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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-08 · Heft 15 (8.4.1879) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 15 (8.4.1879)
Date
1879-04-08
Page
Seite 232 (sequence 8)
Language
German
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232 Bratiano in solchen Institutionen und solchen Gesetzen, die die emstesten Maßregeln enthalten, um unsere socialen, öconomischen, nationalen und politischen Interessen vor jeder Gefahr zu schützen und zu schirmen. Bratiano war zu dieser Auseinandersetzung durch die Moldauer Fraktion und die Gruppe .Vernescü geradezu gezwungen worden, nachdem diese beiden Gruppen, die die Declaration motivirt haben wollten, den Eabmetschef in heftigster Weise angegriffen und demselben die ernstesten Vorwürfe gemacht hatten. Auf eine dieser Insinuationen antwortete Bratiano wörtlich Folgendes: „Es wurde auch noch gesagt, ich hätte dem Grafen Andrassy in der Judenfrage Versprechungen gemacht, ja sogar auch gewisse Engagements auf mich genommen. . Wer den Grafen Andrassy kennt, kann nicht glauben, daß derserlbe irgend Jemandem so etwas sagen konnte. Auch selbst die Gegner des Grafen erkennen an, daß derselbe der vollendetste Cavalier unter den Diplomaten in Europa ist. Graf Andrassy kann nicht behaupten, was nicht gewesen ist. Ich habe mit ihm über die Judenfrage niemals in einer Weise gesprochen, die mich auch nur im Entferntesten engagirt haben würde. Im Gegcntheil: Graf Andrassy sagte mir eines Tages, wenn einige Mächte der Schwierigkeit der Judenfrage in Rumänien nicht Rechnung tragen, so kenne er doch einerseits als unser Nachbar die Verhältnisse und begreife und würdige diese Schwierigkeiten. Ich hatte daher nicht nothwendig, irgend ein Engagement zu übernehmen, weil Graf Andrassy über die Schwierigkeiten mit mir einig ist, die diese Frage involvirt." (Wir dürfen nicht vergessen, daß Johann Bratiano einer, und zwar der bedeutendste jener Männer ist, welche den Sturm gegen die Juden in Rumänien heraufbeschworen, als sie sich auf diesem Wege die Popularität sichern oder doch verstärken wollten. Was er daher in dieser Frage concedirt, thut er widerwillig. Die obige Rede bezeugt dies zur Genüge, denn einerseits übertreibt er in gewohnter Weise die Zahl der Juden in Rumänien um das Doppelte, andererseits leugnet er das Vorhandensein wissenschaftlich gebildeter Israeliten in Rumänien, deren es doch schon eine ganze Anzahl giebt. Wir können jetzt nichts weiter thun, als abwarten, bis endlich das publik wird, was die gesetzgeberische Weisheit dieser Herren aushecken wird. Redaction.) Jassy, 24. März. Der Pol. Corr. wird geschrieben: „Am 23. März wurde in Jassy ein Rabbiner beerdigt. Vor einem Hause in der Vorstadt, an welchem der Leichenzug vorüberkam, standen mehrere christliche Frauenspersonen, um das Leichenbegängniß mit anzusehen. Mehrere den Sarg begleitende Juden traten aus dem Zuge heraus und verwiesen den gaffenden Weibern ihre Neugierde, welche eine Beleidigung des Todten sei. Die Weiber, hierüber aufgebracht, bewarfen die Juden mit Straßenkoth, woraus.sich nun eine Balgerei entwickelte. Die Polizei schritt ein, verhaftete einige Juden und erstattete sofort dem Procurator die Anzeige. Kaum war es Abend geworden, so rotteten sich über 400 Juden vor dem Polizeiarreste zusammen, forderten stürmisch die Herausgabe ihrer verhafteten Glaubensgenossen und wollten die Befreiung derselben mit Gewalt erzwingen. Ta ließ der Militärcommandant von Jassy, General Rakovitza, die bewaffnete Macht ausrücken, die Renitenten zerstreuen und die Anführer derselben verhaften, die dem Untersuchungsrichter übergeben wurden. Die Regierung hat sofort die strengste Untersuchung des hier mehr als unangenehm berührenden Vorfalles anbefohlen." Es versteht sich, daß dies eine ganz einseitige Darstellung ist, die der Berichtigung entgegensieht! Rußland. Petersburg, 2S. März. (Privatmitth.). Vorgestern, 26. März, um 3 Uhr fand die letzte Sitzung des Gerichtshofes zu Kutais statt, und wurden sämmtliche neun beschuldigte Jupen völlig frei gesprochen. Die Vertheidigungsreden der Herren Alexandroff und Kuparnik sollen klar und entschieden den Unsinn der Beschuldigung erwiesen haben, doch sind ihre Reden bis jetzt leider noch nicht veröffentlicht. — Der Direktor der hiesigen israelitischen Schulen, Herr Behrmann, hat vom Ministerium die Erlaubniß erhalten, ein Organ für jüdisches Interesse in russischer Sprache herauszugeben. W. B. (Immerhin können wir den Fortschritt einregistriren, der seit 1840 in Europa stattgefunden. Damals, als die Damasker Tragödie aufgespielt wurde, äußerten selbst liberale Blätter das Bedenken, ob nicht doch in entfernten Gegenden bei noch barbarischen Inden ein solcher Ritus vorhanden sei, der den Gegenstand der Beschuldigung bildete, und es bedurfte der bestimmtesten Erklärungen unparteiischer Gelehrten, um von der scheußlichen Lüge überzeugt zu werden. Jetzt hat es nicht einmal die bitterste Hctzpresse gewagt, eine solche Vermuthung zu äußern. Zum Gegenbilde dessen, was gegenwärtig wieder in Rußland' vorgckommen, erinnern wir, wie vor sechs Jahren, als in einem Dorfe bei Eonstantinopel griechischer Pöbel eine solche Beschuldigung gegen dortige Juden erhob, der Sultan durch einen Ferman ein für allemal untersagte, eine derartige Bezüchtigung gegen die Israeliten in seinen Staaten zu erheben. Seitdem ist diese von den Christen in's Morgenland importirte Lüge aus der Türkei verschwunden. Red.) Bonn, 10. März. (Notizen.) Der „Vess. Jsr.“ meldet den Tod des H. Angelo Vitale, eines der ersten Soldaten der italienischen Unabhängigkeit. Er hat an allen Befreiungskämpfen Theil genommen seit 1848, bis zur Velageri ung von Rom 1870. Er machte die Schlacht bei Novara

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