiesen, Lehrer in Kettwig. Erstes Heft. MVt D Bibel-Lehre. Erstes Buch Moses, hebräisch mit einer wortgetreuen deutschen Uebersetzung für die zarte israelitische Schuljugend, herausgegeben dorr Demselben. Erstes Heft: Kap. 1—9. Kettwig, 1878. Güldner. Ueber den methodischen Werth einer Jnterlinear-Ueberfetzung für die Schuljugend läßt sich streiten. Viele nennen eine solche eine „Eselsbrücke", Andere halten sie zur Benutzung fähig. Aus letzterem Gesichtspunkte wäre das Unternehmen des Herrn Wiesen löblich. Was soll man aber dazu sagen, wenn derselbe ein Gebetbuch „für die zarte Schuljugend" Herstellen will, und ihnen darin Text und Uebersetzung des plpD inPS* giebt, natürlich auch die Opferstellen? Da ist es mit allem Verständniß für „die zarte Schuljugend" und mit aller Methodik zu Ende. Der Verfasser darf sich dabei nicht auf die bloße Orthodoxie berufen. — Wir haben bereits notirt, daß der Lehrer S. Freuthal „Joseph, israelitische Jugend-Zeitung (Schönwald, Kattowitz)", herausgcben wolle. Wir fanden den Gedanken gut, wenn nur die Ausführung demselben entspräche. Es liegen uns jetzt drei Nummern vor (die Nr. zu einem Octavbogen), und die Nedaction fordert, ein Urtheil über dieselben zu hören. Wir können zu unser« Bedauern nicht sagen, daß diese drei Nummern eine gesunde Nahrung für unsre Jugend enthalten. Sie bringen eine krause Geschichte „Der Messias", „Elias- Sagen", Geschichtchen von Friedhöfen und Träumereien, Beschreibungen blutiger Unthaten aus dem letzten türkisch-russischen Kriege. Wir erachten, daß solcher Inhalt für unsre Jugend nur schädlich ist, Aberglauben und Fantastereien nährt, in keiner Weise belehrt und am wenigsten Achtung vor und Liebe zu unsrer Religion erweckt. I e u i l l e t o n. Line Karlsbader üleiderordnung. Seit einiger Zeit fühlt man sich in Karlsbad durch den allzu zahlreichen Besuch polnischer Juden in ihrer alten Tracht und ohne besondere Sauberkeit belästigt, und die Karlsbader Stadtbehörde hat sogar nach dieser Richtung eine Verordnung erlassen, deren Inhalt zeigt, daß sie eigentlich nicht weiß, was sie thun solle, lieber den ganzen Vorgang enthält das W. T. eine Satyre, von der wir hier dem wesentlichen Theil zur Ergötzung unsrer Leser mittheilen wollen. Dieser von Saison zu Saison steigenden Ausbreitung der polnischen Judenseuche — sie erreicht wie alle Seuchen während der heißen Jahreszeit den Culminationspunkt und sistirt im Winter — endlich Halt zu machen, war schon längst das Bestreben eines hiesigen „Optikers", der, mit Nespect zu vermelden, als Haupt der localen Schutzzöllner gilt, welche es im Interesse des Vaterlandes erheischen, daß sie allein dem Kurgast den Geldbeutel leeren und eine Petition einbrachten um „Beschränkung der Marktfreiheit" in Karlsbad. Nachdem sie bereits von der Egerer Handelskammer feierlichst heimgeleuchtet würden, ließ sich Se. Excellenz, der Handelsminister nicht nehmen, die petitionirende Deputation persönlich hinauszukomplimentircn und das Referat über diese Petition dem Herrn Professor der Psychiatrie Meineri zu überweisen. Besagter Optiker brachte denn einen Antrag ein, und eine elfgliedrige Commission wurde zu dessen Berathung erwählt. Es soll in dieser sehr heiter hergegangen sein, da sie sich Anfangs nur mit der Rezitirung polnisch-jüdischer Anekdoten und der Verlesung der „Gewaltsachen" (Verlag von Hofmann, Berlin, fünfzehnte Auflage) beschäftigte und die seltsamsten Vorschläge zu berathen hatte.. Nachdem der Vorschlag, den polnischen Juden überhaupt den Eintritt in Karls-- bad zu versagen, als nicht ausführbar, ein anderer, für sie eine separate, sehr hohe Curtare zu kreiren, in Voraussicht der Nichtgenchmigung der hohen Statthallerei als unthunlich zurückgewiesen, ein dritter, die Andreas- oder Bernhardsgasse als Ghetto zu erklären und dahin eine der noch nicht analysirten Quellen abzulciten, als zu kostspielig befunden tvurde, und als endlich von maßgebender Seite warnend darauf hingewiesen wurde, wie diese Austragung der Angelegenheit die Stadt nur zu Leicht in den Verdacht konfuser Beschränktheit und konfessioneller Gehässigkeit bringen würde und endlich ein Gedenkmann schaudernd der Tage in den Jahren 66 und 70 erinnerte, als die polnischen Juden selbst von den Hausbesitzern der alten Wiese, die sonst nur vorn Grafen aufwärts Quartier machen, feierlich bereits am Bahnhof eingeholt wurden; beschloß die Commission auf den weisen Rath eines geniosen Mitgliedes, die ganze Angelegenheit als — Toilettefrage zu behandeln. So kam denn endlich jener erste Mittwoch des Monates heran, an welchem das Karlsbader Parlament stets öffentliche Sitzung hält und in der das Referat über die Ausmistung der f polnischen Juden aus Karlsbad auf der Tagesordnung stand. - > Die Spannung war eine allgemeine, die Galerien tvaren dicht! besetzt, das Publicum aber mehr berufen als gewährt, darunter! allein ein jüdischer Nestaurations Vater mit seinen elegischen Söhnen, welche sich ausschließlich mit der Atzung ihrer polnischen Glaubensgenossen beschäftigen. Endlich erhielt der Referent der brennenden Frage das Wort und derselbe ließ sich wie folgt vernehmen: Nach reiflicher Ueberlegung und zahlreichen Debatten hat die Kurcommission in Rücksicht auf gewisse Personen, die neuerer Zeit herdenwcise hier erscheinen und LS*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.