Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1879)
- Date
- 1879-04-08
- Page
- Seite 234 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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234 günstiges Verhältniß heraus. Denn man zählt 1 Schüler auf 5 Israeliten, 1 Schüler auf 6 Franzosen und 1 Schüler auf 9 Fremde. — Am 23. Fcbr. verstarb zu Metz in seinem 86 Lebensjahre Mayer Lagard, ehemaliger Director der rabbinischen Centralschule von Frankreich, dem verdienstvollen Lehrer und Gelehrten wurde von den Großrabbinen von Metz und Nancy, den Herren Bigard und Libermann, ein feierlicher Trauergottesdienst gehalten. — Unsre Glaubensgenossen im östlichen Asien scheinen sehr viel auf Skulpturen zu halten. Wir haben schon früher berichtet, daß ein bekannter Israelit in Ostindien dem Prinzen von Wales zum Andenken an desien Besuch in Indien eine Bildsäule errichten läßt. Jetzt will ein englischer Israelit in Hong-Kong dem Lord Beaconssield eine Statue in dieser Stadt auf seine Kosten errichten. Der Mann heißt Belilco. — Die Gemeinde zu Teplitz, welche soeben zur Wahl eines Rabbiners geschritten, übersandte dem Rabbiner Herrn Dr. Bloch zu Brüx, der in der Zwischenzeit die Rabbinatsfunctionen versehen hatte, ein sehr würdiges Anerkcnntnißschreiben, in welchem sie besonders neben der Umsicht und Berufstreue die begeisternde Beredsamkeit belobte, welche Dr. Bloch in seinem Predigten bcthätigte.. — Bonn, 23. Februar. (Literarische Notizen.) Im vorigen Herbste hatte ein junger hervorragender Gelehrter jüdischer Religion, der Naturforscher Dr. Carl Sachs, das Unglück, auf den Alpen durch einen Sturz in die Tiefe das Leben zu verlieren. Der Tod des jungen Mannes wurde allgemein beklagt, da er sich durch wissenschaftliche Leistungen bereits ausgezeichnet und eine feine und scharfe Beobachtungsgabe erwiesen hatte. Kurz nach seinem Tode erschien eine Schrift von. ihm: Aus den Llanos. Schilderungen einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela. Mit Abbildungen. Leipzig, 1879. Sachs hatte nämlich auf Kosten der Regierung eine Reise nach Venezuela gemacht, um namentlich die merkwürdige Erscheinung der Zitteraale, also der thierischen Electricität zu beobachten, was seit der bekannten merkwürdigen Beobachtung Alexander von Humboldt's nicht geschehen. Das Buch ist höchst anziehend geschrieben und lehrreich über Land und Leute, auch über die dortigen politischen und kirchlichen Verhältnisse. Glücklich nach der Heimath zurückgekehrt, traf den hoffnungsreichen jungen Mann der Tod in den heimatlichen Bergen. — Wie wir hören, hat der erste Band des allerorten so gerühmten Prachtwerks „Aegypten von Ge org Ebers" (Verlag von Eduard Hallöerger in Stuttgart) trotz der ungünstigen Zeiten den Weg auf so viele Tische gefunden, daß eine zweite Auflage — nachdem das Werk kaum über die Hälfte erschienen — hievon nöthig geworden und in Vorbereitung begriffen. Auch eine englische und eine spanische Ausgabe des Prachtwerkes werden demnächst erscheinen, während von einer italienischen Ausgabe deffelben bereits sechs Lieferungen vorliegen. Bonn, 2. Marz. (Literarische Notizen.) Am 4. Juni 1878 feierte das unter Leitung des Dr. Hirsch überaus segensreich wirkende Taubstummen-Jnstitut zu Rotterdam sein 25jähriges Bestehen. Die schöne Feier, welcher unter Anderen über hundert ehemalige Zöglinge der Anstalt beiwohnten, nebst den dabei gehaltenen Reden fand ihre Beschreibung in folgender, jetzt erschienener.Festschrift: 1853 bis 1878. Herdenkingvan het VijoEn-Twintigjarig' Bestaan der Inrichting voor Doofstomraen-Onderwijs te Rotterdam. Die Anstalt, obschon unter einem Director jüdischer Religion, ist bekanntlich interconfessionell. In den verflossenen 25 Jahren hat sie 307 Zöglinge ausgenommen, unter welchen 38 Israeliten. Unsre lebhaften Wünsche begleiten sie in ihr zweites Vierteljahrhundcrt. — Auch in diesem Blatte war von dem Schreiben des Rumänen Ghika an die Times die Rede, in welcher gegen die Gleichberechtigung der rumänischen Juden plaidirt ward, und von dem, alle Argumente Ghika's entkräftenden Antwortschreiben des Barons de Worms. Eine andere, nicht weniger kräftige Erwiederung hat die Anglo- Jcwish Association im dewish Clirom'cle veranlaßt und einen Separatabdruck derselben besorgt. Wenn auch in diesem Schriftstück für uns Neues nicht enthalten ist, so erkennen wir doch mit Dank den Eifer an, mit welchem für Wahrheit und Recht eingetreten und dem zu erreichenden Ziele näher zu kommen gestrebt wird. — Der bisherige Friedhof der jüdischen Eultusgemernde in'Wien wird nächster Tage geschloffen und die abgeschlossene Abtheilung eröffnet, welche die Gemeinde auf dem neuen Centralfriedhof der Stadt erworben und eingerichtet hat. Dies veranlaßte den Vorstand der Chcwra Kadischa den Herrn Dr. G. Wolf aufzufordern, eine Geschichte der jüdischen Friedhofe und der gedachten Chewra zu verfassen, und diese liegt jetzt vor uns: Die jüdischen Friedhöfe und die Chewra Kadischa (fromme Bruderschaft) in Wien von G. Wolf. Veröffentlicht vom Vorstande der Chevrra Kadischa in Wien. Wien, 1879. Alfred Holder. Wie alle Arbeiten des Verfassers beruht auch diese auf einer gründlichen Benutzung alles geschichtlichen Materials. Die Friedhöfe knüpften sich selbstverständlich an das Schicksal der betr. Gemeinden und so spiegelt sich in ihrer Geschichte die der Gemeinden und ihrer Wandelungen und Wanderungen ab. Aber sie haben noch eine andere Seite. In keiner Religionsgenossenschaft besteht Alles, was auf Kranke, Sterbende und Todte sich bezieht, so ausschließlich in Werken der Liebe und Barmherzigkeit und ist so sehr der werkthätigen Hingabe und Aufopferung übergeben, wie im Judenthume. Es ist daher natürlich, daß zu aller Zeit in diesem Kreise Persönlichkeiten auftreten, welche sich in ihrem geräuschlosen Wirken die höchsten Verdienste erwerben und Vorbilder der echten Tugend und Frömmigkeit abgeben. Solche hatte denn auch die vorliegende Schrift an's Licht zu ziehen. Sie besitzt daher nach vielen