Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1879)
- Date
- 1879-04-08
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
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233 und den Krimkrieg mit und stieg vom Gemeinen zum Grade des Capitains auf. — Herr Ulderic Levi, welcher 150,000 Lires zu einer Wasserleitung in der Stadt Neggio (Emilia) hergegeben, hat dieses Geschenk auf 473,500 Lires erhoben, womit die Gesammtkosten des für genannte Stadt unentbehrlich gewordenen Unternehmens gedeckt sind. — Unser Correspondent in Tauberbischofsheim sendet uns als Gcgenbild der heutigen, von den Ultramontanen und Reaktionären hervorgebrachten antijüdischen Strömung einen Rückblick auf die, den edelsten Frei- und Gerechtigkeitssinn bekundenden Verhandlungen der badischen Kammern über das Gesetz der Gleichberechtigung im Jahre 1862. Wir halten diesen Rückblick nicht für nothwendig, da bis. jetzt noch in keinem einzigen deutschen Landtage der Versuch vorgekommcn, an der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Stellung der Juden zu rütteln, und diese Zeitung in ihrem Jahrg. 1862 S. 256 und 265 ff. einen ausführlichen Bericht über diese. Verhandlungen enthält. Jndeß ist doch ein Punkt, den wir hervorheben wollen. Der Berichterstatter—, für,. die zweite Kammer war der berühmte deutsche Geschichtsforscher Hausser. In seinem Berichte stellt er auch die richtige Ansicht über den Talmud fest, wie sie dem unparteiischen Beurtheiler sich ergeben müsse. Wir haben gerade diesen Theil seines Berichtes an der angeführten Stelle wörtlich wiedergegeben, und es könnte bei Gelegenheit von Nutzen sein, darauf zu recuriren. Wir setzen nicht voraus, daß Hausier den Talmud selbst zu studiren vermochte; aber ein so gründlicher und hervorragender Geschichtsforscher spricht kein Urtheil aus, ohne die sämmtlichen, zu Gebote stehenden Hülfsmittel gründlich geprüft zu haben. Schlimm genug, daß ein großer Theil des deutschen Publicums statt von solchen, das volle Vertrauen mit Recht beanspruchenden Führer, seine Vorstellungen durch gehässige Parteimä mer bestimmen läßt, wie z. B. Rohlin, wenn ihnen auch eine völlige Unkenntnis; nachgewiesen ist! — Wir haben schon bemerkt, daß jüngst die „Germania" sich zwei Mal eine Wuchergeschichte aus Stuttgart, in welcher ein Jude die Hauptrolle gespielt haben sollte, berichten ließ, ohne Namen zu nennen. Jetzt schreibt sie eine ähnliche der „Schles. Volksztg." ultramontane) nach, in welcher sie sogar den Namen des Dorfes, in dem sie vorgefallen, nur mit N. bezeichnet. Am Ende sagt sie: „Der Mann heißt — nun, für dies Mal noch keinen Namen!" Da es nun unmöglich ist, der Schles. V. und der Germania ein besonderes Zartgefühl für die Juden zuzuschreiben, während sie in 100 Wucher- und Betrugsgeschichten die Namen der christlichen Vösewichter nicht verschweigen: so müsien uns diese edlen Blätter gestalten, die Wahrheit ihrer Histörchen noch so lange zu bezweifeln, als sie nicht Mann und Ort benennen. Auf diese Weise könnte ihre Phantasie noch viele Geschichtchcn hervorbringen, ohne daß es möglich wäre, das Wahre vom Erfundenen zu scheiden! — Bonn, 16. März. (Notizen.) Die politischen Zeitungen machen jetzt viel Rühmens von einem jungen Maler Moritz Gottlieb aus Drohobycz in Galizien, wenn sie auch immer dabei hervorheben, daß er ein Jude sei. Trotz seiner Jugend, er zählt erst 21 Jahre, hat er sich bereits einen guten Namen erworben. Gegenwärtig weilt er in Rom, um seine Studien fortzusetzen. Er wurde als ein Schüler Matejko's von seinen Landsleuten in Nom sreundlichst ausgenommen. Rührend ist dabei die warme Anhänglichkeit des jungen Künstlers für seine Religion und Glaubensgcnosien, was man in dieser Sphäre nicht oft trifft. Der „Lemberg. Jsr." theilt einen Brief Gottliebs an einen seiner Freunde mit, aus welchem wir folgende Stelle herausnehmen: „Habe ich es denn wirklich schon so weit gebracht? Mein höchstes Streben ist also wirklich auf dem rechten Wege meines Zieles? Wie gern möchte ich alle Vorurtheile, die über meine armen Glaubensgenosien herrschen — ausrotten! — Wie gern möchte ich den Haß der', über dieses leidende Volk herrscht — vertilgen. — Wie gern möchte ich die Polen den Juden versöhnend machen, da doch beider Geschichte eine Leidensgeschichte ist. Nicht wahr, es ist wohl recht unbescheiden von mir, daß ich mich als solchen Apostel berufen denke. Wenn ich auch nicht die Kraft besitze das Ziel eines so hohen Strebens zu erreichen, hat doch die von meinen Landsleuten mir erwiesene Sympathie und die Schilderungen meiner Persönlichkeit in polnischen Blättern bewiesen, daß ich wenigstens auf dem rechten Wege zur Erlangung dieses erhabenen Zieles bin." „Ich besuche sehr oft das hiesige Ghetto. Da wohnen die Kinder der von den Päpsten verfolgten und unterdrückten Juden. Sie sind so gut und mild. Wie liebreich sie mich empfangen haben, als sie erfuhren, daß ich Jude aus fernem Lande bin und Maler. Wenn ich zu ihnen ins Ghetto komme, so zeigen sie mit Freude auf mich und laden mich in ihre Wohnungen, um mich zu bewirthen mit köstlichem Weine, den sie im Uebermaße besitzen. Am Samstag sitzen sie den ganzen Tag in der Synagoge und singen in ihren eigenen gar traurigen Weisen Psalmen. Und die Töchter des Ghetto, wie lieblich demüthig und sehnsuchtsvoll sie einen anschauen, um aber bald verlegen die Augenlider wieder senken zu laffen. Alles da ist noch so demüthig und der Druck der einstigen Verfolgungen ist noch nicht verwischt. Sonst sind die Juden hier beliebt. Sie sollen hier, wie ich von Christen Vernommen habe, die redlichsten Leute sein. Ich selbst war Zeuge wie einige Juden, die verschiedenen Waaren in Cafsi'-Häusern zum verkaufen herumrragen, zu jedem, dem sie ihre Waare anbieten, sagen: kaufen Sie von mir, ich bin ein Sohn Israel. Dieses beweist zur Genüge, daß sie in nicht schlechtem Rufe stehen müsien." — Ein officieller Bericht aus Algerien bezeugt, daß die nicht arabische Jugend, in A l ge rien, also auch die sirdische^die Schule fast vollständig | besucht. Hierbei stellt sich für die Juden ein noch besonder- Id