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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-08 · Heft 15 (8.4.1879) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 15 (8.4.1879)
Date
1879-04-08
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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230 hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche sich einem mehr als Elementarbildung erfordernden Benrf widmen, den Schutz eines Hauswesens zu gewähren, sowie auch die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaff«. Der Verein hat bereits soviele Mitglieder gewonnen, daß er die Zahl der in sein Haus aufgenommenen Mädchen auf 18 bringen konnte, und die stets wachsenden Anmeldungen bezeugen das Vertrauen, welches die Anstalt genießt. Die Mädchen simgiren entweder schon als Lehrerinnen und in verschieden« Gewerben oder bilden sich zu Lehrerinnen, KindergärtnerÄW« and in verschiedenen gewerblichen Zweigen aus. Jeder Menschenfreund wird die Fortschritte dieses Vereins mit seiner Theilnahme begleiten und wünschen, daß derselbe in allen größeren Gemeinden Nachahmung finde. Dresden, inr März. (Privatmitth.) Für das Jahr 1876 hat die Verwaltung unsere Gemeinde ihren Jahresbericht veröffentlicht. Sie hatte «ne Einnahme von 30,300 Mark, wovon 13,888 M. aus den Cultussieuern, 5096 M. aus den Miethszinsen für BetpAtze erflossen. Die Ausgaben beliefen sich auf 20,630 M., sodaß sich der Bestand der Gemeindecasse Ende 1878 auf 40,202 M. belief. Unter den Ausgaben bilden die Gehalte, Grataficatwnen und Pensionen den stärksten Posten, nämlich 21,687 M.; das Chor kostete 2,883 M. und 1032 M. der Aufwand für die Synagoge. In diesen! Jahre bestand das Gemeindeftatut seit 25 Jahren in Kraft. Die Gemeinde zählte Ende 1878 40! stimmberechtigte Mitglieder Eine Uebersicht zeigt, daß bis zum Jahre 1869 die Zahl derselben ziemlich dieselbe blieb, nämlich 130. Seitdem ist sie in stetern Wachsthum und hat sich in 9 Jahren mehr als verdreifacht. Die Vereine und Stiftungen bieten an Zahl wie an Größe der Mitte! das erfreulichste Bild, und da ein gemäßigter aber steter Fortschritt in allen Zweigen des Gemeindelebens angestrebt und bethätigt wird, kann man nur mit Befriedigung auf diese Gemeinde und ihre Verwaltung blicken. Oesterreich-Ungarn. Pest, 23. März. Die israelitische Gemeinde zu Szeged in! Der Ausschuß bcx Pester israelitischen Religionsgemeinde hat über Anregung des persönlich erschienenen Vorstandes der Szcgediner israelitischen Gemeinde in seiner gestrigen Sitzung den Beschluß gefaßt, an sammtliche israelitische Gemeinden des Inlandes und an die größeren Gemeinden des Auslandes einen Aufruf ergehen zu lassen, in welchem die Gemeinden als religiöse Corporationeu aufgefordert werden, die Weitererhaltung, resp. Wiederbelebung der vom gänzlichen Ruine bedrohten israelitischen Gemeinde-Institutionen Szcgedins (blühende Volksschule, Tempel, Spital und andere Wohlthätigkeitsanstalten) durch ausgiebige und möglichst rasche Unterstützung zu ermöglichen. Ohne eine solche wäre die Gemeinde, welche keinerlei Fundatum oder sonstiges Communalvermögen besitzt, dem sichern Untergange preisgegeben. Der Gemeindeausschuß ließ sich hierbei von der sichern Voraussetzung leiten, daß seine Glaubensgenossen, welche sich bei der Linderung der allgemeinen Nothlage Szegedins in so patriotischer und humaner Weise betheiligten, auch dort nicht fehlen werden, wo sie corporativ als jüdische Religionsgemeinden für die Humanitären und religiösen Institutionen einer unglücklichen - Schwestergemeinde einzutreten haben. Der Vorstand der Pester israelitischen Gemeinde, welcher in der demnächst abzuhaltenden Generalversammlung den Vorschlag eines nainhaften Spendenbetrages einbringen wird, wird zugleich die einlaufenden Spenden entgegennehmen und ihrer Bestimmung zur rechten Zeit und in zweckentsprechender Weise zuführen. Szegcdin, 22. März. Rabbiner Dl-. Löw hielt heute 6 Uhr Morgens seit der Katastrophe in einem Privathause zum ersten Male den Sarustag-Gottesdienst. Werthvolle Tempelgeräthschasten wurden durch Dr. Löw noch vor der Katastrophe in Sicherheit gebracht, was ein Glück war, denn nach der Katastrophe fand man im inundirten Tempel die Heilige Lade erbrochen. Gemeinden der Glaubensgenossen im In- und Auslande sagen Hülfe zu. Der Rabbiner erhielt bereits viele Kleider für die Gemeinde-Angehörigen. In der Liste der Beamten, welche die Stadt dem Ministerium behufs Anweisung eines einmonatlichen Gehaltsvorschusses unterbrntete, sind auch die Namen der israelitischen Gemeindebeamten enthalten. Pest, 20. März. (Privat,nitth.) Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde einmal wieder die Frage der Religionsfreiheit und der Civilehe besprochen. Der Abgeordnete Jränyi hat es sich seit zehn Jahren zur Ausgabe gemacht, in jeder Legislaturperiode einmal diese beiden Fragen durch desfallsige Anträge zur Sprache zu bringen. Er will principiell die Religionsfreiheit proclamirt und speciell die Civilehe eingeführt haben. Die Regierung tritt regelmäßig beiden entgegen, indem sie desfallsige .Gesetzentwürfe verheißt, wozu sie jedoch die griechischen Kalenden als Termine beansprucht. Es kann hier nicht in den Verlauf der diesmaligen Debatten 'eingegangen werden, noch dazu, da das Interesse daran schnell durch die unglücklichen Ereignisse der jüngsten Zeit verdrängt worden ist. Von der einen Seite behauptete inan, daß die Religionsfreiheit in Ungarn auch ohne principielle Anerkennung bestehe und daß die Bevölkerung die Civilehe nicht wünsche, auch nicht die Erlaubniß der Eheschließung zwischen- Juden und Christen. Von der andern Seite wurde das gerade Gegentheil behauptet. Die Ersteren meinten, die Streitfrage zwischen Staat und Kirche sei noch nicht genugsam „ausgegohren", und citirten in ganz unrichtiger Weise amerikanische Gesetze, welche die Religionsfreiheit beschränken sollten — die alten beschränkenden Gesetze der Einzelstaaten in der Union sind längst theils durch

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